Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Übergang vom Schlosspark zur Tannenwaldallee, Bad Homburg v.d.H.

Preisträger

1. Preis: wbp Landschaftsarchitekten, Bochum

€ 8.000

Rebekka Junge, Christine Wolf
Mitarbeit: Elke Lorenz, Andrée Bockholt, Christian Hagemann

2. Preis: Frank Görge, Hamburg

€ 5.000

3. Preis Punkt4 Architekten, Kassel

€ 3.000

Markus Hanisch
Künstlerische Beratung: Andrea Schulze Wilmert

Ankauf: Atelier 30 Architekten, Kassel

€ 2.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Sabrina Lohfink, Lukas Kasten

Ankauf: vautz mang architekten, Stuttgart

€ 2.000

Tatjana Vautz, Stefan Mang
Heiner Luz, Landschaftsarchitekten, München
Roland Grossberger
Asphalt- u. Bitumenberatung, Regionalbüro Süd
Martina Körber

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Offener zweiphasiger Ideenwettbewerb
Preisgerichtssitzung 11.04.2005
Ort Bad Homburg v.d.H.
Auslober Kuratorium Bad Homburger Schlosskirche
Betreuung Architekturbüro BLFP, Friedberg / Architekturbüro Bölle, Marburg
Preisrichter Barbara Ettinger-Brinckmann (Vorsitz), Corinna Endreß, Michael Frielinghaus, Prof. Anke Mensing, Paul Rink, Claus Bury, Dieter Jung, Dr. Kai Mathieu, Karl Weber

Künstlerischer Übergang
Die Achse Schlosspark-Tannenwaldallee in Bad Homburg wird wiederhergestellt

Viele gelehrte Geister haben bereits das Bad Homburger Schloss bewundert. Zu den berühmtesten zählt der Dichterfürst Goethe. Da wundert es wenig, wenn es beim Ideenwettbewerb für die Wiederherstellung des Übergangs vom Schlosspark zur Tannenwaldallee durchaus „literarisch“ zuging. Zumindest wurden die beiden erstplatzierten Entwürfe als „lyrisch“ und „künstlerisch-poetisch“ gelobt. Ohnehin wurden Arbeitsgemeinschaften der Architekten etwa mit Künstlern, Literaten oder Lichtplanern seitens des Auslobers, des Kuratoriums Bad Homburger Schlosskirche, sowie der betreuenden Architekturbüros BLFP aus Friedberg bzw. Bölle aus Marburg, ausdrücklich begrüßt.

Und es bedurfte in der Tat einiger landschaftsgestalterischer Vorstellungskraft – um einen der zentralen Begriffe Goethes aufzugreifen-, um sich die barocke Achse Tannenwaldallee wieder als Einheit zu vergegenwärtigen. Denn der Kern der landgräflichen Gartenlandschaft, angelegt im Jahr 1770, wird vor allem durch den vierspurig ausgebauten Hindenburgring durchschnitten und ist im Laufe der Zeit durch (Um)Bauten stark überformt worden.

Gelungen ist ein überzeugender Neuansatz dem Bochumer Büro wbp Landschaftsarchitekten. Sie haben sich an der historischen Vision Friedrich V. orientiert, der hier sein persönliches Tempé – jenes Tal, zu dem die griechischen Götter vom Olymp hinab stiegen – durch idealisierte Natur verwirklichen wollte. Bei den Wettbewerbsgewinnern tragen dazu der als dreireihige Allee ausgebildete Hindenburgring, zahlreiche Pyramidenpappeln auf den Tannenwaldallee, die den Baumbestand ergänzen, und die „Lichtung“, die auf der Kreuzung beider Wege entsteht, bei. Hinzu kommt ein in den Bodenbelag eingelassener Streifen mit dem Textband des Tempégedichtes von Landgraf Friedrich VI., das die Fußgänger auch als Übergang über den Hindenburgring leitet. Weitere Merkmale: Die Eingänge in die historischen Gärten sind durch eingelegte „Teppiche“ aus dunklem Stahl markiert, Ruhebänke gegenüber den Eingängen werden zu Verweilpunkten und Bodeneinbaustrahler, die die Alleebäume als Reflexionsfläche nutzen.

Die Preisrichter unter Vorsitz von Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, diskutierten vor allem das Textband kontrovers, waren sich aber einig, dass es sich um einen sehr pragmatischen Ansatz handelt, der zugleich die historischen Bezüge beachtet und künstlerisch-poetisch damit umgeht. Ähnliches galt auch für den Entwurf, mit dem der Hamburger Frank Görge auf den zweiten Platz kam. Bei ihm lautet das Konzept für die ideelle Überwindung der Straße: Hereinholen der Landschaft per Periskop für den Betrachter im Schlosspark.

Wie sich der Übergang vom Schlosspark zur Tannenwaldallee in Zukunft auch immer konkret darstellen wird – alle Wettbewerbsbeiträge, die in die Endausscheidung kamen, haben vor allem eines gezeigt: Unkonventionelle Lösungen müssen keineswegs unrealistisch sein.