Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterung der Hölderlinschule in Bad Homburg v.d.H.

Preisträger

1. Preis: arge k.r.e.@.team schäfer / motorlab architekten mannheim

€ 21.500

Anja Schäfer, Dietmar Schäfer und Peter Bender
Mitarbeit: Sophie Dickler, Daniel Knapp, Daniel Braun, Benjamin Bockstette

2. Preis: Architekturbüro Prof. Jörg Friedrich PFP Architekten BDA, Hamburg

€ 14.300

Prof. Jörg Friedrich
Mitarbeit: Götz Schneider, Susanne Wandel, Aline Hoechstetter, Uta Müller, Ulf Sturm, Marco Salvatori
Landschaftsarchitektur: WES & Partner, Hamburg
Tragwerksplanung: Bollinger + Grohmann, Frankfurt/Main

3. Preis Georg Bumiller, Berlin

€ 9.800

Mitarbeit: Jens Bussewitz, Dominique Mayer
Landschaftsarchitektur: Hr. Protzmann, Berlin
Tragwerksplanung: Andreas Schulz, Berlin

4. Preis: h4a Architekten, Stuttgart

€ 6.500

Albrecht Randecker
Mitarbeit: Kathrin Hauth, Tanja Volz
Modellbau: Dimitri Boikov, Stuttgart

Ankauf: Broghammer Jana Wohlleber, Zimmern o.R.

€ 4.300

Dieter Broghammer
Mitarbeit: Thorsten Sorg, Thomas Mügge

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 22.09.2004
Ort Bad Homburg v.d.H.
Auslober Kreisausschuss des Hochtaunuskreises, Bad Homburg
Betreuung BSMF - Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz) Jens Backhaus, Jürgen Hölz, Prof. Burkhard Pahl, Prof. Wolfgang Rang, Brigitte Scheffler, Jürgen Banzer, Beate Denfeld, Heide Fuhrmann, Dr. Ursula Jungherr, Dr. Wolfgang Müsse

Vom Lern- zum Lebensort
Wettbewerb zur Erweiterung der Bad Homburger Hölderlinschule entschieden

Seit drei Jahren wird den Lehrern die Pisa-Studie um die Ohren geschlagen. In diesem Jahr bekamen dann die Funktionäre ihr Fett in Form der OECD-Bildungsstudie weg. Mit „Asterix“ möchte man resümieren: Noch immer steht ganz Schul-Deutschland unter dem Schock der Pisa-Pleite. Doch der Bildungsklassiker im Comic-Gewand kennt auch einen Ausweg: Ganz Schul-Deutschland? Eben nicht. Was Hessen anbelangt, so setzt man zum Beispiel im Hochtaunuskreis schon seit 2000 auf einen architektonischen Zaubertrank. „Schulbau-Initiative“ heißt er und setzt just dort an, wo die OECD-Studie den größten Mangel attestierte: in den Grundschulen. Denn man ist sich im Hochtaunuskreis bewusst, dass mit Frontalunterricht und Lehrplänen zugleich die Architektur auf dem Prüfstand steht. Viele Bauten aus den 60er und 70er Jahren sind marode oder taugen nicht für Ganztagsschulen. Und man muss kein ausgewiesener Architekturpsychologe sein, um zu erkennen, dass in so manchem funktionalen Klassenzimmer moderne Unterrichtsformen wirkungslos verpuffen.

Rund 9300 Grundschüler verzeichnet der Hochtaunuskreis gegenwärtig. Ein guter Teil von ihnen genießt bereits die Früchte der Schulbauinitiative - von Detaillösungen wie höhenverstellbaren Stühlen und Tischen bis zur Aufrüstung im IT-Bereich. Vor allem aber sind bereits sechs Grundschulen erweitert, neu oder umgebaut worden: von der Oberurseler Grundschule „Camp King“ bis zur Buchfinken-Grundschule in Usingen. Jetzt kommt eine siebte hinzu. Der Wettbewerb zur Erweiterung der Hölderlinschule in Bad Homburg ist entschieden. Gewonnen hat ihn das Bad Homburger Architekturbüro k.r.e.@.team Schäfer. Der zweite Preis ging an das Architekturbüro Prof. Jörg Friedrich aus Hamburg, der dritte an Georg Bumiller Architekten, Berlin. Sie zählen zu den 30 Büros, die aus 295 Bewerbern ausgewählt wurden, ihre Pläne einzureichen.

Der Siegerentwurf sieht einen mehrfach gefalteten Baukörper vor, bei dem das Preisgericht vor allem die leichten Verschwenkungen und die Erschließung über Splitlevel lobte. Topographische Gegebenheiten würden so auf einfache Weise aufgegriffen, neue Raumsituationen geschaffen. Das war bei den Anforderungen nicht unbedingt selbstverständlich: Das Grundstück ist vergleichsweise klein. Trotzdem müssen 18 Klassen mit etwa 400 Schülern Platz finden. Das sanierungsbedürftige Hauptgebäude, das zum barockisierenden Jugendstil zählt, steht unter Denkmalschutz. Abgerissen werden dürfen nur der „Schustertrakt“ und zwei Pavillons – die natürlich aus den 60er bzw. 70er Jahren stammen. Überhaupt gelingen den Verfassern spannungsreiche Erlebnisräume - außen wie innen. Selbst die Flure sind keine reinen Erschließungsflächen, sondern eignen sich für unterschiedlichste Zwecke.

Lernanregende Baukultur also ist das Ergebnis des Wettbewerbs – und letzteres ist auch ein Stichwort, das sich mit der Schulpolitik des Hochtaunuskreises verknüpft: Bei allen sieben Grundschulen wurden bislang Architektenwettbewerbe ausgeschrieben. Landrat Jürgen Banzer setzt auf dieses Verfahren: „Ursprünglich war ich völlig gegen Architektenwettbewerbe“, sagt er. „Inzwischen bin ich vom Saulus zum Paulus geworden.“ Und so ist schon nächste Wettbewerb in Vorbereitung: die Kronthalschule in Kronberg platzt aus allen Nähten. Lernen, Pädagogik und Architektur – Länder, die in der Pisa-Studien am besten abgeschnitten haben, begreifen diese Trias als Einheit. Das war in Deutschland lange nicht der Fall. Doch mittlerweile liegt die Betonung auf „war“.