Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb: Erlebnis- und Attraktionspunkte im Regionalpark Niddaroute im Bereich der Stadt Karben

Preisträger

1. Preis: Hans-Werner Kuhli, Gießen

€ 6.000

Mitarbeit: Claudia Grossbach

2. Preis: BWP Endreß Landschaftsarchitekten, Frankfurt/Main

€ 4.000

Corinna Endreß
Mitarbeit: Frank Wiegmann, Christiane Steger

3. Preis: BIERBAUM.AICHELE. landschaftsarchitekten, Mainz

€ 2.000

Klaus Bierbaum, Klaus-Dieter Aichele
Mitarbeit: Frank Finger, Anne-Kathrin Busche, Uta Jakobs, Michael Ritter, Franz Waleczek

Anerkennung: Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Kassel

€ 1.000

Markus Gnüchtel, Michael Triebswetter
Mitarbeit: Melanie Lips, Stefan Cichosz, Mathias Gehring, Mingge Yu, Chanda Winter

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Preisgerichtssitzung 27.08.2013
Ort Karben
Auslober Magistrat der Stadt Karben in Zusammenarbeit mit der Regionalpark Rhein-Main GmbH, Flörsheim
Betreuung Magistrat der Stadt Karben, S 1 Wirtschaft, Verkehr und Öffentlichkeitsarbeit sowie FB 5 Stadtplanung, Bauen und Umwelt
Preisrichter Dr. Hans-Peter Rohler (Vorsitz), Prof. Dr. Jörg Dettmar, Katja Imhof, Sylke Radetzky, Guido Rahn, Ekkehart Böing, Gertrud Hilka

"Landschaft mit Fluss"

Erlebnis- und Attraktionspunkte im Regionalpark Niddaroute im Bereich der Stadt Karben

Den ökonomischen Nutzen der Nidda wussten schon die Römer zu schätzen, denen der Fluss als Transport- und Handelsweg diente. Im Mittelalter machten sich dann die Mühlenbesitzer die Wasserkraft des Flusses zunutze und legten Mühlgräben und Stauwehre an. Bis in die 1960er Jahre wurde der Lauf der Nidda weiter begradigt und büßte so weiter an Natürlichkeit ein – zuletzt wurde der Fluss teilweise in einen Kanal gezwängt. Seit den 1990er Jahren erhält die Nidda jedoch abschnittsweise ihre "Freiheit" zurück. So werden alte Flussarme renaturiert, Flutmulden geschaffen, Wehre beseitigt, Dämme zurückgebaut, Umgehungsgerinne angelegt und das Flussbett aufgeweitet.

Auch die Stadt Karben hat die Bedeutung des Flusses, der derzeit noch kanalartig durch die Stadt fließt und ein eher tristes Dasein fristet, als Naherholungsgebiet und Touristenattraktion erkannt und möchte im Zuge des Ausbaus der Regionalpark-Niddaroute nun den Fluss und seine Ufer für die Bürger attraktiver gestalten. "Erlebnis- und Attraktionspunkte" sollen zum „Verweilen und Entspannen einladen“ sowie zu "Sport- und Freizeitgestaltung anregen", so wünschte es sich der Magistrat der Stadt Karben in der Auslobung seines freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs, der zudem einen Ideenteil für einen 3,5 Kilometer langen, als "durchgängig erlebbaren Freiraum" zu gestaltenden Flussabschnitt umfasste. Bei der Vorbereitung des Verfahrens wirkten Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Wettbewerbe sowie Martin Schaper vom Landeswettbewerbsausschuss der AKH mit.

Mit den zwei Leitthemen "Ort und Geschichte" sowie "Landschaft mit Fluss" überzeugten Claudia Grossbach aus Frankfurt/Main mit Hans-Werner Kuhli, Landschaftsarchitekt aus Gießen, das Preisgericht und erhielten den ersten Preis zugesprochen. Die Schwerpunkte der Neugestaltung in Form von Aufenthaltsbereichen, Spiel- und Sportmöglichkeiten sowie neuen Wegen legten die Verfasser in die Nähe des Rathauses und an die größere Niddainsel. Am neuen Überflutungsbereich des dann renaturierten Abschnitts der Nidda sollen eine Aussichtsmöglichkeit und eine Beobachtungsstation entstehen. Besondere Objekte, gestaltet aus dem Holz der im Rahmen der Renaturierung zu fällenden Bäume, sollen verschiedene geschichtsbezogene und landschaftskulturell interessante Orte an der Nidda markieren. Den Preisrichtern gefielen die hohe gestalterische Qualität sowie die "eigenständige Gestaltsprache". Verschiedene Meinungen gab es hingegen zur Angemessenheit des "eher urbanen Gestaltungstils" in den Vertiefungsbereichen für Karben.

Platz zwei ging an BWP Endreß Landschaftsarchitekten aus Frankfurt/Main, die nach Ansicht des Preisgerichts "eine Strategie anbieten, über ein variiertes Erlebnismodul das Niddaufer zwischen Okarben und Klein-Karben zu bespielen". Eine "durchgängige Gestaltungssprache mit Betonplateaus und Stufungen" charakterisierten diese "Erlebnismodule". Deren angebotenes Spektrum sei im Hinblick auf Orientierung und Aufenthaltsqualität in der Lage, ein erkennbares Merkmal auszubilden, so die Preisrichter, sie zweifelten jedoch an der Identität stiftenden Wirkung der Module. Das Preisgericht bewertete die naturbezogene Ufernutzung mit Niddastrand sowie die urbane Terrasse am Rathaus/Bürgerzentrum als besonders überzeugend, schätze aber die Lage der vorgeschlagenen Niddaterrasse als nicht geeignet ein.

Den dritten Preis erhielten die Mainzer BIERBAUM.AICHELE. landschaftsarchitekten, denen die Preisrichter bei der Eingliederung der Neugestaltungsmaßnahmen in die vorgesehene Renaturierung eine "große Sensibilität" attestierten. Die Entwurfsverfasser schlagen viele einzelne, kleine Eingriffe vor und setzten für deren Dimension und die verwendeten Materialien auf Natürlichkeit. Darin liege die Stärke des Entwurfs, so die Preisrichter. Weniger überzeugt zeigten sie sich vom vorgeschlagenen Klanggarten an den Tennisplätzen und der angedachten Verlegung des Beachvolleyballfelds.
Eine Anerkennung vergaben die Preisrichter zudem an Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten aus Kassel.

Die Preisrichter, denen Prof. Dr. Hans Peter Rohler vorsaß, empfahlen der Stadt Karben für das weitere Vorgehen Gespräche mit den Verfassern der beiden erstplatzierten Arbeiten. Sie wiesen darauf hin, dass dabei die jeweiligen, kritisch bewerteten Punkte berücksichtigt  und noch offene Fragen – wie beispielsweise die Einhaltung des Kostenrahmens – geklärt werden sollten.

Katja Klenz