Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Fassade Neue Mainzer Straße 74 und 80 in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Eike Becker Architekten, Berlin

€ 10.000

Ken Rannoch, Hon-Tan Trieu

2. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt/Main

€ 3.800

Jürgen Engel

Mitarbeit: Christopher Hammerschmidt, Daniel Baukus, Huy Nguyen, Han Beak

3. Preis: UN Studio, Amsterdam (NL)

€ 3.000

Ben van Benkel

Mitarbeit: Christian Veddeler, Jeff Johnson, Ad ì Utama, Christoph Novak

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 26.04.2013
Ort Frankfurt/Main
Auslober NM 74 GmbH & Co.KG und NM 80 GmbH & Co. KG, Eschborn
Betreuung Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Sarah Schäper (Vorsitz), Patricia Rogler, Jürgen Groß, Boris Schran

"Spannend, lebendig und modern"

Nichtoffener Realisierungswettbewerb Neue Mainzer Straße

Was für eine Ausgangsbasis: Zwei in unmittelbarer Nachbarschaft liegende, derzeit noch bebaute Grundstücke mitten in Frankfurt, nahe des Bankenviertels, der Alten Oper und der "Luxusmeile" Goethestraße. Die Neue Mainzer Straße gilt als etablierte städtische Adresse, hier liegen die beiden Areale mit den Hausnummern 74 und 80, getrennt lediglich durch die schmale "Neue Rothofstraße", die trotz der zentralen Lage derzeit noch ein eher unbeachtetes Dasein führt.

Das wollen die Auslober des nun durchgeführten nichtoffenen Realisierungswettbewerbs, die NM 74 GmbH & Co. KG sowie die NM 80 GmbH & Co. KG, ändern. Das Verfahren betreute die Frankfurter Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH. Von den Wettbewerbsteilnehmern wurden jeweils zwei Varianten für die Neubebauung erwartet: Den Schwerpunkt legten die Auslober auf die Ausformulierung der Baukörper und der straßenseitigen Fassaden. Die erste Variante sah eine Volumen- und Fassadenstudie für ein Büro- und Geschäftshaus mit sechs Geschossen plus Staffelgeschoss vor. Bei der zweiten Variante sollte ein insgesamt 60 Meter hoher Turm entstehen, für den ebenfalls im Erdgeschoss Geschäftsnutzung und in den darüberliegenden Geschossen eins bis sechs Büronutzung vorgesehen ist. Ab dem siebten Geschoss sollen hier Wohnungen geplant werden. Für beide Gebäude ist der Bau von Tiefgaragen vorgesehen.

Eine Vorgabe der Stadtplanung war ein denkmalgerechter Anschluss an die Nachbargebäude, Richtung Neue Rothofstraße sollte zudem jeweils die Verwendung von Glas in der Fassade überwiegen, eine Überbauung der Straße wurde abgelehnt. Potential entdeckte das Preisgericht in allen vorgeschlagenen Varianten der drei eingeladenen Büros Eike Becker Architekten aus Berlin, UN Studio aus Amsterdam und KSP Jürgen Engel Architekten aus Frankfurt/Main. Es entschied sich jedoch für eine eindeutige Rangliste.

Auf dem ersten Platz landete der Beitrag von Eike Becker Architekten. Diesen bewerteten die Preisrichter als "besonders interessant" und vor allem im Anschluss an das denkmalgeschützte Gebäude Neue Mainzer Straße 72 als gelungen. Für die Fassade der Hausnummer 74 schlagen die Architekten die Gliederung in ablesbare Boxen vor – deren modularen Aufbau das Preisgericht als "spannend, lebendig und modern" bezeichnete. Für die Nummer 80 sehen die Verfasser eine zweigeschossige Gliederung vor. Für die Variante mit Wohnturm bieten Eike Becker Architekten ein wie eine Pagode vielfach zurückgestaffeltes Gebäude an. Hier reichte die Bewertung durch die Preisrichter von "lebendig und durch das kompakte Volumen im Stadtraum verträglich" bis hin zur Beurteilung als „unruhiges Volumen“.

Auch beim zweitplatzierten Entwurf von KSP Jürgen Engel Architekten hoben die Preisrichter den Umgang mit der Nachbarbebauung hervor. Die Neubauten stellten ihrer Ansicht nach durch ihre abgeknickten Fassaden "räumlich überzeugende Anschlüsse" an diese her. Der Vorschlag arbeite zudem am deutlichsten die Unterscheidung der Gebäude Neue Mainzer Straße 74 und 80 heraus. Die streng gerasterte Fassade der Nummer 74 wirke durch die schrägen Gläser lebendig, die großzügige Verglasung der Ladenzone an Hausnummer 80, deren Fassade zwei- und dreigeschossig zusammengefasst wird, bewerteten die Preisrichter positiv. Als besonders überzeugend beurteilten sie die Wohnturm-Variante, die durch die Tiefe der Fassade und das Herausdrehen einzelner Geschosse eine "spannende Gesamtfigur" bilde.

UN Studio qualifizierte sich mit seiner Arbeit für den dritten Preis. Der Vorschlag, die Fassaden beider Gebäude durch eine Differenzierung in der Farbgebung und Ausrichtung der Glasstruktur zu unterscheiden, bewertete das Preisgericht als effektiv. Durch deutliche horizontale Bänder bildeten beide Gebäude dennoch eine Einheit, so ihr Urteil. Die Sockelzone ist eingeschossig vorgesehen, akzentuierte Dachgeschosse ragen über die darunterliegenden Geschosse hinaus. Den vom Sockelbau abgesetzte und zurückspringende Turm der Wohnturm-Variante bezeichneten die Preisrichter als "stadträumlich angenehm".

Doch bevor eine der beiden angedachten Varianten verwirklich werden kann, müssen zunächst die bestehenden Bebauungen auf den beiden Grundstücken abgerissen werden. Erst danach kann auch das langfristig geplante Ziel der Auslober, die Neue Rothofstraße zur Fußgängerzone umzuwidmen, in Angriff genommen werden.

Katja Klenz