Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Landesgartenschau Bad Schwalbach 2018

Preisträger

1. Preis: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München

€ 34.000

Ursula Hochrein, Axel Lohrer
Mitarbeit: Sabine Deflorian, Till Kwiotek, Julian Ulrich

2. Preis: capatti staubach, mit 2D+ Architekten, Berlin

€ 22.000

Matthias Staubach, Markus Bonauer
Mitarbeit: Philipp Brandt, Imne Singer
Fachberater: Dipl.-Ing. Michael Bölling

3. Preis: plancontext gmbh Landschaftsarchitektur, mit roedig.schop architekten, Berlin

€ 13.000

Uwe Brzezek, Christian Loderer, Ulrich Schop, Christoph Roedig
Mitarbeit: Torsten Zellmann, Enrico Kliem, Maria Böhme, Vjaceslav Makaev, Carlo Miatello

Anerkennung: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

€ 8.500

Tobias Micke
Mitarbeit: Mathias Werner. Kolja Wischnewski, Elisabeth Stieger, Sami Hassanein

Anerkennung: Frank Grosskopf, Dresden

€ 8.500

Mitarbeit: Daniel Stöcker-Fischer, Sophia Till

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einphasiger, offener, landschaftsarchitektonischer und städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 05.12.2013
Ort Bad Schwalbach
Auslober Stadt Bad Schwalbach
Betreuung Planstatt Senner, Überlingen
Preisrichter Till Rehwaldt (Vorsitz), Heike Roos, Klaus Bierbaum, Dieter Pfrommer, Thomas Wirth, Detleff Wierzbitzki, Kunibert Braukschulte, Jürgen Patscha, Martin Hußmann, Peter Sörries, Alexander Born, Klaus Mauer, Jürgen Barten, Peter Neugebauer, Waltraud Godau

Valle d’aqua

Wettbewerb für die Landesgartenschau in Bad Schwalbach 2018

Die 6. Hessische Landesgartenschau soll 2018 in Bad Schwalbach stattfinden – eine Chance, neue Impulse für die Stadtentwicklung zu setzen. Der rund 11.000 Einwohner zählende Kurort, hat schon mehrere Blütezeiten erlebt. Erstmals wurde die Heilwirkung seiner Mineralbrunnen im 16. Jahrhundert bekannt. 1648, nach Ende des 30jährigen Krieges, entwickelte sich der Ort zu einem der führenden Luxusbäder Deutschlands – mit Promenaden, Logierhäusern und einer Sommerresidenz des Landgrafen. Das Wasser, zur „Erhaltung der Frische“ teilweise vermischt mit Wein, wurde zeitweise sogar bis nach Frankreich, Holland und in die Schweiz versandt.

Nach einem Einbruch des Kurlebens Ende des 18.Jahrhunderts folgte im 19. Jahrhundert die zweite Blütezeit. Die Stadt, die bis 1927 noch Langenschwalbach hieß, etablierte sich als Badeort von europäischem Rang. Eine Folge des zweiten Weltkriegs war der erneute Niedergang des Kurbetriebs, bevor das Land Hessen 1952 Bad Schwalbach zum Staatsbad  ernannte. Mit der Reform des Gesundheitswesens Anfang der 1990er Jahre, die unter anderem deutlich kürzere Kuraufenthalte zur Folge hatte, verlor jedoch das Kurwesen wieder an Bedeutung – die wirtschaftlichen und strukturellen Auswirkungen sind heute deutlich sichtbar.

Im Zuge der Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2018 hat die Stadt nun mit Unterstützung der AKH – die Gespräche führten Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Wettbewerbe, und Martin Schaper vom Landeswettbewerbsausschuss– einen landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt. Der Realisierungsteil umfasste die beiden Kurparkteile im Rödelbach- und im Menzebachtal, sowie die Nahtstelle zwischen den historischen und denkmalgeschützten Kur- und Parkanlagen. Im Ideenteil sollten die Bundesstraße am Kurpark mit ZOB bis in die Adolfstraße, der Städtebau auf dem Areal der Paracelsusklinik und die Verflechtungsräume in die freie Landschaft bis zu den Moorgruben im Menzelbachtal betrachtet werden. Anspruch der Auslober war es, den räumlichen Zusammenhang zwischen der Stadt und dem Kurpark wiederherzustellen und für die ehemals dem Kurwesen vorbehaltenen Gebäude und Freiräume „zukunftsorientierte Nutzungen“ zu finden. Das Büro Planstatt Senner Landschaftsarchitektur, Umweltplanung, Stadtentwicklung aus Überlingen betreute das Verfahren.

Das Münchener Büro lohrer.hochrhein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh löste nach Ansicht der Preisrichter die städtebaulichen Probleme im Zentrum der Stadt am besten und überzeugte durch die „klare Herausarbeitung der Qualitäten vor Ort“. Diese seien „die Parkfassung als Rahmung der Wiesentäler, die Stärkung des Elements Wasser in vielfältiger Form konsequent unter dem Motto ‚Valle d’aqua" sowie die Ausbildung der Kurterrasse mit starkem Bezug zur Innenstadt. Die Eingriffe in den Park wertete das Preisgericht als „sensibel“ und „angenehm zurückhaltend“. Im Rödelbachtal sollen die Spiel- und Sportangebote konzentriert werden, im Kurpark sehen die Entwurfsverfasser eine „extensive Gestaltung“ westlich und eine „sehr intensive Gestaltung“ östlich des Kurweihers vor. Im Bereich vor dem Stahlbadehaus greifen sie das historische Promenadenmotiv auf. Die Idee der Wettbewerbssieger, den Übergang vom Park zur Innenstadt mit einer sich weitenden, durch wenige Stufen akzentuierten Platzfläche mit Wassertisch zu betonen, bezeichneten die Preisrichter als „bestechend“. Der Gesamtentwurf überzeuge durch das „Heranführen von klaren Grünstrukturen an die Innenstadt“, er gehe „natur- und stadtraumverträglich behutsam mit dem Bestand“ um und entwickle ihn „signifikant und wirtschaftlich“ weiter. Der Wohnstandort an der Paracelsusklinik, Aufgabe des Ideenteils, weise eine klare Achse zum Park auf. Kritisch bewerteten die Preisrichter den ihrer Ansicht nach zu hohen Anteil der Verkehrsflächen.

Platz zwei und drei gingen nach Berlin an Capatti Staubach Landschaftsarchitekten mit 2D+ Architekten sowie an die plancontext gmbh Landschaftsarchitektur mit roedig.schop architekten. Eine Anerkennung erhielten Frank Grosskopf, Garten- und Landschaftsarchitekt aus Dresden sowie mit ST raum a Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH ein weiteres Berliner Büro.

Das Preisgericht empfahl, die Arbeit des ersten Preisträgers der Weiterbearbeitung zu Grunde zu legen – unter der Maßgabe, dabei einige Aspekte zu berücksichtigen, unter anderem den Erhalt der vorhandenen Platanen am Alleesaal, eine weitere Differenzierung und die Berücksichtigung einer multifunktionalen Nutzung des Kurhausvorplatzes sowie die Integration der anschließenden Alleen.

Katja Klenz