Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kloster Eberbach im Rheingau, Eltville

Preisträger

1. Preis Bernard : Sattler Büro für Landschaftsarchitektur, Berlin

€ 10.000

Stefan Bernard, Philipp Sattler
Mitarbeit: Matthias Schlosser

2. Preis WES & Partner Landschaftsarchitekten, Hamburg

€ 7.000

Hinnerk Wehberg, Michael Kaschke
Mitarbeit: Timm Clasen, Stefan Prifling, Felix Holzapfel

3. Preis Fleig-Harbauer Landschaftsarchitekten, Waldkirch

€ 3.000

Gisela Fleig-Harbauer
Mitarbeit: Jens Driessen
Kommunikationsdesign: Jäger und Jäger, Überlingen
Lichtplanung: Knappschneider licht-raum-stadt, Wuppertal

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger und einphasiger Realisierungswettbewerb im Vereinfachten Verfahren mit beschränkter Teilnehmerzahl. Zur Auswahl der Teilnehmer war ein EWR-offenes Bewerbungsverfahren gemäß VOF vorangestellt. Die Auswahl erfolgte durch ein Auswahlgremium. Es wurden 7 Landschaftsarchitekten/ -Arbeitsgemeinschaften ausgewählt
Preisgerichtssitzung 08.12.2004
Ort Eltville
Auslober Stiftung Kloster Eberbach
Betreuung ANP – Architektur und Nutzungsplanung , Kassel
Preisrichter Prof. Arno Sighart Schmid (Vorsitz), Petra Bittkau, Prof. Henri Bava, Heike Roos, Hauke Heyn, Dr. Jens Jacob, Prof. Dr. Gerd Weiß

Architektur der Tugend
Die Freianlagen des Klosters Eberbach werden neu gestaltet

Erst vor kurzem ist die Entscheidung über den Neubau einer Kellerei für das Kloster Eberbach gefallen. Damals stand eine unterirdische Lösung im Mittelpunkt, diesmal, beim zweiten Wettbewerb der Stiftung Kloster Eberbach, ging es eher überirdisch zu – zumindest insofern, als ein Konzept für die Neugestaltung der Freianlagen gefragt war.
Ziel war es, die vielen verschieden genutzten Flächen, die sich innerhalb der Klostermauern immerhin auf rund 7,5 ha summieren und derzeit eher einen etwas ungeordneten Eindruck hinterlassen, zu einer Einheit zu verschmelzen. Denn Park und Gärten sind für den Publikumsmagnet Kloster Eberbach nicht weniger wichtig als die historischen Gebäude und die beeindruckenden Innenräume.

Unter den sieben Landschaftsarchitekten bzw. Arbeitsgemeinschaften, die aus hundert Bewerbern zum Realisierungswettbewerb eingeladen wurden, gelang es dem Beitrag des Berliner Büros für Landschaftsarchitektur Bernard : Sattler am besten, an die klösterliche Gartenkultur anzuknüpfen. Auf Platz zwei und drei wählte das Preisgericht unter Vorsitz des Präsidenten der Bundesarchitektenkammer, Professor Arno Sighart Schmid, die Hamburger Landschaftsarchitekten WES & Partner sowie die Landschaftsarchitekten Fleig-Harbauer aus Waldkirch.

Der Siegerentwurf möchte zisterziensische Tugenden transparent machen, die das Klosterleben seit der Gründung 1136 prägen: Einfachheit und Klarheit, Spiritualität, Ordnung und eine hoch entwickelte Gartenkultur. Das ist ihm in vielen Teilen gelungen. Die Preisrichter lobten vor allem den Umgang mit dem Kreuzgarten. Er bildet das Zentrum, um das herum sich gleichsam ein Kreis aus Gärten bildet. Zudem soll er sich wieder in einen Ort der Stille verwandeln, denn parallel dazu bietet der große Klosterhof so vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, dass er alle kontemplativen Orte entlastet. Es überwiegen großzügige Platzflächen. Andere Entwürfe sahen etwa einen sehr viel dichteren Baumbestand vor, der aber kaum noch ein Raumerlebnis ermöglichen würde. Die zurückhaltende Gestaltung inszeniert die historischen Gebäude angemessen. Der Kisselbach ist freigelegt und einprägsam hervorgehoben, zumal man Wasser fast das Leitmotiv des Konzeptes nennen könnte. Auch wenn auf gärtnerische Verspieltheiten verzichtet wurde, problematisch schien dem Preisgericht der Pflegeaufwand der vielen Flächen dennoch. Hier müsste nachgebessert werden, ebenso bei Details wie dem Maßstab des Wasserbeckens in der Orangerie. Dort wurde ferner - wie auch beim Gästehaus - die historische Sensibilität vermisst, die das Modell sonst auszeichnet.

Geschichte wird den Besucher übrigens künftig schon anwehen, wenn er das Kloster betritt: Der Weg führt Fußgänger künftig auch wieder durch den ursprünglichen Eingang, das Pfortenhaus. Von dort ergibt sich für sie durch das vorgeschlagene Wegesystem fast von selbst ein optimaler Rundgang – und dass der auch an der neuen Vinothek des Klosters vorbeiführt, versteht sich.