Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wettbewerb Kulturcampus, Frankfurt/Main

Preisträger

Realisierungsteil 1. Preis: Meixner Schlüter Wendt Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 10.000

Martin Wendt
Mitarbeit: Elisabeth Klein, Ramon di Nora, Fabienne Müller, Philipp Münster
Fachberater: RSP Remmel + Sattler Ingenieursgesellschaft mbH, Dr. Gerd Remmel, Frankfurt/Main (Statik)
IPB GmbH Ingenieurgesellschaft für Energie- und Gebäudetechnik, Frau Engsig, Frankfurt/Main (Gebäudetechnik)
Ingenieurbüro Michielsen, Brandschutzsachverständiger, Swen Michielsen, Neustadt an der Weinstraße (Brandschutz)

Realisierungsteil 2. Preis / Ideenteil 1. Preis: Jürgen Engel, Frankfurt/Main

€ 10.000

Mitarbeit: Christopher Hammerschmidt, Jorge Pinares, Iris Jiménez Gil, Hong Yeon Yonn, Jennifer Weil
Fachberater: FSWLA Landschaftsarchitekten, Düsseldorf
ARUP GmbH, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung und Technische Gebäudeausrüstung)
Sichtvision, Dreieich (Visualisierung)
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (Brandschutz)

Realisierungsteil 3. Preis / Ideenteil Anerkennung: schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 10.000

Till Schneider
Denis Granzon, Astrid Wuttke, Xavier Osorio, Miriam Huesgen, Ana Filipovic, Bun-Suk Ko, Anna Kathrin Daub

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Hochbaulicher Realisierungswett­bewerb für das Baufeld 12 Nord und Ideenwettbewerb für das Baufeld 12 Süd gemäß RPW 2013 im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 11.09.2013
Ort Frankfurt/Main
Auslober ABG Frankfurt Holding mit Lang & Cie Zwanzigste Projektentwicklung GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Dieter von Lüpke, Karin Kellner, Olaf Cunitz, Frank Junker, Heinz-Günter Lang, Prof. Georg Augustin

Wohnen, Büro und Kultur in Bockenheim

Hochbaulicher Realisierungswett­bewerb und Ideenwettbewerb für das Baufeld 12 auf dem Kulturcampus in Frankfurt am Main

Der Wegzug der Goethe-Universität von ihrem Standort in Bockenheim bietet der Stadt Frankfurt/Main die Gelegenheit, das ehemalige Uni-Areal zwischen Bockenheim und Westend umzugestalten. Unter dem Namen Kulturcampus Frankfurt soll hier ein Ort für Wohnen, Arbeiten und Kultur entstehen, ein erster Baustein ist zunächst an der Ecke Senckenberganlage und Bockenheimer Landstraße – einer für Frankfurt wichtigen Kreuzung – in Form eines Büro- und Wohngebäudes geplant. Hierfür weicht die unter dem Spitznamen "Labsaal" bekannte, 1962 von Ferdinand Kramer gebaute Mensa. Der vom städtischen Wohnungskonzern ABG Holding mit Lang & Cie Real Estate AG ausgelobte Einladungswettbewerb unter dem Titel "Kulturcampus Frankfurt Baufeld 12" umfasste einen Realisierungsteil (1. Bauabschnitt) für Büro und Wohnen auf dem "Labsaal"-Grundstück und einen Ideenteil (2. Bauabschnitt) für Kulturnutzungen auf dem südlich angrenzenden Areal, auf dem noch das 1968 errichtete und von der Uni derzeit noch genutzte Juridicum steht. Zu den Forderungen der Auslobung gehörte auch die Unterbringung einer Kita.

Der erste Preis für den Realisierungsteil ging an das Frankfurter Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt, dessen Entwurf nach Ansicht der Preisrichter die deutlichste Unterscheidung zwischen den Fassaden des Büro- und des Wohngebäudes bot. Das übergeordnete Konzept sieht ein räumliches Netz öffentlich zugänglicher, kulturell genutzter Räume vor, die sich überwiegend zur ruhigeren Jügelstraße orientieren. An der vielbefahrenen Bockenheimer Anlage schlagen die Architekten einen sechs- bis siebengeschossigen Büroblock mit insgesamt 16.000 Quadratmeter Fläche vor. Mit der rund ausgebildeten Ecke greifen sie die Formensprache des gegenüberliegenden Gebäudes der KfW-Bank auf, helle, vertikale Elemente prägen die Fassade. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali hob besonders die "von der Bürohausfassade ausgehende Signalwirkung" hervor, die in "besonderer Weise" geeignet sei, auf den ungewöhnlichen Ort Kulturcampus hinzuweisen und einen markanten Übergang zu formulieren. Das Richtung Bockenheimer Landstraße direkt anschließende Wohngebäude mit 63 Wohnungen, verteilt auf etwa 6.200 Quadratmeter Fläche, weist eine mit Loggien und schmalen Fenstern gegliederte, in Grau- und Brauntönen verputzte, "fein gegliederte" Fassade auf. Diese trage "alle Merkmale neuzeitlichen Wohnens", so die Preisrichter.

KSP Architekten Jürgen Engel, ebenfalls aus Frankfurt/Main, überzeugten beim Ideenteil am meisten und erhielten hier den ersten Preis. Für ihre Vorschläge den Realisierungsteil betreffend, wurden sie vom Preisgericht mit dem zweiten Preis belohnt. Die Entwurfsverfasser präsentierten zwei großzügig dimensionierte, sechs- und siebengeschossige Baublöcke, getrennt durch eine öffentliche Straße. Für das etwa 9.000 Quadratmeter große Areal des Ideenteils schlagen sie einen die Raumkante definierenden Block vor. An der Schnittstelle zum öffentlichen Raum sind kulturelle Nutzungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss geplant. Große "Schaufenster" sollen Einblicke bieten und die kulturellen Aktivitäten nach außen sichtbar machen. Die Preisrichter zeigten sich überzeugt von der Mischung von Wohnen und Kultur. Ihnen gefielen die "Durchlässigkeit und Weite", die "besondere Atmosphäre" des Innenhofs sowie die "Transparenz der kulturellen Nutzungen". Im Realisierungsteil siedeln die Architekten die Büronutzung im östlichen Bauteil um einen erdgeschossig überbauten, im ersten Obergeschoss begrünten Innenhof an. An diesen Innenhof schließt auch unmittelbar die u-förmig organisierte Wohnbebauung an.

Den dritten Preis im Realisierungsteil sowie eine Anerkennung für ihre Ideen, den zweiten Bauabschnitt betreffend erhielt mit der schneider+schmacher Planungsgesellschaft mbH ein weiteres Frankfurter Architekturbüro. Die Preisrichter honorierten die "guten Vorschläge zur Entwicklung eines eigenständigen, urbanen Stadtviertels". Die Anordnung einer eingeschossigen Halle auf der Westseite des Gebäudes stellte aus ihrer Sicht "ein für die 'Kultur' gut nutzbares Angebot" dar, die vorgeschlagene Umnutzung des Juridicums hingegen wurde kontrovers diskutiert.

Ende 2016 sollen das Büro- und das Wohngebäude nach dem Entwurf des Architekturbüros Meixner Schlüter Wendt fertiggestellt sein. Die 63 Wohnungen sind als geförderter Wohnraum oder auch für gemeinschaftliches Wohnen geplant, Eigentumswohnungen sollen hier nicht entstehen. Das Juridicum will die Universität noch bis 2017 nutzen.

Katja Klenz