Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Theaterlabor für das Institut der angewandten Theaterwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Gießen

Preisträger

1. Preis: CODE UNIQUE Architekten, mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

€ 13.500

Martin Boden-Peroche, Volker Giezek, Till Rehwaldt
Mitarbeit: Peter Weber, Dominic Geppert, Michael Bauer

1. Preis: hjp architekten, Gießen, mit Lützow 7 C. Müller J. Wehberg Garten- und Landschaftsachitekten, Berlin

€ 13.500

Prof. Jürgen Hauck, Herbert Osel, Cornelia Müller, Jan Wehberg
Mitarbeit: Nicola Savic, Bastian Sevilgen, Maximilian Niggl, Tobias Bloh, Kristin Keßler
Fachberater: itv I Ingenieurgesellschaft für Theater- und Veranstaltungstechnik mbH, Berlin

4. Preis: Rainer M & Kilian Kresing (Kresings GmbH), Münster, mit RMP Landschaftsarchitekten Stephan Lenzen, Bonn

€ 7.500

Mitarbeit: Nicolas Oevermann, Tilo Pfeifer, Jan Ebel
Fachberater: DS-Plan, Köln (TGA Planung)

4. Preis: Georg . Scheel . Wetzel Architekten GmbH, mit Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 7.500

Bettina Georg, Tobias Scheel, Simon Wetzel, Prof. Jürgen Weidinger
Mitarbeit: Bettina Georg, Tobias Scheel, Simon Wetzel, Frank Zimmermann

Anerkennung: Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, mit Bez + Koch Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 3.000

Christiane Humborg, Martin Bez
Mitarbeit: Gylcin Yamas, Peter Donn, Lars Zöllner
Fachberater: Jörg Röhrich,(Visualisierung); Boris Degen (Modell); Weischede, Herrmann und Partner, Stuttgart (Tragwerk); Henne & Walter, Reutlingen (HLS); Gackstatter Beratende Ingenieure, Stuttgart (ELT);
Ducks sceno, Frans Swarte, F - Villeurbanne (Szenographie)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, interdisziplinärer, einstufiger Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Ideenteil und vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 26.06.2013
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Markus Gnuechtel, Sibylle Waechter, Prof. Dorothea Voitländer, Monika Bader, Sabina Freienstein, Prof. Anett-Maud Joppien, Manfred Balg, Guido Brennert, Prof. Dr. Gerald Siegmund, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Thomas Platte, Gerda Weigel-Greilich

Experimentelles Theater im Herzen der Stadt

Einstufiger Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Ideenteil

Was ist Theater? Was könnte es sein? Und wie lässt sich ein immer anderes Theater denken und erproben? Mit diesen Fragen befasst sich das Institut der Angewandten Theaterwissenschaften der Justus-Liebig-Universiät JGU. Um auf praktischer Ebene Antworten darauf zu finden, soll das für seinen offenen Umgang mit dem Theaterbegriff national und international beachtete Institut ein "Theaterlabor" auf dem Areal rund um das Hauptgebäude der Universität im Herzen der Stadt Gießen erhalten. Die Probenbühne soll den Studenten Raum geben sowohl für klassische Aufführungsformen als auch für experimentelle Performance-, Tanz-, Licht-, Klang- und Videoformate.

Der Ausschuss Vergabe und Wettbewerbe der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hatte beratend an der Vorbereitung des vom Land Hessen ausgelobten Wettbewerbs mitgewirkt, die Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt betreute das Verfahren. Gefordert von den teilnehmenden Arbeitsgemeinschaften aus Architekten mit Landschaftsarchitekten waren neben der Gestaltung des "Theaterlabors" auch Vorschläge und Ideen für die Außengestaltung des gesamten Areals Universitätscampus rund um das Hauptgebäude der Hochschule.

Die Entwürfe von hjp architekten aus Gießen mit Lützow 7 Garten- und Landschaftsarchitekten aus Berlin sowie der Dresdner Arbeitsgemeinschaft CODE UNIQUE Architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten landeten jeweils auf dem ersten Platz. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali vergab zudem noch jeweils einen vierten Preis an Rainer M und Kilian Kresing (Kresings GmbH) aus Münster mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Bonn sowie an die Berliner Arbeitsgemeinschaft Georg Scheel Wetzel Architekten mit Weidinger Landschaftsarchitekten. Eine Anerkennung ging an die Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur mit Bez + Koch Architekten Generalplaner GmbH sowie an Paul Bretz Architekten GmbH, Luxemburg, mit Ernst + Partner, Landschaftsarchitekten, Trier.

Die beiden erstplatzierten Arbeiten haben den Vorschlag eines zentralen Standorts für den Neubau auf dem Campusgelände gemeinsam. Die Preisrichter erkannten in der von hjp architekten vorgeschlagenen Leitidee eines vernetzten Ensembles aus Wege-, Blick- und Raumbeziehungen eine Verbindung von Stadt und Campus sowie sehr gute Entwicklungspotentiale für den Standort. Die Verfasser platzieren den zwei- bis dreigeschossigen Neubau mit Dachterrasse an der Schnittstelle zwischen der vorhandenen Wiese mit Spielplatz im Südosten, einem neu geschaffenen, bespielbaren Platz im Südwesten und einer schräg angelegten Grünfläche im Nordwesten des Wettbewerbsgrundstücks. Das Foyer orientiert sich mit einer großzügigen Glasfassade in Richtung der ansteigenden Rasenfläche. Dies böte "vielfältige Bespielbarkeiten" der „strategisch hochwirksamen Grünfläche“, so die Preisrichter. Mit der Verwendung von golden eloxiertem Streckmetall gelinge die "abstrakte Markierung des Bühnenhauses" und die einfache Kubatur des Gebäudes und die Materialwahl entsprächen zudem dem "Laborcharakter eines experimentellen Theaterraums".

CODE UNIQUE ergänzten mit ihrem kompakten Neubau nach Ansicht des Preisgerichts das lose wirkende Campusareal mit den fünf denkmalgeschützten Stadtvillen und dem alten Institutsgebäude zu einem zusammenhängenden Karree. Dies fördere die Lesbarkeit der räumlichen Kanten und definiere verschiedene Freibereiche und Platzstrukturen. Die vorhandene Wiese mit Spielplatz wird erweitert zum "Campuspark", der auch den Nutzern des „Theaterlabors“ zur Verfügung stehen soll. Im Südwesten grenzt ein freier, multifunktional zu nutzender „Schauplatz“ an das Gebäude. Dieser soll an die westliche Wegeachse über eine Treppenanlage angeschlossen werden, deren Sitzstufen eine Art "Zuschauertribüne" bilden. Das zurückgesetzte, sich großzügig zum Platz öffnende Foyer könne als "Freilichtbühne" genutzt werden und biete zusammen mit einem zusätzlichen Nebeneingang im Nordosten des "Theaterlabors" ein "Höchstmaß an Nutzungsflexibilität", so die Preisrichter. Die feuerverzinkte Blechfassade sowie die schlichte, offene Struktur des Neubaus trügen dem "Werkstattcharakter des ‚Theaterlabors‘ in besonderer Weise Rechnung".

Die beiden viertplatzierten Arbeiten sehen als Standort für den Neubau die südwestliche Ecke des Wettbewerbsareals für den Realisierungsteil vor und definieren hier den Zugang zum Campus. Der von Kresings Architekten vorgeschlagene, durch subtrahierte Volumina gegliederte Solitär bilde einen eigenen Stadtraum mit Platz und Spielplatz, die Preisrichter vermissten hier jedoch zusammenhängende und nutzbare Freiflächen für das „Theaterlabor“. Dem Entwurf von Georg Scheel Wetzel Architekten attestierten sie eine gute Präsenz und ein "eigenständiges Gesicht". Ihnen fehlte jedoch der gewünschte Bezug zur Umgebungsbebauung und zur Nutzung als Experimentierbühne.

Die endgültige Entscheidung fällt nach der Überarbeitungs- und Vertiefungsphase der prämierten Entwürfe. Ab 2016 soll das mit Mitteln aus dem Hochschulbauprogramm Heureka des Landes Hessen finanzierte "Theaterlabor" als Aushängeschild der JGU das Universitätszentrum kreativ beleben.

Katja Klenz