Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubebauung "Berliner Platz", Gießen

Preisträger

1. Preis Birger Rohrbach, Heiner Schmees, Gießen

€ 70.000

Mitarbeit: Klaus Wagner, S. Weil, M. Weisel, B. Hennemann, P. Englisch
mit Fachingenieur (TGA): E. Martins, M. Lobuscher, Frankfurt/Main
und Fachingenieur (Tragwerksplanung): Krebs und Kiefer, Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH, Darmstadt
D. Hanek, H. Müller
Fachberater:
Landschaftsarchitektur: Sommerlad-Haase-Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen

3. Preis aplus.architekten, Gießen

€ 40.000

Ute Kramm-Schäfer
Mitarbeit: Gesine Schmidt, Matthias Weismüller, Marco Helfmann
mit Fachingenieur (TGA): GWS AG Aktiengesellschaft für Wärme und Strom, Mainz, Thomas Giel
und Fachingenieur (Tragwerksplanung): Prof. Dr. Jürgen Hagedorn
Beratender Ingenieur für Bauwesen, Obermaiselstein
Fachberater:
Ökologie, Freiraumgestaltung: Planungsbüro Fischer,Linden
Elisabeth Schade, Dr. Jochen Karl
Verkehr: Ingenieurbüro Habermehl und Follmann, Rodgau
Edwin Mayer
Energieberatung: Ingenieurbüro Oswald, Marburg
Wilfried Oswald
Brandschutz: HTA Plan, Pfungstadt
Stefan Kraft

4. Preis: Ludwig Harter, Ingolf Kanzler, Freiburg

€ 25.000

Mitarbeit: Carolin Kühn, Markus Maurer, Dominik Schnabel, Carsten Tepel
mit Fachingenieur (TGA): Brendel Ingenieure AG, Frankfurt/Main
und Fachingenieur Tragwerksplanung: Hofmann und Brett, Beratende Bauingenieure, Freiburg

4. Preis: Dömges+Partner Architekten GbR, Regensburg

€ 25.000

Siegfried Dömges
Mitarbeit: Thomas Eckert, Christian Grayer
mit Fachingenieur (TGA): JMP Janowski & Co, Regensburg
und Fachingenieur (Tragwerksplanung): Seidl & Partner Gesamtplanung GmbH, Regensburg

Ankauf BFLP Prof. Bremmer, Lorenz, Frielinghaus Planungsgesellschaft mbH, Friedberg

€ 10.000

Michael Frielinghaus
Mitarbeit: Heinz Jansen, Robert Klings, Ladislav Dolezal, Maria Gnadl, Rainer Wolf, Claudia Dreßen, Andreas Schmitt
mit Fachingenieur (TGA): Ebert-Ingenieure Düsseldorf GmbH, Düsseldorf
Georg Vahlhaus
und Fachingenieur (Tragwerksplanung): Professor Pfeifer und Partner, Darmstadt, Prof. Matthias Pfeifer
Fachberater:
Landschaftsarchitektur: F.-J. Hendrikx, Heuchelheim
Modellbau: Sabine Michalke-Vieler, Florstadt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, zweiphasiger, interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren. Beabsichtigte Teilnehmerzahl: 50 (1. Phase, davon 13 vom Auslober gesetzte Teilnehmer) und max. 15 Teilnehmer in der 2. Phase
Preisgerichtssitzung 26.01.2005
Ort Gießen
Auslober Magistrat der Universitätsstadt Gießen
Betreuung N+ Objektmanagement GmbH, Weimar
Preisrichter Prof. Thomas Bieling (Vorsitz), Prof. Wolfgang Christ, Dr.-Ing. Volker Cornelius, Prof. Manfred Karl, Dieter Gail, Dr. Volker Kölb, Thomas Rausch

Made in Gießen
Heimisches Büro gewinnt Wettbewerb um die Neubebauung des Berliner Platzes

Der Berliner Platz zählt zu den wichtigsten Flächen Gießens. Hier stehen zwei der prominentesten öffentlichen Gebäude: das Gründerzeit-Stadttheater und die Kongresshalle aus der Nachkriegszeit. Als Dritter im Bunde soll nun das neue Rathaus hinzukommen, gleichsam als Fortsetzung der Repräsentationsarchitektur ins 21. Jahrhundert. Das ist in dem sonst eher – gelinde gesagt – heterogenen baulichen Umfeld keine einfache Aufgabe.

Doch selten fiel die Entscheidung eines Preisgerichts so einmütig aus: Einstimmig wählten die Preisrichter den Beitrag von Rohrbach und Schmees auf den ersten Platz. Der auslobende Magistrat wird künftig in einem „Kultur-Rathaus“ residieren – und das auch noch made in Gießen, stammt das Büro doch selbst aus der Universitätsstadt. Und um die "herausragende städtebaulich-architektonische Qualität" des Entwurfs zu unterstreichen, vergaben die Preisrichter zudem unter den 43 Bewerbern keinen zweiten, sondern einen dritten Platz, der mit den aplus.architekten ebenfalls an ein Gießener Büro ging, sowie zwei vierte Plätze.

Aufgabe war, ein Verwaltungsgebäude für etwa 500 Mitarbeiter zu entwerfen. Im Rahmen der Zentralisierung der Stadtverwaltung soll es direkt auf dem zentral gelegenen, rund 14.600 Quadratmeter großen Areal mit ca. 23.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche entstehen. Der skulpturale Bau von Birger Rohrbach und Heiner Schmees zeichnet sich durch seine mäandernde Struktur aus, bei der es im Grunde keine Rückseite gibt. Alle Seiten weisen gleichermaßen eine hohe Ansichts- und Aufenthaltsqualität auf. Die Form ermöglicht auch eine sehr flexible Nutzung, inklusive natürlicher Belichtung und Belüftung. Denn mit einbegriffen in dem Verwaltungsgebäude sind unter anderem Bibliothek, Kunsthalle, Stadtarchiv, eine Polizeidienststelle sowie eine Tiefgarage.

Teil des zweiphasigen interdisziplinären Realisierungswettbewerbs war neben der Bauwerksplanung auch die Tragwerksplanung und die Technische Gebäudeausrüstung. Das Rathaus fällt sehr selbstbewusst aus. Es bildet den Kopfbau, übernimmt aber gleichzeitig eine integrative Funktion gegenüber den Bauten der Umgebung wie Hoch- und Einzelhäuser. Großes Lob fand vor allem die gelungene Balance zwischen architektonischer Präsenz und zurückhaltender Anmutung. Auch bei den symbolischen Gesten des Gebäudes ist die Gratwanderung geglückt: Das multifunktionale Rathausfoyer verknüpft elegant Platz und Rathaus, öffentlichen und halböffentlichen Raum. Und dass die Abgeordneten in dem Sitzungssaal im oberen Stockwerk tagen werden, ist kein Zeichen von Bürgerferne – gerade abends und nachts werden die Gießener immer wieder an die Bedeutung der Kommunalpolitik erinnert. In diesem Sinne führt der Neubau nicht nur einen architektonischen Dialog mit Theater und Kongresshalle ins 21. Jahrhundert fort, sondern auch einen geistigen. Denn er sollte das verkörpern, was auf dem Portal des Stadttheater prangt: "Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns".