Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubebauung Klosteranlage Germerode, Meißner-Germerode

Preisträger

1. Preis Prof. Berthold Heinrich Penkhues, Kassel

€ 6.800

Mitarbeit: Hermann Sauer

2. Preis Bauhütte Volkenroda, Volkenroda

€ 4.000

Bernward Paulick
Mitarbeit: Mathias Wagner, Lydia Kögel, Steffen Ziegler, Jürgen Hinse, Diane Piontek

3. Preis: HHS Hegger · Hegger · Schleiff Planer + Architekten AG, Kassel

Günter Schleiff
Fachplaner: Tobias Mann, Landschaftsplanung

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger, einphasiger Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 09.11.2004
Ort Meißner-Germerode
Auslober Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage Germerode e.V.
Betreuung Herget und Wienröder, Eichenzell
Preisrichter Prof. Hartmut Eckhardt (Vorsitz), Prof. Thomas Bieling, Michael Frede, Hans Ludwig, Friedhelm Junghans

Geschäftiger Ruhepol
Das Kloster Germerode wird neu bebaut

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Die Zahl derer, die in Klöstern einkehren, dort vor täglichem Stress und Reizüberflutung Ruhe suchen, auch. Das Kloster Germerode in der Nähe von Eschwege kennt diese Paradoxie. Mitte des zwölften Jahrhunderts gegründet, ist es heute dank der „Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage Germerode e.V.“ ein häufig frequentierter Ort für Seminare und Tagungen, Meditationen oder ökumenische Pilgerwege. Das ehemalige Domänenpächterhaus steht den Tagungsgästen ebenso zur Verfügung wie das vormalige Stall- und Lagergebäude, das Anfang der 1950er Jahre behelfsmäßig zum Wohngebäude umfunktioniert wurde. Doch das Domänenpächterhaus ist zu klein, entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen, und das Behelfswohngebäude ist abbruchreif. Deshalb soll angesichts der sehr guten Auslastung jetzt das Angebot verbessert werden.

Beim Einladungswettbewerb um die Neubebauung der historischen Anlage ging der Kasseler Architekt Professor Penkhues als Sieger hervor. Der zweite Preis ging an Bernward Paulick von der Bauhütte Volkenroda, Platz drei belegte das Kasseler Büro HHS Hegger, Hegger, Schleiff Planer + Architekten AG.

Überzeugt hat der Entwurf durch seinen gleichermaßen selbstbewussten wie sensiblen Umgang mit den alten und neuen Gebäuden: So tritt der kompakte, vergleichsweise flache Bau an der Hangkante in einen spannenden Dialog mit der Kirche. Für den so genannten „Unterhof“ entsteht eine klare Platzwand. Die entstehenden Außenräume lassen genügend Optionen für weitere Entwicklungen des „Oberhofs“ und des Klostergartens. Lob gab es vom Preisgericht für den Vorschlag, die Stellplätze so anzulegen, dass der „Unterhof“ autofrei bleibt. Und die Erschließung des Foyers aus zwei Richtungen fand ebenso Beifall wie die Orientierung aller wichtigen Bereiche wie Gastraum oder Wohn- und Schlafräume. Spielräume bestehen auch für die beiden Bauabschnitte, in denen der Entwurf realisiert werden kann. Das L-förmige Hauptgebäude, bei dem sowohl der Haupteingang als auch der Gast- und Gruppenraum Richtung des neuen „Platzes“ angelegt sind, während die Wirtschaftsräume entlang der alten Bruchsteinmauer verlaufen, kann in einem ersten Schritt gebaut werden und steht für sich. Sollte das Kommunitätsgebäude bzw. der Kreativraum dann doch nicht hinzukommen, entstünde kein Torso.

Für die Tagungsstätte Kloster Germerode dürfte der Neubau also in beiden Fällen den gewünschten Effekt zeitigen: ein geschäftiger Ruhepol zu sein.