Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Haus der Evangelischen Kirche, Wiesbaden

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Beschränkter, einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbes
Preisgerichtssitzung 01.03.2004
Ort Wiesbaden
Auslober Evangelische Gesamtgemeinde, Wiesbaden
Betreuung Evangelisches Dekanatsverwaltungsamt Wiesbaden
Preisrichter Karl Georg Geiger (Vorsitz), Hans-Georg Lange, Stefan Rausch-Böhm, Andreas Sedler, Monika Weber-Pahl, Hans-Martin Heinemann, Klaus Schnekenburger/Dr. Michael Schulz, Peter Klein, Eberhard Krause

Haus des Lebens
Evangelische Kirche Wiesbaden bekommt ein „Haus der Kirche“

Lange hatte die Evangelische Kirche in Wiesbaden nach einem Platz für ein "Haus der Kirche" gesucht. Nach einem offenen Ort als Zentrum für alle kirchlichen Belange. Letztlich haben Evangelisches Dekanat und die Evangelische Gesamtgemeinde Wiesbaden dann doch wieder das bereits vorhandene Grundstück der Marktkirchengemeinde am Schlossplatz ins Auge gefasst. Beim beschränkten Realisierungswettbewerb für einen Umbau sollte die Struktur der Gebäudes aus den sechziger Jahren erhalten bleiben und Raum geschaffen werden für Dekanat, Familienbildungsstätte, Gemeinderäume, Büros, Wohnungen und Seminarräume.

Am besten gelöst hat das der Frankfurter Architekt Zvonko Turkali, vor den Darmstädtern Karle/Buxbaum und dem Büro Zaeske + Maul. Den von Turkali angestrebten „respektvollen Umgang“ mit der vorhandenen Architektur, die keinem „plastischen chirurgischen Eingriff“ unterzogen werden sollte, erkannte das Preisgericht in einer konzentrierten Entwicklung eines funktionalen Raumprogramms wieder. Öffentliche Flächen und Wohnungen werden auf einfache, aber überzeugende Weise separiert, die vorhandenen Eingänge beibehalten, der Haupteingang mit einfachen Mitteln barrierefrei umgebaut. Ein großzügiges, zum Teil zweigeschossiges Foyer entsteht, das einen klar strukturierten Bereich für die Marktkirchengemeinde schafft. Gelobt wurden am Entwurf seine Schlichtheit im Inneren, die Gestaltung der Fassade, die mit modernen Mitteln ihr Aussehen beibehält, sowie die hohe Wirtschaftlichkeit. Kritisch betrachtet wurden allerdings die Umsetzung von Treppe und Personenaufzug. Auf die vorhandenen gestalterischen Zwänge bieten die transparent gehaltenen Raumabschlüsse keine überzeugende Antwort, insbesondere spiegeln sie nicht die erhoffte Offenheit des Hauses wider. Letztlich aber ermöglicht das Modell mit seinen von den Preisrichtern gewürdigten intelligenten und klar strukturierten Lösungen genau das, was sich die kirchlichen Träger erhoffen: das Haus der Kirche als ein Haus des Lebens.