Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau berufliches Schulzentrum in Wetzlar

Preisträger

Preisgruppe: Allmann Sattler Wappner . Architekten GmbH, München

€ 67.000

Markus Allmann, Amandus Sattler, Ludwig Wappner

Mitarbeit: Weijie Wang, Christopher Harzard, Andreas Blum, Pedro Ferreira, Leticia Gil, Sewoong Lee

Fachberater: realgrün, München (Landschaftsarchitekten)

Transsolar Energietechnik GmbH, München

Knippers Helbig, Stuttgart (Advanced Engineering)

hhpberlin, München (Ingenieure für Brandschutz)

Preisgruppe: Dieter Broghammer, Hanns Janna, Werner Wohlleber, Zimmern ob Rottweil

€ 42.000

Preisgruppe: (se)arch Freie Architekten, Stuttgart

€ 26.000

Prof. Stefanie Eberding, Stephan Eberding

Mitarbeit: Valérie Krauser, Natalie Baranik, Lukas Beer (Visualisierung)

Fachberater: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart (Tragwerk)

Fischer + Wankner, München (Landschaftsarchitekt)

Anerkennung: Ackermann + Raff GmbH & Co. KG Architekten Stadtplaner, Stuttgart

Prof. Hellmut Raff, Oliver Braun, Alexander Lange

Mitarbeit: Johannes Weiss, Claudio Moscaritolo, Mathias Höger

Fachberater: Prof. Jörg Stötzer, Stuttgart (Landschaftsarchitekt)

Andreas Präffcke, Tübingen (Büro für Energieberatung und Haustechnikplanung)

Anerkennung: Léon Wohlhage Wernik, Berlin

Prof. Hilde Léon

Mitarbeit: Tilmann Frittcke, Sven Pilz, Phillip Jacob, Carsten Sgvaja, Dettlef Junkers

Fachberater: bbz landschaftsarchitekten, Timo Hermann, Malte Stellmann, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nicht offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren durch Los gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 16.03.2012
Ort Wetzlar
Auslober Lahn-Dill-Kreis
Betreuung GUS Architekten ● Ingenieure, Stuttgart
Preisrichter Prof. Hans-Peter Achatzi (Vorsitz), Prof. Johann Eisele, Ursula Fuss, Arthur Numrich, Claus Staniek, Felix Waechter, Prof. Tobias Wulf, Ingeborg Denninghoff, Hans-Werner Fuchs, Holger Hartert, Roland Wegricht, Dorothea Garotti, Helmut Hund

Offene Lernlandschaft unter einem begehbaren Dach

Nicht offener Realisierungswettbewerb "Neubau berufliches Schulzentrum Wetzlar"
Der Lahn-Dill-Kreis plant ein neues Berufsschulzentrum in Wetzlar. Die dafür veranschlagten 80 Millionen Euro sind die größte Investition, die der Landkreis je getätigt und voraussichtlich in den kommenden Jahren wohl auch tätigen wird. Der Neubau soll zukünftig die rund 3500 Schüler und 220 Lehrer der Theodor-Heuss-Schule, einer kaufmännischen Berufsschule, und der Käthe-Kollwitz-Schule, einer gewerbliche Berufsschule mit dem Profil Ernährung, Sozialwesen und Gesundheit beherbergen. Diese verlassen dafür ihr bisheriges Domizil an der Frankfurter Straße.
Als neuer Standort ist ein einstiger Sportplatz im nördlichen Bereich des sogenannten Spilburg-Areals, ein ehemaliges Kasernengebiet, auf dem heute Unternehmen, ein Hochschulcampus und weitere Bildungseinrichtungen angesiedelt sind, auserkoren. Das Konversionsgebiet liegt etwa zwei Kilometer östlich des Stadtzentrums auf einer Anhöhe, im Süden und Norden schließen sich ausgedehnte Grünflächen an.
Zum Raumprogramm des neuen Berufsschulzentrums zählen neben Unterrichts- und Verwaltungsbereichen auch ein zentraler Bereich als Treffpunkt mit Bistro und Veranstaltungsbereich für beide Schulen sowie eine neue Sporthalle, die auch vom TV Wetzlar genutzt werden soll. Die Auslobung forderte ein Lernumfeld, das ein eigenverantwortliches Arbeiten, selbst organisiertes Lernen und die Vernetzung von Theorie und Praxis ermöglicht. Statt abgeschlossenen Klassenräumen sollen dies "offene Lernlandschaften" und "fächerübergreifende, clusterartige Raumkonstellationen" gewährleisten. Ein wichtiges Anliegen war zudem die Barrierefreiheit in allen Bereichen der Schule
Den europaweit ausgeschriebenen, nicht offenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren betreuten GUS Architekten • Ingenieure aus Stuttgart. Unter den 30 ausgewählten Teilnehmern waren auch vier Büros aus der Kategorie "kleine Büros" und "Berufsanfänger". Bei der Preisvergabe entschied sich das Preisgericht, dem der Architekt Prof. Hans Peter Achatzi vorsaß, für drei sehr unterschiedliche Konzepte. Der erste Preis ging an das Münchner Büro Allmann Sattler Wappner . Architekten. Den zweiten Preis erhielten Broghammer · Jana · Wohlleber, Zimmern ob Rottweil. Das Büro se(arch) Freie Architekten aus Stuttgart bekam den dritten Preis zugesprochen.
Allmann Sattler Wappner . Architekten präsentierten ein Gebäude mit begehbarem Dach, das sich aus der Topografie entwickelt, sich entlang einer Höhenlinie durch das Gelände schlängelt und die Ablesbarkeit zweier getrennter Schulen „bewusst vermeidet“. Im zentralen Bereich erstreckt sich eine Art Arena über sämtliche Ebenen. Nach Ansicht des Preisgerichts leiste diese mit „beispielhaft integrierten Rampen" einen "hervorragenden Beitrag, in der Schule einen öffentlichen und kommunikativen Ort für alle Schüler aller Mobilität zu schaffen". Zweigeschossige Lichthöfe sorgen für ausreichend Tageslicht in den innenliegenden Bereichen, gliedern die linear angeordneten Lerncluster "in selbstverständlicher Weise und verzahnen die Schule mit den umliegenden Landschaftsräumen", so die Preisrichter. Zudem biete das neutrale, stützenarme Tragsystem "größtmögliche Flexibilität für zukünftige Lernanforderungen“ und sei ein Alleinstellungsmerkmal des Entwurfs.
Beim zweitplatzierten Entwurf bilden zwei dreigeschossige, höhenversetzte Baukörper eine Spange mit einem großen Innenhof, der sich zum Landschaftsraum hin öffnet. Quer zu den jeweils einer Schule zugeordneten Gebäuden liegt ein weiterer Baukörper, der den gemeinsamen zentralen Bereich aufnehmen soll. Die schulspezifischen Bereiche sind jeweils in Clustern angeordnet.
Die drittplatzierte Arbeit nutzt die Topografie des Geländes für die Ausbildung eines gemeinsamen Plateaus. Im darunterliegenden Basisgeschoss sind die zentralen Bereiche, die Verwaltung sowie die praktischen Arbeitsbereichen der beiden Berufsschulen untergebracht. Über dem Plateau erheben sich zwei baugleiche, dreigeschossige Baukörper mit eingeschnittenen Atrien über je einem transparenten Eingangsgeschoss.
Die Preisrichter empfahlen einstimmig den erstplatzierten Entwurf zur Umsetzung. Die Arbeit ermögliche eine "völlig neue Form der Unterrichtsgestaltung und der Auseinandersetzung mit den Themen Leben und Lernen", so ihr Fazit. Schließen sich der Bauausschuss des Lahn-Dill-Kreises und das Regierungspräsidium diesem Votum an, stehen die Chancen gut, dass die Berufsschüler in Wetzlar zukünftig in offenen Lernlandschaften unter einem begehbaren Dach unterrichtet werden.

Katja Klenz