Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau der Waldenserschule in Mörfelden-Walldorf

Preisträger

1. Preis: Heinrich Wörner Ramsfjell Architekten, Dortmund

€ 13.500

Fritz Heinrich

Mitarbeit: Thorsten Börker

2. Preis: Bieling Architekten, Hamburg

€ 9.500

Thomas Bieling

Mitarbeit: Johannes Fuß, Indra Meyer, Hagen Sparbrodt

Fachberater: Ingenieurbüro PHG Becker Hucke Hoffmann, Dormagen (TGA)

3. Preis: Joachim Klie (AG5 Architekten), Darmstadt

€ 6.500

Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

4. Preis: motorplan Architektur und Stadtplanung, Mannheim

€ 4.000

Bernhard Wondra, Urs Löffelhardt

Mitarbeit: Daniel Knapp, Annika Griewisch

Fachplaner: ZWP Ingenieur-AG, Thomas Bühl-Nebel, Stefan Wolff, Köln

HHP Süd, Torsten Trautmann, Ludwigshafen

Anerkennung: wolf.sedat.architekten GbR, Weikersheim

€ 2.833

Martin Wolf, Marco Sedat

Fachberater: Büro Mink Landschaftsarchitektur, Michael Mink, Schvess Massenbaum, Schwaigern

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 24.04.2012
Ort Mörfelden-Walldorf
Auslober Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau, Fachbereich Schul- und Gebäudeservice
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Harald Clausen, Harald Heußer, Gabi Walter-Reichelt, Thomas Will, Heinz-Peter Becker, Herr Wenig

Ein Standort für die Waldenserschule
Nichtoffener Wettbewerb in Mörfelden-Walldorf
Bereits seit 1996 verfolgt der Landkreis Groß-Gerau ein umfassendes Schul-Sanierungsprogramm, als  eine der letzten Schulen ist nun die Waldenserschule in Mörfelden-Walldorf an der Reihe. Die 185 Schüler sind bisher aufgeteilt auf drei Gebäude an zwei Standorten im Stadtteil Walldorf. Im Zuge der Neugestaltung der Schule soll Raum für 240 Schüler geschaffen und der Standort an der Ludwigstraße aufgegeben werden.
Für das Vorhaben hatte der Landkreis, anders als bei den meisten seiner Schulbauprojekte, keinen konkreten Planungsentwurf in Auftrag gegeben, sondern sich für einen nichtoffenen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren entschieden. Dazu hatten Beratungsgespräche zwischen dem Fachbereich Schul- und Gebäudeservice und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen stattgefunden. Das Darmstädter Büro stadt.bau.plan begleitete den Wettbewerb.
Die beiden Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Schulbauten auf dem Wettbewerbsgelände an der Waldstraße standen zur Disposition. Und während sich die Mehrzahl der Teilnehmer für deren Abriss und einen kompletten Neubau entschied, integrierten die beiden erstplatzierten Büros das größere Gebäude jeweils in ihren Entwurf.
Auf dem ersten Rang landete einstimmig die Arbeit der Dortmunder Heinrich Wörner Ramsfjell Architekten. Diese schlagen ein langgezogenes, U-förmiges Gebäude mit einer überglasten Halle vor, das sie neben dem Altbau platzieren. Die „stadtprägende Fernwirkung“ des alten Schulhauses bleibe erhalten, so das Preisgericht. Durch den loggienartigen Rücksprung des ersten Obergeschosses werde das Haus gekonnt mit dem öffentlichen Raum verbunden, wirke einladend und sei deutlich als öffentliches Haus erkennbar. Die Klassenräume liegen – vor Verkehrslärm geschützt – im hinteren Bereich des Neubaus. Zur Straße hin orientieren sich Mensa, Küche und Sonderräume, die Schulverwaltung ist im Altbau untergebracht. Als besonders gelungen bewerteten die Preisrichter die Anordnung des Schülercafés direkt neben dem Haupteingang. Das von den Architekten gewählte, Fassadenmaterial Holz stuften sie als ortsuntypisch ein. Zudem empfahlen sie anstelle der vorgeschlagenen polygonalen Dachführung eine „vereinfachte, zurückhaltende“ Gestaltung.
Dem zweitplatzierten Entwurf von Bieling Architekten aus Hamburg attestierte das Preisgericht eine „hervorragende städtebauliche Einbindung“. Auch der überdachte Pausenhof, der eine geschützte Zone vor dem Ganztagesbereich biete, sowie die räumliche Beziehung zwischen Verwaltungstrakt und südlichem Freiraum fanden Gefallen. Die Preisrichter lobten die Verbindungsmöglichkeit zwischen Speisesaal und Aula und die Raumkonzeption. Überrascht zeigten sie sich jedoch davon, dass die Verfasser eines der beiden Bestandsgebäude zwar erhalten – und so zusammen mit dem Neubau einen geschützten Pausenhof fassen – für dieses aber keine Nutzung vorsehen.
Für den Abriss der beiden Altbauten plädierten die Darmstädter AG5 Architekten. Die Verfasser der mit dem dritten Preis bedachten Arbeit entwarfen einen dreigeschossigen, U-förmigen Baukörper, der sich zur Waldstraße hin öffnet. Leitwände nach Norden und Süden dienen als verbindende Elemente und machen die Schule „mit einem Spiel von geschlossenen und offenen Flächen im öffentlichen Raum erkennbar“. Die Preisrichter bewerteten die „enge, konzentrierte Verbindung von Ganztagesbereich und Veranstaltungszonen“ und die „vielfältige Verzahnung mit dem Außenraum“ positiv. Als verbesserungswürdig bezeichneten sie hingegen die innere Organisation.
Der Entwurf von Motorplan Architektur und Stadtplanung aus Mannheim, der ebenfalls einen reinen Neubau vorsieht, erhielt den vierten Preis. Er überzeugte das Preisgericht durch „seine Kompaktheit, die guten Freiflächen und eine angenehme Differenziertheit bei der Ausgestaltung des Innenraums“. Einschnitte, Vor- und Rücksprünge rhythmisieren den an der Waldstraße positionierten Baukörper. Positiv bewerteten die Preisrichter die deutliche Straßenraumbildung, den durch das Gebäude geschützten Freibereich und sowie die Erhaltung eines „angemessenen Teils“ des Baumbestandes. Als verbesserungswürdig bezeichneten sie die Anordnung von Verwaltung und Ganztagsangebot.
Das Preisgericht, dem der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, hatte seine Entscheidungen zur Platzierung der Entwürfe jeweils einstimmig getroffen. Der Landkreis Groß-Gerau als Schulträger zeigte sich vom Wettbewerb und dessen Ergebnissen überzeugt und wird über die Vergabe der weiteren Planungsleistungen im folgenden Verhandlungsverfahren mit den vier Preisträgern entscheiden.