Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Stadtgestalterische Einbindung des Parkdecks Schildgasse 2, Eschwege

Preisträger

1. Preis: Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Kassel

€ 2.250

Michael Triebswetter
Mitarbeit: Harald Noll, Melanie Lips, José Costa, Daniel King, Johanna Hess, Henry Wagler

2. Preis: Ludwig Lieberknecht, Eschwege

€ 750
Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 27.06.2013
Ort Eschwege
Auslober ESP GmbH Eschweger Schlossplatz Parkdeckgesellschaft, Eschwege
Betreuung BIG Städtebau GmbH, Edertal
Preisrichter Roland Adlich (Vorsitz), Dr. Roswitha Kaiser, Engelbert Thielemann, Alexander Heppe, Thomas Vockeroth

Parken an der Schloss-Galerie

Nichtoffener Realisierungswettbewerb Parkdeck Schildgasse 2, Eschwege

Im Nordosten Hessens wird sich auch kleineren Bauaufgaben mit großer Sorgfalt gewidmet. In der 20.000-Einwohner-Stadt Eschwege hatte die Schlossplatz Parkdeckgesellschaft einen Wettbewerb für die Einbindung eines Parkdecks inmitten der kompakten, historischen Innenstadt ausgelobt. Hintergrund war die mit der Genehmigung zum Abriss eines zwar denkmalgeschützten, aber seit rund 25 Jahren leer stehenden und völlig heruntergekommenen Fachwerkgebäudes – dem Spenner-Haus – verbundene Forderung des Landesamtes für Denkmalschutz nach einem Gestaltungswettbewerb. Bei der Vorbereitung des Verfahrens hatten Gesine Ludwig vom Wettbewerbsreferat und Hans-Uwe Schultze vom Landeswettbewerbsausschuss der AKH der Ausloberin beratend zur Seite gestanden.

Ziel des Wettbewerbs war es, das neu errichtete technische Bauwerk in der Nähe des Schlosses, in dem auf zwei Ebenen etwa 40 Stellplätze untergebracht werden, gestalterisch sowohl in die benachbarte historische Fachwerkbebauung einzubinden als auch einen Bezug zum unmittelbar angrenzenden, 1997/1998 errichteten Anbau der "Schloss-Galerie" zu herzustellen. Die Konstruktion des Parkdecks und die Ausformung der Stellflächen selbst gehörten jedoch nicht zum Aufgabenspektrum.

Geprägt wird das Wettbewerbsareal durch die Hanglage – von der Einfahrt zum Parkdeck auf der oberen Ebene bis zum Gehwegniveau an der Schildgasse beträgt der Höhenunterschied rund zweieinhalb Meter. Eine Forderung an die Teilnehmer lautete, die durch den Abriss des Spenner-Hauses verlorengegangene Raumkante wieder herzustellen und eine "optisch wirksame" und angemessene Gestaltung der Ecke Schlossplatz und Schildgasse.

Das Preisgericht vergab einen sehr eindeutigen ersten Preis an Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR aus Kassel und einen zweiten Preis an Ludwig Lieberknecht aus Eschwege. Beide prämierten Entwürfe interpretieren die Fassade des abgebrochenen Gebäudes und stellen sie als Raumkante wieder her, dies jedoch vor allem in der Materialwahl auf unterschiedliche Art und Weise.

So schlagen Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten eine vorgehängte Parkdeck-Fassade aus Holzprofilen vor. Diese überragt das obere Parkdeck um zwei Meter, schirmt es so von der Straße aus ab, erlaubt aber auf kurze Distanz die Durchsicht vom Parkdeck aus. Das Bepflanzungskonzept sieht zwei hochstämmige Bäume an der Ecke Schlossplatz/Schildgasse sowie einen weiteren Baum rechts der Zufahrt vor. Streng geschnittene Hainbuchen oder Eiben sollen als "Grünpolster" unterhalb der Bäume dienen, für die Nachbarfassade ist eine Berankung vorgesehen. Eine ehemals an der Grundstücksgrenze vorhandene Sandsteinmauer soll teilweise wieder errichtet werden.

Einen recht ähnlichen Vorschlag unterbreitete auch Ludwig Lieberknecht, der die wiedererrichtete Sandsteinmauer teilweise als Sitzgelegenheit gestaltete. Ebenfalls äquivalent zur erstplatzierten Arbeit ist die Idee, die Raumkante mittels einer vorgehängten, in der Fernwirkung geschlossen wirkenden, jedoch aus der Nähe durchlässig wirkenden Profilfassade herzustellen. Die Profile in zwei Breiten und aus Cortenstahl sollen die Oberkante des Parkdecks um ein bis eineinhalb Meter überragen. Hochstämmige Bäume an der Straßenecke und bodendeckende Unterpflanzungen bilden die Grünflächen.

Zwar zeigten sich die Preisrichter angetan von beiden Entwürfen, jedoch bewerteten sie die Ausbildung der Raumkante von Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten als "überzeugender". Auch fanden die Materialwahl Holz sowie die vorgeschlagene Bepflanzung größeren Anklang. Das Preisgericht votierte entsprechend der eindeutigen Rangfolge dafür, die Verfasser der erstplatzierten Arbeit mit der Umsetzung zu beauftragen. Sie empfahlen hierfür, die Berankung der Fassade des Nachbargebäudes auszuweiten sowie einen Material- und Höhenwechsel der Beplankung im Bereich der Einfahrt zur unteren Ebene – um die Stellung des ehemaligen Gebäudes noch hervorzuheben und aus Brandschutzgründen.

Katja Klenz