Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Wohngebiet Bierstadt-Nord, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Thomas Schüler, Düsseldorf, mit Martin Schedlbauer (faktor Grün Landschaftsarchitekten), Freiburg

€ 30.000

Mitarbeit: Clemens Walter, Angela Soler

2. Preis: Burkhard Dewey (Dewey Muller Architekten und Stadtplaner), Köln, mit Matthias Förder (Förder Landschaftsarchitekten), Essen

€ 23.000

Mitarbeit: Penny Nourney, Thomas Julius, Svenja Hennig, Bonya Sen, Torsten Deppe

3. Preis: Miller Stevens (STADT.LAND.FLUSS), Berlin, mit Karl Thomanek, Eva-Maria Boemans (TDB Landschaftsarchitektur), Berlin

€ 16.000

Mitarbeit: Norman Kaltschmidt, Luka Gilic

Anerkennung: Dr.-Ing. Michael Hecker (HMW) mit Marion Skerra, Köln, mit Friederike Huth (Areal Landscape Architectur Friederike Huth+Christian Weier), Senningerberg (L)

€ 5.000

Anerkennung: Hannes Stahlecker, Stuttgart mit Helmut Mack, Fellbach, und Claus Roth (Garten- und Landschaftsarchitekten), Stuttgart

€ 3.000

Mitarbeit: Mark Steinhardt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 17.04.2013
Ort Wiesbaden
Auslober Stadt Wiesbaden
Betreuung Regina Stottrop, Büro für Stadtplanung, Köln
Preisrichter Prof. Kunibert Wachten (Vorsitz), Prof. Cornelia Bott, Prof. Christl Drey, Thomas Metz, Hans-Martin Kessler, Sigrid Möricke

Freiraum für Neubürger und Alteingesessene
Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb Wiesbaden,
Bierstadt-Nord

Wiesbaden wächst – bis 2020 wird der hessischen Landeshauptstadt eine
Bevölkerungszunahme um rund 7.000 Einwohner prognostiziert. Und für diese
muss Wohnraum geschaffen werden, beispielsweise im Norden des Wiesbadener Stadtteils Bierstadt. Hier soll auf einer derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Fläche ein neues Wohngebiet entstehen. Geplant sind 350 bis 400 neue Wohnungen auf 13,5 Hektar Land, das im Süden an das bestehende Wohngebiet „Am Wolfsfeld“ grenzt und in dessen östlicher Nachbarschaft ein Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt liegt.

Dazu hatte das Stadtplanungsamt nach Gesprächen mit der Architektenund
Stadtplanerkammer Hessen einen städtebaulich-freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Regina Stottrop vom Büro für Stadtplanung aus Köln hatte die Betreuung des Verfahrens übernommen, an dem sich fünf gesetzte und 20 weitere in einem Bewerbungsverfahren ausgewählte Arbeitsgemeinschaften aus Architekten, Stadtplanern oder Städtebauarchitekten und Landschaftsarchitekten beteiligten hatten. Ihnen war aufgetragen worden, die bestehenden Strukturen und typischen Bauformen der Umgebung zu berücksichtigen und 75 Prozent der Wohneinheiten als frei stehende Einfamilienhäuser sowie Doppel- und Reihenhäuser und die restlichen 25 Prozent als Geschosswohnungen zu planen. Die Umweltplanungen der Stadt forderten zudem eine etwa 18.000 bis 20.000 Quadratmeter große, zentral gelegene Grünfläche als Erholungsort, Versickerungsfläche und Frischluftschneise.

Das Preisgericht vergab jeweils einstimmig einen ersten, zweiten und dritten
Preis und sprach darüber hinaus noch drei Anerkennungen aus. Platz eins ging
an Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf mit faktorgruen
Landschaftsarchitekten aus Freiburg. Diese überzeugten die Preisrichter vor
allem mit dem Vorschlag, den Übergang zum vorhandenen Wohngebiet im
Süden mit einer – neben der großen „Grünen Mitte“ – zusätzlichen Grünfläche
herzustellen. Der „Anger“, in den Spiel- und Sportangebote einbettet werden
sollen, schaffe eine „attraktive Verknüpfung“ zum AWO-Pflegeheim und ein
hochwertiges Aufenthaltsangebot für alteingesessene und neue Bewohner.
Zudem werde das markante Gebäude des Deutschen Genossenschaftsverlages
im Südwesten des Wettbewerbsgebietes einbezogen, so das Preisgericht.
Positiv bewertete es die vorgeschlagenen Gruppierungen der unterschiedlichen
Haus- und Wohnformen um Wohnhöfe sowie die Anordnung der Kita im Bereich
des Pflegeheimes. Daraus ergäbe sich eine „sinnvolle Bündelung und Stärkung
der Gemeinschaftseinrichtungen“.

Auch die zweitplatzierten Dewey Muller Architekten und Stadtplaner aus Köln
mit Förder Landschaftsarchitekten aus Essen verlängern ihre zentrale, als frei
bespielbare Fläche angelegte Grünschneise in Form eines abgewinkelten
Dreiecks Richtung Wohngebiet am „Am Wolfsfeld“ und stellen so den Übergang
zum Bestand her. Die Preisrichter lobten diese Verbindung mittels eines
für neue Bewohner und Alteingesessene nutzbaren Freiraums ebenso wie
den „sensiblen Umgang mit den vorgefundenen Elementen und Richtungen
des Standortes“. Angelagert an den dreieckigen Freiraum liegt die Kita. Für
die Wohnbebauung formulieren die Verfasser vier Quartiere unterschiedlicher
Prägung, denen die Preisrichter eine „vielfältige Mischung von Wohnlagen,
Dichte und Typologien mit hoher Qualität“ attestierte. Sie lobten zudem den
vergleichsweise hohen Anteil von Nettobauland, sahen jedoch den großen Anteil an Geschosswohnungsbau kritisch.

Auf Platz drei platzierte sich die Berliner Arbeitsgemeinschaft STADT · LAND ·
FLUSS Büro für Städtebau und Stadtplanung mit TDB Landschaftsarchitektur,
die den Fokus besonders auf die Ausformulierung des Grünzugs legten. Dessen
von der Topografie unterstützte Gestaltung, die sich in Form von Terrassen
und Mauern widerspiegele, schaffe die eigentliche Identität des Ortes, so die
Preisrichter. Sie vermissten jedoch diese Qualität bei der Ausformulierung der
weiteren Freiflächen. Ihnen fehlten zudem Flexibilität bei den Bebauungsvorschlägen sowie ein lebendiges Quartierszentrum.

Die Anerkennungen gingen an HMW Hecker Monkenbusch Wieacker mit Marion Skerra, beide Köln, mit Areal Landscape Architectur aus Senningerberg (Luxemburg), an die Planungsgruppe Stahlecker aus Stuttgart mit  Architekturbüro Mack + Sorg aus Fellbach sowie an Abar Arquitectos mit LOCAL 4, Barcelona, mit der ARGE Großmann Lippmann, Berlin.

Nach dem einstimmigen Votum durch das Preisgericht, dem der Stadtplaner
und Architekt Prof. Kunibert Wachten vorsaß, soll die erstplatzierte Arbeit von
ihren Verfassern überarbeitet werden und als Grundlage für den Bebauungsplan dienen. Für 2015 sind die Erschließungsarbeiten angepeilt. An Interessenten für das neue Wohngebiet dürfte es in Wiesbaden – und Umgebung – nicht mangeln.

Katja Klenz