Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Seilbahn Rüdesheim

Preisträger

1. Preis: schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 5.000

Prof. Michael Schumacher
Mitarbeit: Karl Kühn, Florian Radke, Joachim Wendt, Witali Suchan, Gordan Dubokovic, Nikolai Hemmerich

2. Preis: Architekturbüro Sandra Schlotter, Geisenheim

€ 3.000

Mitarbeit: Ruth Schroers, Anne Binder, Anja Stachelscheid, Thordis Jonsdottir

3. Preis: h.s.d. architekten, Lemgo

€ 2.000

André Habermann, Christian Decker

Anerkennung: LOMA architekture . landscape . urbanism GbR, Kassel

€ 1.000

Petra Brunnhofer, Ilija Vukorep, Wolfgang Schück
Mitarbeit: Sabrina Campe, Martin Schlemmer, Philipp Simon, Sabur Safi

Anerkennung: A2f architecture, Berlin

€ 1.000

Filip Nosek, Falk Krüger, Adelheidur Atladottir

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 10.04.2013
Ort Rüdesheim
Auslober Rüdesheimer Seilbahngesellschaft mbH
Betreuung ANP – Architektur und Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Prof. Ernst-Ulrich Scheffler (Vorsitz), Peter Sichau, Felix Waechter, Christoph Wurster, Volker Mosler, Peter Ohlig, Ludwig Rölz

Das ganz große Rad

Wettbewerb Talstation Seilbahn Rüdesheim Das Niederwalddenkmal mit der „Germania“ oberhalb der Stadt Rüdesheim ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Etwa 1,8 Millionen Menschen zieht es jährlich dorthin, ein großer Teil erreicht das Ziel mit der Seilbahn. Schon seit 1884 beförderte eine Zahnradbahn die Besucher hinauf, 1954 wurde diese durch eine Seilbahn abgelöst. 2004 wurde die alte Anlage durch eine neue ersetzt und die Bergstation komplett umgestaltet. Die Talstation hingegen befindet sich noch weitestgehend im Originalzustand. Hochaufgerichtet und mit Bruchstein verkleidet liegt sie etwas versteckt rund 40 Meter zurückgesetzt an einem kleinen Platz, der über mehrere Stufen zu erreichen ist.

Die Station passt sich zwar in die denkmalgeschützte umgebende Bebauung ein, genügt jedoch nicht dem Wunsch nach größerer Fernwirkung. Zudem entsprechen weder der Zugang zum Platz selbst noch die lediglich über Treppen erreichbaren Ein- und Ausstiege den heutigen Anforderungen an eine barrierefreie Erschließung. Um hier Abhilfe zu schaffen, lobte die Rüdesheimer Seilbahngesellschaft mbH einen Realisierungswettbewerb aus, der von ANP –
Architektur und Nutzungsplanung aus Kassel organisiert wurde. Das Preisgericht unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Prof. Ernst Ulrich Scheffler vergab einen ersten, zweiten und dritten Preis. Jeweils eine Anerkennung ging zudem an das Büro LOMA aus Kassel und an A2f architecture aus Berlin.

Die drei platzierten Entwürfe verfolgen unterschiedliche Ansätze, um die geforderte Barrierefreiheit herzustellen. Das ganz große Rad dreht – im wörtlichen Sinne – die schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH aus Frankfurt / Main, deren Entwurf den ersten Preis erhielt. Die Architekten holen die Gondeln durch eine Umlenkung über eine Art überdimensionierte, dreieckige Wankelscheibe auf Platzniveau herunter. Der zweitplatzierte Entwurf der Architektin Sandra Schlotter aus Geisenheim reduziert das vorhandene Platzgefälle und stellt über einen leicht geneigten Platz den barrierefreien Zugang zum Eingang sicher. Die drittplatzierten h.s.d. architekten aus Lemgo erschließen den Platz hingegen mittels mehrerer Querrampen sowie Treppen- und Sitzstufen.

Im Entwurf von schneider+schumacher erkannten die Preisrichter einen „besonders überzeugenden Beitrag“. Das „signethaft markant“ wirkende Bauwerk bedürfe keinerlei Hinweiselemente mehr und die Seilbahnfahrt werde für die Besucher „zum besonderen Ereignis“. Die bastionsartige Umschließung des Sockels, die das Material der Nachbarbebauung aufnimmt, fügt sich nach Ansicht der Preisrichter gut in den Bestand ein. Die geringen Kosten für den reduzierten Neubauanteil kompensieren ihrer Meinung nach die notwendigen höheren Investitionskosten für die Seilbahntechnik.

Dem Vorschlag der Architektin Sandra Schlotter attestierte das Preisgericht einen sensiblen Umgang mit dem städtebaulichen Kontext. Das gewählte Fassadenthema, das die Rhythmen der Weinberge zitieren soll, lasse die besondere Funktion des Baus gut erkennen. Die Treppe zum Aufgang böte schöne Ausblicke in die Weinberge und das Rheintal. Überarbeitungsbedarf sahen die Preisrichter in der platzseitigen Fassadengliederung, deren verschobene Fassadenelemente sie als „modisch“ bezeichneten, und in der wandartigen Abtrennung der Ladenzone. Hier wünschten sie sich eine  „durchlässige Zugänglichkeit“.

h.s.d. architekten erhielten den dritten Preis für ihre „unaufgeregte, gleichwohl jedoch überzeugende Lösung“, die die Verfasser aus der Vorlage der städtebaulichen und topografischen Situation mit einfachen formalen Mitteln entwickelten, so das Preisgericht. Eine großzügige Treppenanlage und die vorgeschlagenen halbtransparenten Fassaden ermöglichten vielfältige Ausblicke zur Stadt und in die Landschaft.

Das Preisgericht empfahl einstimmig die erstplatzierte Arbeit zur weiteren Bearbeitung, forderte hier aber eine Präzisierung der architektonischen Gestaltung des Rades sowie eine Überarbeitung der Anschlüsse des „Bahnsteigs“ an die Platzfläche und der Übergänge des Platzes zu den anschließenden Flächen.

Katja Klenz