Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Bürgerhaus Burg in Herborn-Burg

Preisträger

1. Preis: Christopher Unger (STUDIO BORNHEIM), Frankfurt/Main

€ 10.000

Mitarbeit: Anselm Baumann

2. Preis: Joachim Klie (AG 5, Dipl.-Ing. Architekten + Stadtplaner)), Darmstadt

€ 6.000

Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

3. Preis: Prof. Peter Karle, Darmstadt

€ 4.000
Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 16.12.2013
Ort Herborn, Stadtteil Burg
Auslober Magistrat der Stadt Herborn
Betreuung Planungsbüro Holger Fischer, Linden
Preisrichter Hans-Peter Kissler (Vorsitz), Susanne Wartzeck, Peter Diehl, Hans Benner, J. M. Müller

Bürgerhaus statt Stadthalle

Wettbewerb für den Neubau eines Bürgerhauses in Herborn-Burg

In der 1970er Jahren gastierten im Bürgerhaus des Herborner Stadtteils Burg Größen aus dem Volks- und Schlagermusikbusiness wie beispielsweise Heino. Doch Veranstaltungen mit Künstlern dieser Kategorie ließen sich heute nicht mehr stemmen, denn der Flachdachbau bietet knapp 400 Musikfreunden Platz – viel zu wenig, um die Konzertkosten über die Eintrittskarten hereinholen zu können. Zudem ist das Gebäude inzwischen stark sanierungsbedürftig. Der ins Gespräch gebrachte Bau einer Stadthalle gemeinsam mit der Nachbarstadt Dillenburg war aus Kostengründen verworfen worden. Stattdessen soll ein kleinerer Neubau nach dem Abriss des bestehenden Bürgerhauses folgen. Gerd Kaut (Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss) und Gesine Ludwig von der AKH berieten die Stadt Herborn bei der Vorbereitung des dafür ausgelobten nichtoffenen Wettbewerbs. Das Planungsbüro Holger Fischer aus Linden betreute das Verfahren.

Im Neubau sollen ein Foyer, ein großer und ein kleiner Saal sowie Nebenräume für das Bürgerhaus Platz finden, zudem Duschen, Umkleiden und Lagerräume für den im Bestandsgebäude untergebrachten Sportverein. Das Wettbewerbsareal liegt im Überschwemmungsgebiet der Dill. Im Osten, gegenüber dem bestehenden Bürgerhaus, befinden sich der Bahnhof sowie die anschließenden Industriehallen der ehemaligen Burger Eisenwerke. Im Westen begrenzt der Fluss Dill das Wettbewerbsgebiet, dahinter und südlich schließt kleinteilige Wohnbebauung an. Im Norden liegen ein auch als Festplatz genutzter Parkplatz für das Bürgerhaus und die angrenzenden Sportanlagen.

Auf Platz eins landete der geradlinige und stringente Entwurf des Frankfurter Architekturbüros Studio Bornheim, der den Neubau am Ort des Bestandsgebäudes platziert. Im Süden "fließt ein repräsentativer Vorplatz in den überdachten Vorbereich" des Gebäudes, aus dem die Saalbauten erkennbar höher herausragen. Die Nebenräume liegen Richtung Bahnlinie, die Säle befinden sich auf der dem Fluss zugewandten Seite des Gebäudes. Das Foyer weist Richtung Stadtzentrum, von hier führt ein Flur Richtung Park- und Sportplatz, der die beiden Gebäudebereiche voneinander trennt. Die nach Westen vorgelagerte, teilweise mit Holzlamellen umfasste Terrasse sowie die Verwendung von Holz als Konstruktionsmaterial und als gestalterisches Mittel im Innenraum bewerteten die Preisrichter positiv. Sie empfahlen hinsichtlich des eingeschränkten Ausblicks auf die Dill und Burg sowie der "strengen, säulenartigen Ordnung" der Lamellen jedoch eine Überarbeitung.

Die zweitplatzierten AG 5 Architekten aus Darmstadt präsentieren ein quadratisches, teilweise aufgeständertes, pavillonartiges Gebäude in Holzbauweise und schlagen für die Gestaltung des Außenraums eine Promenade zur Dillaue vor. In dem kompakten Bürgerhaus liegen um einen "Kern" für die Haustechnik die weiteren Räume angeordnet, die Nebenräume zur Bahnlinie, die Umkleiden und Duschen für die Sportler in Richtung Park- und Fußballplatz. Die unterschiedlich großen Versammlungsräume orientieren sich zum Fluss hin, das Foyer zeigt Richtung Burg/Herborn. Das Preisgericht lobte die Ausbildung eines "eigenständigen Ortes" und den "sehr gut proportionierten Baukörper". Es stellte jedoch die Aufenthaltsqualität der umlaufenden Terrasse ebenso in Frage, wie die Qualität des unter dem Gebäude offen gelassenen Hochwasserstauraums.

Mit dem dritten Preis prämierten die Preisrichter den Entwurf des Darmstädter Architekten Prof. Peter Karle. Dieser sieht – in Anlehnung an die bestehenden Industriehallen der Burger Eisenwerke – zwei nur durch einen Flur verbundene parallele Längsgebäude mit Satteldächern vor. Das Gebäude zur Bahnlinie hin soll alle Nebenräume beherbergen, der zum Fluss orientierte Baukörper die beiden Säle und das Vereinszimmer aufnehmen. Das Preisgericht lobte den "prägnanten Ansatz" und die funktionalen Zusammenhänge, vermisste jedoch aussagekräftigere Darstellungen in den Plänen.

Das Preisgericht, dem der Wiesbadener Architekt Hans-Peter Kissler vorsaß, empfahl dem Auslober, mit den Preisträgern in weitere Verhandlung zu treten.


Katja Klenz