Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kleyerquartier in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel

€ 30.000

Uwe Hoegen
Mitarbeit: Tatjana Fahnenstiel
Fachberater: LK ARGUS Kassel GmbH, Michael Volpert, Kassel (Verkehrsplanung); Mann Landschaftsarchitektur, Tobias Mann, Fulda

2. Preis: Steidle Architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH, München

€ 18.000

Johannes Ernst
Mitarbeit: Jan Kretschmer, Manfred Erich, Jinrong Zhong, Simone Krieger
Fachberater: Stefanie Jühling Landschaftsarchitektin, München
Mitarbeit: Benjamin Eiband

3. Preis: Prof. Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt/Main

€ 12.000

Prof. Christoph Mäckler
Mitarbeit: Philip Ziegler, Nikola Atanasov, Torben Kohls, Maria Aparicio Alvarez, Mathias Eicher
Fachberater: Deutsches Institut für Stadtbaukunst, Markus Motz, Dortmund (Energieexperte)

Anerkennung: Baumschlager Hutter ZT GmbH, Dornbirn (A)

€ 5.000

Prof. Carlo Baumschlager, Jesco Hutter
Mitarbeit: Stefan Meyer, Thomas Moosbrugger, Sarina Thurnherr

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, städtebaulicher Wettbewerb mit Ideenteil im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 30.08.2013
Ort Frankfurt/Main
Auslober Kleyer Beteiligungs GmbH, Eschborn in Kooperation mit der Stadt Frankfurt am Main
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), René Daniels, Prof. Anett-Maud Joppien, Olaf Cunitz / Dieter von Lüpke, Jürgen Raab, Nienke ter Avest, Jos Schüssel, Dr. Anke Schettler

1.200 neue Wohnungen im Gallusviertel

Einladungswettbewerb für das Kleyerquartier in Frankfurt/Main
Das Gallusviertel, in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs und unweit der Innenstadt gelegen, gilt als Wohnquartier mit relativ hohem Leerstand und sozialen Problemen. Der eher schlechte Ruf des Stadtteils lässt sich möglicherweise auch auf den Namen zurückführen, kommt Gallus doch von Galgenfeld und auf diesem stand in grauen Vorzeiten der Frankfurter Galgen. Doch auch später wurde der Stadtteil kaum verhätschelt. Eingeklemmt zwischen dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs und den Gleisen des Hauptgüterbahnhofs fand hier kaum Stadtentwicklung statt, Industrie und Gewerbe bestimmten das Viertel. Erst die Stilllegung des Güterbahnhofs, auf dessen ehemaligem Gelände seit 2005 das Europaviertel entsteht, eröffnete neue Optionen.

Seit nunmehr über einem Jahrzehnt bemüht sich die Stadt um einen Wandel des Stadtteils und die Verbesserung seines Rufs. So wurde das Gallusviertel im Rahmen des Städtebauförderprogramms von Bund und Ländern gefördert, entstehen inzwischen immer mehr Wohnungen auf den ehemals gewerblich oder industriell genutzten Flächen und verändert das Viertel damit langsam sein Gesicht. Auf dem ehemaligen Avaya-Gelände nördlich der Kleyerstraße zwischen Ordnungsamt und Friedrich-Ebert-Siedlung will die Kleyer Beteiligungs GmbH, Eschborn, in Kooperation mit der Stadt Frankfurt/Main ein neues Wohnviertel mit bis zu 1.200 Wohnungen errichten, davon rund 30 Prozent geförderter Wohnraum sowie 10 Prozent studentisches Wohnen. Hierfür war ein nicht offener städtebaulicher Wettbewerb in kooperativem Verfahren mit einem Zwischenkolloquium sowie einer direkten Präsentation der Entwürfe durch die Verfasser ausgelobt worden. Betreut wurde dieser von der ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Das Wettbewerbsgebiet umfasste das 5,1 Hektar große Kerngrundstück sowie eine 1,3 Hektar große benachbarte städtische Fläche als Ideenteil. Als Sieger aus dem Verfahren ging das Kasseler Büro Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH hervor. Den zweiten Platz vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Franz Pesch an Steidle Architekten aus München. Platz drei ging an das Frankfurter Büro Prof. Christoph Mäckler Architekten. Eine Anerkennung vergaben die Preisrichter an Baumschlager Hutter ZT GmbH aus Dornbirn in Österreich.

Die Baufrösche präsentierten ein autofreies Quartier, in dem sich vier Wohnblockkomplexe um einen Quartiersplatz anordnen. Die Wohnblöcke verfügen jeweils über einen weiträumigen, geschlossenen Innenhof, der den Bewohnern als privater, gemeinsam benutzbarer Raum zur Verfügung stehen soll. Die Preisrichter erkannten in dem Entwurf eine "klare, an traditionellen großstädtischen Blockstrukturen orientierte" Leitidee und attestierten dem Entwurf eine "hohe Qualität hinsichtlich Belichtung, Besonnung sowie vielfältiger Freiraumnutzung für unterschiedliche Zielgruppen". Sie wünschten sich jedoch eine Reduktion und deutlichere Differenzierung der Gebäude. Am zentralen Quartiersplatz sehen die Architekten einen Solitär vor, in dem Seniorenwohnungen angeboten werden sollen und den das Preisgericht als "städtebaulich gut begründeten Baustein" bewertete. Zustimmung fand zudem die "konsequente Bespielung" der Dachflächen mit Wohnpavillons und Dachgärten. Die ehemalige Werkstraße des Avaya-Geländes soll als Stadtraum mit Angeboten für unterschiedliche Aktivitäten, aber auch mit Ruhebereichen ausgebildet werden.

Die Besonderheit der zweitplatzierten Arbeit sahen die Preisrichter in den gemeinsam zu nutzenden Dachterrassen. Sie lobten die städtebauliche Qualität des Entwurfs und den "schlüssigen Quartiersgrundriss", der an mehreren Orten sinnvolle Verbindungen zur Nachbarschaft herstelle. Als überzeugend bezeichnete das Preisgericht die Funktionalität der Gebäudetypologien, Weiterentwicklungsbedarf sah es beim nordwestlichen Baublock sowie den Freibereichen im Norden des Planungsgebiets.

Das Büro Prof. Christoph Mäckler Architekten schlug für das neue Quartier eine städtebauliche Struktur in Anlehnung an die Gründerzeit vor. Die Gebäudeblöcke unterschiedlicher Größe ermöglichten eine "abwechslungsreiche architektonische Ausprägung", so die Preisrichter. Die vorgeschlagene gründerzeitlich historisierende Formensprache stellten sie jedoch infrage, ebenso die hohe bauliche Dichte im nördlichen Bereich.

Das mit dem ersten Preis prämierte Kasseler Architekturbüro Baufrösche soll nun seinen Entwurf überarbeiten und bis Ende 2013 einen Rahmenplan vorlegen, dem dann die Planverfahren und schließlich der eigentliche Baubeginn für die rund 1.200 Wohnungen folgen soll. Das Kleyerquartier wäre dann ein weiterer Schritt, das Gallusviertel als Wohnviertel zu etablieren.

Katja Klenz