Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Realisierungs- und Ideenwettbewerb "Brückenschlag", Darmstadt

Preisträger

1. Preis: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH, Frankfurt/Main, mit Knight Architects, Limited, Buckinghamshire (GB)

€ 41.000

Mitarbeit: Matthias Hillebrand, Thomas Wicher, Bartolomiej Halaczek, Simon Harris

2. Preis: Ingenieurgemeinschaft Setzpfandt GmbH & Co. KG, Weimar, mit PPL Architektur und Stadtplanung, Hamburg

€ 32.000

Gerhard Setzpfandt, Joachim Kahl
Mitarbeit: Angelika Fornacon, Christian Spindler

Anerkennung: Schlaich Bergmann und Partner, Stuttgart, mit Wittfoht Architekten, Stuttgart

€ 15.000

Sven Plieninger, Prof. Jens Wittfoht
Mitarbeit: Bart Bols, Thomas Kemmler, Sandra Hagenmayer, Leonardo Sartori, Apostolos Michailidis, Luis Santos-Martin

Anerkennung: Benthem Crouwel Architekten, Amsterdam (NL), mit WTM Engineers München GmbH

€ 15.000

Marten Wassmann
Mitarbeit: Jan Benthem, Mels Crouwel, Marcel Blom, Markus Sporer, Joost Vos, Guido de Wit, Jorik Bais, Jerome Latteux, Amir Favokhian, Stefan Elschot, Dr. Otto Wurzer, Karin Reiter, Stefan Füchtmann
Fachberater: ICB Hamburg. Lutz Gerlach, Dirk Schwab, Markus Niesyto (Verkehrsplaner)
Bartenbach, Robert Müller, Stefan Prem (Lichtplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger, interdisziplinärer Realisierungswett¬bewerb mit Ideenteil und vorangestelltem Bewerbungsverfahren gem. RPW 2008
Preisgerichtssitzung 13.12.2013
Ort Darmstadt
Auslober Wissenschaftsstadt Darmstadt, Stadtplanungsamt Darmstadt
Betreuung AG 5, Dipl.-Ing. Architekten + Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Ernst-Ulrich Scheffler (Vorsitz), Prof. Marcin Orawiec, Oliver Witan, Prof. Jan Knippers, Prof. Harald Kloft, Prof. Hans-Georg Reinke, Brigitte Lindscheid, Herr Achenbach, Horst-Adalbert Härter, Hans Fürst, Jochen Krehbiehl

Vierfacher Brückenschlag

Interdisziplinärer Ideen- und Realisierungswettbewerb in Darmstadt

Die Strecke der Main-Neckar-Bahn, die Frankfurt am Main mit Heidelberg verbindet, führt über Darmstadt. Hier definierte die tiefliegende Bahntrasse lange Zeit die westliche Stadtgrenze. Aber auch nach der Stadterweiterung westlich der Gleise kurz vor dem zweiten Weltkrieg bildete die Gleisanlage eine Zäsur im Stadtbild. Auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Darmstadt Süd queren insgesamt sechs Straßenbrücken die Gleise. Sie verbinden das Hochschulviertel, ein Wohngebiet am Akaziengarten sowie die Postsiedlung des Stadtteils Bessungen mit dem sogenannten Telekomviertel, dem Gewerbegebiet Hilpert-/Kleyerstraße sowie den Konversionsflächen Südwest, auf denen ein Gewerbepark entstehen soll. Vor allem die geplante Umnutzung der Konversionsflächen ist neben der Sanierungsbedürftigkeit der Brücken ein wesentlicher Grund für deren anstehende Erneuerung.

Zukünftig soll jedoch die Überführung an der Scheppallee entfallen und für die denkmalgeschützte Brücke Rheinstraße ist eine gesonderte Sanierung geplant. Bestandteil des vom Stadtplanungsamt im Auftrag der Stadt Darmstadt ausgelobten interdisziplinären Ideen- und Realisierungswettbewerbs waren daher nur vier der sechs bestehenden Brücken. Zum Realisierungsteil zählten die Überführungen inklusive Rad- und Fußweg Stirnweg/Haardtring sowie Hilpertstraße/Holzhofallee. Für die Brücken Eschollerbrücker Straße und Heimstättenweg wurden im Ideenteil Vorschläge gesucht. Das Verfahren betreute die Darmstädter AG 5 Dipl.-Ing. Architekten + Stadtplaner GmbH.

Das Preisgericht vergab den ersten Preis an die "pragmatische, aber originelle" und "gestalterisch hervorragende" Lösung der Arbeitsgemeinschaft Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft aus Frankfurt/Main mit Knight Architects aus Wycombe (UK). Als wesentliches Merkmal des Entwurfs machten die Preisrichter den "maximal aufgeweiteten Brückenraum" aus, der neben der Durchführung der Gleise auch den "Landschaftsraum unter der Brücke durchfließen" lasse. Die erhöhte Spannweite werde von den Verfassern durch ein Rahmentragwerk aus Ortbeton und einem vorgefertigten Stahlverbundprofil "klug" gelöst, da der Querschnitt minimal bleibe. Das Preisgericht lobte die "subtil thematisierte" Nahtstelle zwischen den Betonwiderlagern und den Stahlverbundprofilen und den "folgerichtigen" Materialwechsel auch im Geländer. Die vorgeschlagene Beleuchtung präge durch ihre "farbliche Differenzierung das nächtliche Erscheinungsbild" und vereine "Individualität und Zugehörigkeit zu einer Brückenfamilie". Die neue Überführung am Heimstättenweg soll als Referenz an die bestehende Brücke als schlankes Betontragwerk ausgeführt werden – unter Beibehaltung der wesentlichen Gestaltungsmerkmale und der Materialität der anderen Brückenneubauten.

Auch die zweitplatzierte Arbeit der Ingenieursgemeinschaft Setzpfand GmbH & Co. KG aus Weimar mit PPL Architektur und Stadtplanung aus Hamburg lasse eindeutig eine Brückenfamilie erkennen, so die Preisrichter. Die einzelnen Brückenkonzepte bezeichneten sie als "spezifisch auf die einzelnen Standorte zugeschnitten". Ein Kanon aus Stilelementen, zu denen ein "sehr prägnant" ausgebildetes Geländer sowie geschwungene, profilierte Stützwände aus hellem Beton zählen, führe zu einem "hohen Wiedererkennungswert". Für die Brücke Hilpertstraße/Holzhofallee wird ein neues Bauwerk aus abschnittweise herzustellenden Spannbetonrahmen neben der alten Überführung vorgeschlagen. Deren Beibehaltung und weitere Nutzung während der Bauzeit fand die Zustimmung des Preisgerichts.

Neben den beiden Preisen vergaben die Preisrichter, denen Prof. Ernst-Ulrich Scheffler vorsaß, eine Anerkennung an das Team Schlaich Bergermann und Partner mit Wittforth Architekten, beide aus Stuttgart. Deren Konstruktionen aus Halbrahmen und teilweise eingesetzten Pendelstützen bezeichneten die Preisrichter als "filigran und elegant".

Ebenfalls  eine Anerkennung erhielt die Arbeitsgemeinschaft Benthem Crouwel Architekten aus Amsterdam mit der WTM Engineers München GmbH. Diese überspannen die Gleise mit Sprengwerken. Glasfaserverstärkte Sichtbetonelemente und Stahlkonstruktionen aus senkrechten Füllstäben formen plastisch ausgebildete Geländer.

Das Preisgericht empfahl einstimmig die erstplatzierte Arbeit der  Arbeitsgemeinschaft Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft aus Frankfurt am Main mit Knight Architects aus Wycombe (UK)als Grundlage zur weiteren Bearbeitung. Voraussichtlich 2017 sollen die Arbeiten für die beiden Brücken aus dem Realisierungsteil beginnen.


Katja Klenz