Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnbebauung in Ginsheim-Gustavsburg

Preisträger

1. Preis: wolf.sedat architekten, Weikersheim

€ 6.000

Martin Wolf, Marco Sedat

2. Preis: Matthias Schrimpf, Darmstadt

€ 4.000

Mitarbeit: Sabrina Randecker, Liliana Feiteirinha
Fachberater: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt/Main
Ita Ingenieurgesellschaft für Technische Akustik, Wiesbaden
Kubus Landschaftsplanung, Berlin-Wetzlar

3. Preis: barkowsky wahrer architekten GbR, Köln

€ 2.500

Jens Barkowsky

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 15.05.2013
Ort Ginsheim-Gustavsburg
Auslober Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Ginsheim-Gustavsburg
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Jürgen Bredow (Vorsitz), Dirk Pott, Karl-Heinz Hennig

Ein „wohltuendes Angebot“

Nichtoffener Wettbewerb Darmstädter Landstraße Ginsheim-Gustavsburg

Ginsheim-Gustavsburg liegt nahe der Stadt Mainz im sogenannten Main-Spitz-Dreieck, südlich der Mündung des Mains in den Rhein. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Ginsheim-Gustavsburg, die in der Gemeinde etwa 110 Häuser bewirtschaftet, möchte ihren Bestand durch gezielten Neubau von Mehrfamilienhäusern erweitern. Im Besitz der KWG ist auch das Wohngebäude in der Darmstädter Landstraße 40-44. Das 1923/1924 errichtete ehemalige MAN-Haus wurde mit vielen Stilelementen der damaligen „Neuen Sachlichkeit“ errichtet, wie beispielsweise einer strengen Symmetrieachse, einer aufgelockerten Kubatur und einer lebendigen Dachlandschaft.

Von der ursprünglich geplanten Sanierung des Gebäudes rückte die Wohnungsgesellschaft ab, nachdem ein Gutachten immense Kosten unter anderem für die Sanierung der Gründung prognostiziert hatte und künftige Neuschäden nicht ausschloss. Daher fiel die Entscheidung, das bestehende Wohngebäude abzureißen und einen Wettbewerb für den Neubau von Wohnungen auszuloben. Unterstützung bei der Vorbereitung des Verfahrens erhielt die KWG vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss der AKH, die Gespräche führten Gesine Ludwig und Joachim Klie. BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt betreuten den Wettbewerb.

Die Ausloberin, die auf dem Gelände öffentlich geförderte Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen errichten will, erwartete von den zehn Teilnehmern Vorschläge für das etwa 2.300 Quadratmeter große Areal. Die benachbarte, ebenfalls auf dem Wettbewerbsgebiet stehende denkmalgeschützte Villa mit der Hausnummer 46 sollte in das städtebauliche und freiraumplanerische Gesamtkonzept mit einbezogen werden. Das Preisgericht, dem der Darmstädter Architekt Prof. Jürgen Bredow vorsaß, entschied sich für die Vergabe jeweils eines ersten, zweiten und dritten Preises.

Den ersten Preis erhielten wolf.sedat architekten aus Weikersheim für ihren Entwurf zweier unterschiedlich großer Baukörper: Diese vermieden eine Großbauform, seien ein „wohltuendes Angebot“ und bildeten zusammen mit der Bestandsvilla ein Ensemble, so die Preisrichter. Sie lobten den klar erkennbaren, durch einen Rücksprung im Erdgeschoss gebildete Eingang und bewerteten den gewählten Abstand zur Villa als positiv. Zudem würdigte das Preisgericht die „wirtschaftlichen Grundrisse“ und lobte das „Konzept der individuellen Veränderung“. Für die „rationale“ Gestaltung der Fassaden wünschten sie sich eine „sensible, gestalterische Weiterentwicklung“. Die Freianlagen bezeichnete das Preisgericht als „zurückhaltend und angemessen“ gestaltet.

Der zweite Preis ging an den Darmstädter Architekten Matthias Schrimpf. Dessen Entwurf eines L-förmigen Baukörpers nehme die Bestandssituation auf und entwickle diese weiter, urteilten die Preisrichter. In der vorgeschlagenen Konstruktion in kompletter Holzbauweise sahen sie Vorzüge bei der Vorfertigung, dem Brandschutz und der Vermeidung von Wärmebrücken. Das Preisgericht bewertete die rollstuhlgerechten Wohnungen als großzügig, die dargestellte Flexibilität der Grundrisse jedoch als eingeschränkt. Es diskutierte zudem die schematische Gestaltung der Fassaden.

Für ihren winkelförmigen Baukörper mit wechselnder Geschossigkeit sowie Vor- und Rücksprüngen bekamen barowsky wahrer architekten GbR aus Köln den dritten Preis zugesprochen. Das Gebäude bildet einen „großzügigen Wohnhof“, bei dem die Preisrichter jedoch eine differenzierte Ausgestaltung vermissten. Sie würdigten vor allem den konzeptionellen Ansatz des Entwurfs, hinsichtlich der Fassaden sowie der Wohnungsgröße sahen sie jedoch noch Überarbeitungsbedarf.

Die Preisrichter empfahlen einstimmig den ersten Preis zur Umsetzung. Mit der Realisierung der rund 1.600 Quadratmeter Wohnfläche ist nicht vor 2014 zu rechnen. Ein erster Schritt dahin wird der Abriss des maroden Bestandes sein.

Katja Klenz