Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Quartier "Tradition und Innovation" am Europa-Boulevard im Europa-Viertel, Frankfurt

Preisträger

1. Preis Baumschlager - Eberle Ziviltechniker GmbH, Lochau (A)

€ 25.000

Prof. Dietmar Eberle, Mag. Karl Baumschlager
Mitarbeit: Hans v. Grassmann, Sönke Timm, Yong-Wook Cha, Anke Spittel
Fachberater:
Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
HLPP-Consult, München/Frankfurt

2. Preis BRT – Architekten, Hamburg

€ 15.000

Hadi Teherani
Mitarbeit:Christin Ansorge, Jan Busch, Christina Dresen, Andreas Gatzow, Wojtek Kazmierski, Karen Kork, Jo Landwehr, Jan Thomsen, Henning Wiethaus

3. Preis Grüntuch Ernst Planungsges.mbH, Berlin

€ 10.000

Almut Ernst, Armand Grüntuch
Mitarbeit: Kai Hansen, Peter-René Menken, Johannes Rueb, Tim Kreidel, Jacob van Ommen
Fachberater: Topotek 1 Landschaftsplanung, Martin Rein-Cano, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, kooperativer, begrenzter Realisierungswettbewerb mit Ideenteil in Form eines Einladungswettbewerbs mit fünf Teilnehmern. Das Verfahren war nicht anonym.
Preisgerichtssitzung 23.11.2004
Ort Frankfurt/Main
Auslober Vivico Real Estate GmbH, Frankfurt/Main
Betreuung a : dk architekten datz kullmann, Mainz
Preisrichter Prof. D. W. Dreysse (Vorsitz), Dieter von Lüpke, Prof. Manfred Hegger, Michael Nowak, Edwin Schwarz, Dirk Grosse-Wördemann / Christoph Jakoby, Stefan Wiegand

Wenn Tradition Innovation ist
Realisierungswettbewerb für das erste Wohn- und Büroquartier im Frankfurter Europa-Viertel

Großes sieht der Masterplan aus der Feder des Büros Albert Speer & Partner für das Frankfurter Europa-Viertel vor. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs südlich der Messe und unweit des Hauptbahnhofs soll innerstädtischer Lebensraum für die Frankfurter zurück gewonnen werden: mit dem Urban Entertainment Center (UEC) als Herzstück, dem Europa-Garten und mit dem Europa-Boulevard als Rückrat des Viertels – eine 1,2 Kilometer lange und 60 Meter breite Flaniermeile mit Flair.

Während das Prestigeprojekt UEC noch mit einigen Fragezeichen versehen ist, steht am Anfang des östlichen Areals nun die Realisierung des ersten Wohn- und Büroquartiers. „Tradition:Innovation“ heißt das nördlich und südlich des Europa-Boulevards gelegene Viertel – und der Name war beim Architektenwettbewerb gleich mehrfach Programm. Für die fünf geladenen Büros natürlich, die sich mit der Aufgabenstellung auseinanderzusetzen hatten. Aber ebenso für den Auslober, die Vivico Real Estate GmbH. Denn dass Städte und Gemeinden auf Architektenwettbewerbe setzen, hat mittlerweile Tradition – zumal in Frankfurt. Noch nicht selbstverständlich aber ist, dass sich auch private Unternehmen dieses Instruments bedienen. Das erfolgt im Hinblick auf architektonische Innovation, wenngleich in Zeiten leer stehender Bürogebäude mit fallenden Immobilienpreisen die Entscheidung, mit der eher traditionellen Mischform Wohnen und Arbeiten ein innovatives Ganzes auf den Weg zu bringen, durchaus verständlich ist: könnte sich doch gerade der ins Hintertreffen geratene Wohnbau helfen, das Projekt leichter zu vermarkten.

Gewonnen hat den Wettbewerb das Architekturbüro Baumschlager - Eberle Ziviltechniker GmbH aus dem österreichischen Lochau – und auch diese Entscheidung passt in gewisser Weise in das Spannungsfeld von Tradition und Innovation. Zwar boten die Entwürfe der Zweit- und Drittplatzierten Büros, die Hamburger BRT Bothe Richter Teherani Architekten sowie die Berliner Grüntuch Ernst Planungsgesellschaft mbH, mehr Überraschungen, inszenierten etwa den Europaplatz oder städtische Zwischenräume markanter. Letztlich aber fiel die Entscheidung des Preisgerichts zugunsten eines Modells, das eine konsequente Grundhaltung zum Thema Boulevard ausweist – und das die beiden Leitmotive innen und außen umsetzt: durch eine eher traditionelle, in Maßstäblichkeit, Materialwahl und Proportionen jedoch durchaus zeitlos noble Fassade einerseits und durch innovative Lösungen für ein ausgesprochen flexibles Nutzungskonzept im Inneren der Gebäude. Mit anderen Worten: Wenn Wohnen wirtschaftlichen Aufwind bekommt, ist man gerüstet. Und das umso mehr, als die Beiträge die Wohnräume mehrheitlich nicht in die Hinterhöfe verbannten. In der ersten Reihe wohnt man nun mal besser.

Positiv ins Gewicht fielen beim Siegerentwurf auch die die großzügigen Freiräume, was die Solitäre im Blockinnenbereich anbelangt. Die Preisrichter lobten zudem den selbstverständlichen Umgang mit dem Auftakt des Boulevards – keine Kleinigkeit, tragen die Bauten dieses Grundstücks doch die Bürde, dereinst mit dem gegenüberliegenden Erlebniszentrum zu konkurrieren.Nachbesserungen hat das Preisgericht indes angemahnt: eine bessere Wahrnehmbarkeit der Eingangssituationen etwa oder doch eine stärkere nutzungsspezifische Differenzierung.

Und im Sinne der architektonischen Vielfalt des Europa-Boulevards hat das Preisgericht empfohlen, auch die anderen Preisträger in die weiteren Planungen einzubeziehen – was sowohl im Interesse Frankfurts als auch der Vivico liegen dürfte. Die hat übrigens weitere Wettbewerbe ins Auge gefasst – womit sich der Kreis schließt und Innovation zur Tradition werden könnte.