Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Henninger-Areal, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Jourdan & Müller ∙ PAS, Frankfurt/Main

€ 15.000

Prof. Jochem Jourdan, Bernhard Müller, Benjamin Jourdan, Felix Jourdan, Nicolai Steinhauser

Mitarbeit: Luis Rey Villazon, Duk Hwan Song, Lutz Mehling, Dirk Maier, Jonathan Berlipp

Fachberater: BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten, Klaus Bierbaum, Klausdieter Aichele, Mainz (Landschaftsarchitekt)

Mitarbeit: Frank Finger

IB Hausladen GmbH, Prof. Dr. Gerhard Hausladen, Josef Bauer, Kirchheim (Energieexperte)

Mitarbeit: Heiko Woehrle

3. Preis: Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt/Main

€ 7.000

C. Meixner, F. Schlüter, M. Wendt

Mitarbeit: Martin Goldhammer, Felix Hartz, Ramon diNora, Philipp Schams, Kay Sayamnnshausen, Emanuel Gießen, Georg Kratzenstein, Cordula Fischer, Fabienne Müller, Mark Etling, Arno Noack, Ute Günzel, Alexander Hörr

Fachberater: Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich (Landschaftsarchitekt)

Mitarbeit: Günther Vogt, Ralf Günter Voss, Carolin Riede, Jessi Wolters

PB P.Berchtold Ing., Sarnen (Ingenieurgesellschaft für Energie- und Haustechnik)

Mitarbeit: Bente Engsig

3. Preis: Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel

€ 7.000

Uwe Hoegen

Mitarbeit: Michael Rudek, Nina Berger

Fachberater: GLT Landschaftsarchitekten, Michael Triebswetter, Kassel

Mitarbeit: Melanie Lips

Gertec GmbH, Thomas Tech, Essen

3. Preis: BilgerFellmeth Architekten, Frankfurt/Main

€ 7.000

Simon Fellmeth, Achim Bilger

Mitarbeit: Carten Eustermann, Rieke Seim

Fachberater: WK. Concept, Marcus Kempf, Frankfurt/Main  (Energieexperte)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 30.11.2012
Ort Frankfurt/Main
Auslober Quartier am Henninger Turm GmbH & Co KG
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Stefan Behnisch, Dieter von Lüpke, Dietmar Friedewald, Dietmar Hopp, Martin Hunscher

Wohnen auf einem ehemaligen Brauereigelände

Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Henninger-Areal Frankfurt am Main

Schon im Jahr 2000 wurde der Betrieb der Henninger Brauerei am Sachsenhäuser Berg in Frankfurt am Main stillgelegt. Doch lange war über die Nutzung des ehemaligen Betriebsareals als Wohngebiet diskutiert worden. Gründe hierfür: der durch die unmittelbare Nachbarschaft zur Binding-Brauerei und durch die Randlage zur Einflugschneise zur neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens notwendige Lärmschutz. Nach der Entscheidung für eine Wohnbebauung auf dem ehemaligen Brauereigelände wird zunächst der Henninger Turm abgerissen, eines der bekanntesten Wahrzeichen Frankfurts, und an gleicher Stelle ein Wohnturm errichtet. Für einen weiteren Teil der ehemaligen Betriebsfläche wurde nun ein städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt, um das ehemalige Gewerbegelände in einen Wohnstandort zu verwandeln. Das Verfahren betreute die Kasseler ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH.

Auf dem rund sechzigtausend Quadratmeter großen Gelände, eine der letzten großen Wohnbauflächen im Frankfurter Süden, sollen etwa 800 Wohnungen unterschiedlicher Größe entstehen, die auf drei Baufeldern entstehen sollen. Die Ausloberin, die Quartier am Henninger Turm GmbH & Co KG, forderte die Entwicklung „nachhaltiger Alleinstellungsmerkmale“, um trotz der Beeinträchtigungen eine hohe Wohn- und Lebensqualität zu gewährleisten und sich gegen andere Wohnstandorte abzusetzen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali kürte unter den Teilnehmern das Frankfurter Architekturbüro Jourdan & Müller PAS zum eindeutigen Sieger und verzichtete auf die Vergabe eines zweiten Preises. Den beiden Frankfurter Büros Meixner Schlüter Wendt Architekten und BilgerFellmeth Architekten sowie Baufrösche Architekten und Stadtplaner aus Kassel sprachen die Preisrichter jeweils einen dritten Preis zu.

Der Entwurf von Jourdan & Müller PAS überzeugte das Preisgericht mit einem Mix aus Zeilen-, Punkt- und Hochhausbebauung, die eine Vielfalt der Wohnungstypologien bieten sollen, sowie mit der Freiraumgestaltung. Leitidee des Entwurfs ist der Bezug zum Schubert´schen Park, den die Verfasser durch eine „aufgelockerte, scheinbar frei angeordnete Bebauung in Punkthäusern unterschiedlicher Größe und Struktur“ herstellen. Von möglichst vielen der Wohnbauten aus soll der Einblick in den Park möglich werden. Entlang des vielbefahrenen Hainer Weges ist eine Zeilenbebauung vorgesehen. Drei höhere Punkthäuser auf dem Baufeld zwei, gegenüber des Henninger Turms, bildeten Akzente, ohne zu diesem in Konkurrenz zu treten, so die Preisrichter. Dem zum Turm hin orientierten öffentlichen Platz, der als verbindendes Element dienen soll, attestierten sie einen „urbanen Charakter“.

Die Grundidee der Arbeit von Meixner Schlüter Wendt Architekten basiert auf einem Quartiersplatz, der sich vom Henninger Turm bis zum Park erstreckt. Im in unmittelbarer Nachbarschaft zum Turm gelegenen Baufeld zwei platzierten die Architekten zwei U-förmige Baukörper mit jeweils einer dreizehngeschossigen Hochhausscheibe, eine zweifach unterbrochene Blockrandbebauung folgt dem Schwung des Hainer Weges. Nachbesserungsbedarf sah das Preisgericht im Freiflächenkonzept sowie in den Ausformulierungen der vorgeschlagenen Wohnungsgrundrisse und -größen.

Baufrösche Architekten und Stadtplaner attestierten die Preisrichter eine „schlüssige Gliederung der Baublöcke in öffentliche, private und gemeinschaftliche Räume“ in den Baufeldern eins und drei sowie der Gestaltung der Blockinnenbereiche. Das äußere Erscheinungsbild der Gebäude signalisiere „ein hohes Maß an Qualität und Nachhaltigkeit“. Das Preisgericht lobte die Qualität der „durchgesteckten“ Grundrisse. Kritischer bewertete es jedoch den Vorschlag, in Baufeld zwei die im Bebauungsplan vorgesehenen dreizehngeschossigen Hochhäuser durch eine größere Gruppe von zehngeschossigen Bauten zu ersetzen.

BilgerFellmeth Architekten gliedern ihren Wettbewerbsbeitrag durch eine Promenade streng in Nord- und Südbebauung. Zwei dreizehngeschossige Türme im Baufeld zwei sollen den städtebaulichen Bezug zum Henninger Turm herstellen. Positiv werteten die Preisrichter die klare räumliche Fassung der Baufelder, die städtebauliche Gliederung und die Hofstrukturen mit ihren differenzierten Innenräumen. Defizite sahen sie im hohen Versiegelungsgrad und dem daraus folgenden zu geringen Grünflächenanteil.

Einstimmig empfahlen die Preisrichter, die erstplatzierten Jourdan & Müller PAS mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen. Wenn die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Brauereigelände einmal fertig gestellt ist, sollen rund 2.000 Menschen hier ein neues Zuhause finden.

Katja Klenz