Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Ebene 0, Terminal 1, Flughafen Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis Jo. Franzke Architekten, Frankfurt/Main

€ 17.500

Jo. Franzke, Magnus Kaminiarz
Mitarbeit: Jasmin Chahdousti-Echtehard, Michael Mogilowski, Piotr Olejnik, Thomas Dröll
mit Grego & Smolenicky Architektur , Zürich
Joseph Smolenicky
Mitarbeit: Volker Jacob, Christoph Reinhardt

2. Preis Gewers Kühn und Kühn Architekten, Berlin

€ 10.500

Georg Gewers
mit von Have und Partner, Hamburg
Elke Salmen
Mitarbeit: Volker Ruof, Felix Dorl

3. Preis KSP Engel und Zimmermann, Frankfurt/Main

€ 7.000

Jürgen Engel
Mitarbeit: Gregor Gutscher, Antonino Vultaggio, Uta Neudeck, Boris Kroh, Henric Oldekop, Yue Zhou, Robert Reininger, Chrissoula-Mika Liami, Werner Dindorf, Phillip Englert, Kai Beckmann, Anna Stoyanova, Patrick Schnell
Fachberater: Lichtplanung AG Licht

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, beschränkter Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs mit 7 Teilnehmern und vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 26.11.2004
Ort Frankfurt/Main
Auslober Fraport AG, Frankfurt/Main
Betreuung Fraport AG - Immobilien und Facility Management, IFM-PT - Planung und Bau Terminal 3
Preisrichter Prof. Dörte Gatermann (Vorsitz), Prof. Barbara Jakubeit, Prof. Christoph Mäckler, Joachim Wagner, Ute Pohl, Jens Schön, Martina Pfeffer

Gut gelandet
Die Ebene 0 des Frankfurter Flughafenterminals 1 wird neu gestaltet

Mitunter gleichen moderne Flughäfen Tempelanlagen des globalen Tourismus: Durch riesige, Ehrfurcht einflößende Hallen wälzen sich die Pilgerscharen des Fernweh-Ordens, verharren andächtig an Check-in-Altären oder wohnen an den Laufbändern der Gepäckausgabe der ewigen Wiederkehr des immergleichen Koffers bei. Wer den Faden einer solchen „Reise-Religion“ weiter spinnen will, der findet im Frankfurter Flughafen ein eindrucksvolles Beispiel. Die labyrinthischen Terminals wirken mit ihrer komplexen Infrastruktur von Handel, Service und Konsum wie ein geschlossenes Sinn-System. Darin kann man sich wie in einer eigenen Welt aufhalten – ganz so, wie es jüngst Tom Hanks in Steven Spielbergs Komödie "Terminal" vorgeführt hat. In Frankfurt perfektioniert man diese Welt weiter.

Jetzt wird die Ebene 0 des Terminal 1 neu gestaltet. Beauftragt damit ist das Frankfurter Architekturbüro Jo. Franzke in Zusammenarbeit mit den Zürcher Innenarchitekten Grego & Smolenicky. Sie haben den dafür ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb gewonnen, zu dem sie neben sechs weiteren Büros unter 50 Bewerbern eingeladen worden waren. Der zweite Preis ging an das Berliner Büro Gewers Kühn und Kühn in Kooperation mit den Hamburgern Have und Partner. Platz 3 belegte das Architektenteam KSP Engel und Zimmermann, ebenfalls aus Frankfurt.

Die Ebene 0 ist am stärksten frequentiert und fungiert als eine Art Drehscheibe für die Fluggäste, die per Bahn oder Auto anreisen. Sie liegt direkt über dem Regionalbahnhof, und wer am Terminal 1 parkt, kommt hier auf dem Weg zu den An- und Abflughallen ebenfalls vorbei. Vor allem deshalb wünscht sich der Auslober, die Fraport AG, mehr Aufenthaltsqualität für das Publikum, aber auch für die tausenden Beschäftigten vor Ort. Im Falle eines Flughafens bedeutet das: mehr Attraktivität für Handel und Gastronomie, für schnelles Shopping und tägliche Dienstleistungen.

Die Voraussetzungen dazu bietet der Siegerentwurf. Hochwertige Materialien wie Naturstein, eine harmonische Auswahl warmer Farben sowie Lichttore, die die zukünftige Mall strukturieren, schaffen die gewünschte „Wohlfühl-Atmosphäre“. Der Entwurf ist relativ zurückhaltend, vergleicht man ihn etwa mit Projekten, die Franzke anderweitig in Frankfurt realisiert hat. Aber die Zurückhaltung trägt dazu bei, dass sich der heterogene Bestand klar gliedern lässt. Die Wegeführung ist transparent, eine Zonierung der drei Marktplätze ist möglich, „Hindernisse“ wie Automaten werden aus dem Weg geräumt und finden sich an den Wänden wieder. Um im Bild zu bleiben: Pilgern leicht gemacht. Allein bei den Vorsprüngen der Fassadengliederung hatte das Preisgericht Bedenken, was die Raumwirkung bzw. die Einsehbarkeit der Läden betrifft.

Die Ebene 0 ist für viele der rund 12,6 Millionen Gäste jährlich der erste Nah-Eindruck, den sie vom Frankfurter Flughafen gewinnen. Der fällt in Zukunft wesentlich positiver aus, und nicht wenige werden das tun, was ihnen Tom Hanks auf der Leinwand (wenn auch wider Willen) vorgemacht hat – etwas länger bleiben.