Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau der Kita Paradies sowie einer Mehrzweck- und Veranstaltungshalle in Walluf

Preisträger

1. Preis: bhss architekten GmbH, Leipzig

€ 12.000

Stefan Hermus, Michael Schinko, Uwe Schumann
Mitarbeit: Jens Schumann, Manuela Hingst-Kopani

2. Preis: hhp ObjektPlan GmbH, Frankfurt/Main mit hansmann.fritz.architekten, Wiesbaden

€ 7.000

Birka Heise, Thomas Fritz
Mitarbeit: Susanne Hansmann, Rolf Hansmann
Fachberater: Extern Garten- und Landschaftsarchitektur, Fritz Protzmann, Berlin

3. Preis: Architekten Gaiser + Partner, Karlsruhe

€ 3.500

Jochen Delgmann, Heinz Gaiser
Mitarbeit: Olivia Gaiser-Delgmann, Neda Pahlevan-Schanen, Alexandra Schwend, Julia Gonzalez-Soto

Anerkennung: Tobias Hoyer, Dresden

€ 1.500

Mitarbeit: Tobias Maisch, Steffen Böhm, Angelika Richter, Anna Busch

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 05.07.2013
Ort Walluf
Auslober Gemeinde Walluf im Rheingau
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Joachim Klie, Prof. Wolfgang Schulze, Michael Schröder, Petra Flöck

Ein neues "Paradies" für Kinder

Neubau einer Kindertagesstätte und einer Mehrzweck- und Veranstaltungshalle in Walluf

Paradiesische Zustände herrschen in der Kindertagesstätte "Paradies" in Walluf eher weniger. Zwar ist die Umgebung sehr grün und das Gebäude und die Freiflächen orientieren sich in Richtung des Baches Walluf, doch das 1970 in eingeschossiger Bauweise errichtete Gebäude erfüllt weder bautechnisch noch energetisch die heutigen Standards. Zudem bieten die Räumlichkeiten nicht die Voraussetzungen, um moderne pädagogische Konzepte umzusetzen. Derzeit werden hier 75 Kinder, aufgeteilt auf vier Gruppen, betreut. Bei den Überlegungen der Gemeinde Walluf, an gleicher Stelle einen Neubau zu errichten, spielte neben dem maroden Zustand der Kita auch der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten eine Rolle.

Zukünftig sollen in der neuen Kita "Paradies" 100 Kinder einen Betreuungsplatz finden – in zwei Gruppen für Kinder unter zwei Jahren, zwei altersübergreifenden Gruppen für Zwei- bis Sechsjährige sowie zwei Gruppen für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. In direkter Nachbarschaft zum alten Gebäude befindet sich eine Brachfläche, auf der bis vor Kurzem eine Turn- und Veranstaltungshalle stand. Hier soll eine neue Mehrzweckhalle gebaut werden – deren Entwurf war ebenfalls Bestandteil des nun durchgeführten, beschränkten Realisierungswettbewerbs. Das Verfahren betreute die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung BSMF mbH aus Frankfurt/Main, Gesine Ludwig und Joachim Klie von der AKH hatten vorab Beratungsgespräche mit der Gemeinde geführt.

Das Preisgericht, dem Prof. Zvonko Turkali vorsaß, entschied sich jeweils einstimmig für einen ersten, zweiten und dritten Preis. Der erste Preis ging an den Entwurf des Leipziger Büros bhss architekten GbR, Platz zwei an die hhp ObjektPlan GmbH aus Frankfurt am Main mit hansmann.fritz.architekten aus Wiesbaden und Platz drei an die Karlsruher Architekten Gaiser + Partner. Eine Anerkennung erhielt der Dresdner Architekt Tobias Hoyer.

Die Wettbewerbssieger bhss architekten platzieren die zweigeschossige Mehrzweckhalle mit Tiefgarage an der Straße. Dahinter, die Gebäudekante der Halle aufnehmend, mäandert die Kindertagesstätte durch das Gelände – wesentlich beeinflusst wird die Gebäudeform von den bestehenden Bäumen und der Topografie, die so erhalten werden sollen. Die eingeschossig vorgesehenen Gruppenräume haben direkten Bezug zu den im Süden geschützt liegenden Freiflächen. Die Eingangshalle der Kita reicht über zwei Geschosse, Verwaltungs- und Büroräume liegen im Obergeschoss. Die Preisrichter bezeichneten die als offene Spiel- und Gartenbereiche dienenden Freiflächen als "geschickt gebildet" und "hochwertig". Sie lobten vor allem die innenräumlichen Qualitäten und bezeichnete den Entwurf als eine "sehr überzeugende städtebauliche sowie architektonische Lösung für das sehr schwierige Grundstück".

Der Vorschlag von hhp ObjektPlan GmbH mit hansmann.fritz.architekten sieht ebenfalls die Mehrzweckhalle an der Mühlstraße vor. Der Freibereich östlich des Neubaus soll als zentrale Erschließungsfläche auch für die Kita dienen, die – getrennt durch eine schmale Fuge – südlich an die Mehrzweckhalle anschließt. Die Gruppenräume der eingeschossig ausgebildeten Kindertagesstätte schieben sich in der Höhe über die Dachfläche hinaus und sollen Gründächer mit jeweils unterschiedlich farblich blühenden Pflanzen erhalten. Den Preisrichtern gefielen auch hier die "hohe gestalterische und räumliche Qualität" sowie die abwechslungsreichen, lichten Raumsituationen und die "optimale Orientierung der Gruppenräume mit unmittelbarem Bezug zum Außenraum". Gestalterischen Nachbesserungsbedarf erkannten sie bei der Nordfassade der Kita.

Auch die Architekten Gaiser und Partner positionieren die Mehrzweckhalle im Norden des Wettbewerbsgrundstücks, im Gegensatz zu den beiden anderen Preisträgern jedoch unmittelbar an der Mühlstraße, was die Preisrichter kritisch beurteilten. Ein gemeinsamer, kleiner Platz im östlichen Bereich dient der fußläufigen Erschließung für Halle und Kita. Die Kindertagesstätte ist teilweise auf zwei Ebenen organisiert, die Gruppenräume liegen in drei eingeschossig in den Garten ragenden "Gebäudefingern". Positiv wertete das Preisgericht die Orientierung zum Freiraum, es vermisste jedoch beispielsweise die ausdifferenzierte Gestaltung des Gebäudes sowie der Außenanlagen.

Das Preisgericht empfahl, die erstplatzierten bhss architekten mit der weiteren Bearbeitung zu betrauen. Die Realisierung der Mehrzweckhalle wird wohl noch etwas auf sich warten lassen, die Kindertagesstätte hingegen soll schnellstmöglich realisiert werden – Eltern und
ihre Kinder in der Gemeinde Walluf warten sehnsüchtig auf ein neues "Paradies".

Katja Klenz