Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Grimm-Welt Kassel

Preisträger

1. Preis: Tore Pape (Pool 2), Kassel

€ 25.000

Fachberater: Mann Landschaftsarchitekten, Tobias Mann, Kassel (Landschaftsarchitektur)

Ingenieurbüro Reitz und Pristl, Kassel (Tragwerksplanung)

2. Preis: kadawittfeldarchitektur GmbH, Aachen

€ 18.000

Gerd Wittfeld

Mitarbeit: Kilian Kada, Johannes Müntinga, Simon Kortemeier, Andrea Blaschke, Andreas Horsky, Martin von Laack

Fachberater: greenbox Lanschaftsarchitekten Hubertus Schäfer & Rudolf Tuczek, Köln

PGS Ingenieurbüro, Aachen (Gebäudetechnik)

BFT Cognos GmbH, Aachen (Brandschutz)

Katrin Söncksen, Berlin (Lichtplanung)

Arup Düsseldorf, Thorsten Wilde Schröter (Statik)

3. Preis: Wandel Hoefer Lorch Architekten, Saarbrücken

€ 12.000

Mitarbeit: Sebastian Frell, Bernhard Bangert, Julia Raber, Christoph Betz, Alexander Spohn, Thomas Wach

Fachberater: Prof. Dr. Carsten Tichelmann, Darmstadt (Tragwerksplanung)

Anerkennung: Oskar Leo Kaufmann | Albert Rüf ZT GmbH, Dornbirn (A)

€ 3.000

Mitarbeit: John Reed, Matthias Bär

Anerkennung: AFF architekten, Berlin

€ 2.000

Martin Fröhlich, Sven Fröhlich, Alexander Georgi

Mitarbeiter: Ulrike Dix, Robert Zeimer, Sascha Schulz, Franziska Sturm

(Praktikanten: Katrin Hauner, Jordan Berta)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Wettbewerb für eine Gebäudeplanung nach RPW 2008
Preisgerichtssitzung 11.01.2012
Ort Kassel
Auslober Stadt Kassel
Betreuung ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Claus Anderhalten, Prof. HG Merz, Prof. András Palffy (Vorsitz), Prof. Jorunn Ragnarsdottir, Bertram Hilgen, Christof Nolda, Kirsten Worms

Moderne Märchenwelt

Neubau des Brüder-Grimm-Museums in Kassel
Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, denen die berühmte Sammlung der Kinder- und Hausmärchen zu verdanken ist und die den Grundstein für das Deutsche Wörterbuch legten, lebten über 30 Jahre in Kassel. Und diese Zeit war nicht nur eine sehr produktive, es seien auch „die glücklichsten Jahre unseres Lebens“ gewesen, schrieb Jacob Grimm später. Dem Wirken und der Bedeutung der berühmten Brüder trägt die Stadt an vielen Orten namentlich Rechnung. So gibt es den Brüder-Grimm-Platz, an dem das Wohnhaus der beiden steht, die Grimm-Bibliothek und das Brüder-Grimm-Museum im Palais Bellevue.
Doch das bisherige Museum soll nun geschlossen werden und die dort ausgestellte Sammlung mit Manuskripten, Erinnerungsstücken und weiteren Exponaten aus den Nachlässen der Familie in die neue sogenannte Grimm-Welt überführt werden. Geplant ist ein multimediales Museum, in dem Erleben und Mitmachen eine große Rolle spielen und den Besuchern Literatur, Sprache und Kulturgeschichte auf neuen Wegen vermittelt werden sollen.
Die Stadt Kassel hatte für den Neubau des Museums einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, den die Kassler ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft GmbH betreute. Als Standort vorgesehen, ist das Weinbergplateau zentrumsnah gelegen oberhalb der Karlsaue. Der Weinberg, ein Gartendenkmal des 19. und 20. Jahrhunderts, dessen Terrassenanlagen derzeit saniert werden, bietet eine opulente Aussicht.
Zu den 14 Wettbewerbseilnehmern zählten zahlreiche international namhafte Büros, die eine vielfältige Bandbreite im Umgang mit dem Standort an den Tag legten. Am meisten überzeugte das Preisgericht, dem der Wiener Architekt Prof. András Pálffy vorsaß, die Arbeit des ortsansässigen Architekten Tore Pape (Pool2). Auf dem zweiten Rang landete die kadawittfeldarchitektur GmbH aus Aachen. Rang drei sicherte sich Wandel Hoefer Lorch Architekten aus Saarbrücken.
Tore Pape überzeugte die Preisrichter mit einem kompakten Baukörper mit transparentem Sockel. Dieser sei „präzise gesetzt“, strahle eine wohltuende Leichtigkeit aus, lasse dem Park viel Raum und stärke den Standort in seiner Erlebbarkeit. Während das Obergeschoss eine Naturstein-Fassade aufweist, ist das Erdgeschoss als in Holz gehaltener Kern gestaltet, umgegeben von einem durch Glasflächen begrenzten, offenen Raum. Das Preisgericht würdigte den Umgang und die Bezüge zum Außenraum sowie das Wechselspiel zwischen introvertierten und extrovertierten Räumen ebenso wie die räumlichen und organisatorischen Qualitäten des Entwurfs. Für die innere Ausgestaltung wünschten sich die Preisrichter noch etwas mehr „phantasievolle, mystische Ausprägung“.
Dem mit dem zweiten Preis bedachten Entwurf von kadawittfeldarchitektur attestierten die Preisrichter eine „kräftige, eigenwillige Gestalt, die eine unverwechselbare Adresse“ herstellen könne. Auch wenn das Preisgericht eben diese hohe Präsenz der Gebäudefigur und ihre Materialität kontrovers diskutiert, bezeichnete es den Entwurf als möglichen Beweis dafür, „wie man mit ortstypischen Materialien und vertrauter Architektur einen Ort bereichern kann“. Gelobt wurden zudem die professionelle Qualität der Grundrisse, der raffinierte Gebäudeschnitt sowie die hohe Aufenthaltsqualität und die angemessene Atmosphäre im Inneren.
Zurückhaltung im Umgang mit dem Ort prägt die drittplatzierte Arbeit. Wandel Hoefer Lorch Architekten ordnen Ausstellung und Verwaltung in zwei eigenständigen, einander in Proportion und Fassadengestaltung ähnlichen Baukörpern an und platzieren diese auf einem Tableau mit vorgelagerter Treppe. Die Aufteilung gewährleiste „die Durchlässigkeit der Gesamtparkanlage“ und setze „das Bild der Weinbergterrassen zur ‚Grimm-Welt’ hin als überzeugende Geste fort“, so die Preisrichter. Sie bewerteten die angedeutete Fassade als „feingliedrig, transluzent und geheimnisvoll“, erwarteten hier aber noch eine detailliertere Darstellung.
Schon 2014 soll das Grimm-Museum eröffnet werden; rund 18 Millionen Euro sind für die moderne Märchenwelt eingeplant. Doch zunächst finden Gespräche mit den drei erstplatzierten Büros statt, bevor das Stadtparlament endgültig darüber entscheidet, welcher Entwurf realisiert werden wird. 

Katja Klenz