Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neuer Marktplatz Usingen

Preisträger

1. Preis: Marcus Schmitt, Architekt, Frankfurt/Main mit Claudius Grothe, Landschaftsarchitekt, Frankfurt/Main

€ 15.000

2. Preis: Ackermann & Raff, Architekten u. Stadtplaner, Tübingen

€ 10.000

Prof. Gerd Ackermann, Helmut Raff
mit Fleig-Harbauer, Landschaftsarchitekten, Waldkirch
Gisela Stötzer
Mitarbeit: Tim Heller

3. Preis: sdks architekten dummert kirschner sonek stotz, Darmstadt

€ 6.500

Michael Dummert
mit Neuhann + Kresse, Landschaftsarchitekten, Darmstadt
Andreas Neuhann, Helmut Kresse
Mitarbeit: Edvard Neufeld, Modellbau

4. Preis: Christoph Thiel, Architekt, Münster mit Grünkontor Kolle, Landschaftsarchitektur, Münster

€ 4.500

Matthias Kolle
Mitarbeit: Henrik Schönefeld, Raul Gröneberg

Ankauf: Architekten Hirschmüller Schmidt Kaschub, Darmstadt

€ 3.000

Andreas Hirschmüller, Gerrit Schmidt, Marcel Kaschub
mit Michael Palm, Landschaftsarchitekt, Weinheim
Mitarbeit: Sebastian Heid

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener, einstufiger, städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit 7 Zuladungen und 23 weiteren Teilnehmern, die durch das Los bestimmt werden.
Preisgerichtssitzung 15.04.2005
Ort Usingen
Auslober Magistrat der Stadt Usingen
Betreuung Arbeitsgemeinschaft Bredow Hille Architekten BDA, Ingelheim
Preisrichter Prof. Klaus Trojan (Vorsitz), Suat Bischoff, Barbara Ettinger-Brinckmann, Volker Götte, Prof. Rolf Hoechstetter, Adelgard Weyell, Matthias Drexelius, Bernd Keth, Michael Hahn, Frank Saltenberger, Ellen Enslin

Beste Insellage
Usingens neue Mitte ist der alte Neue Marktplatz

Usingen atmet Geschichte – ältere und neuere. Ältere, das bedeutet eine verwinkelte Altstadt mit mittelalterlichen Strukturen, mit der Laurentiuskirche als Kreuzpunkt hin zu den rechtwinkligeren Anlagen der Barockstadt mit dem Schloss und der Hugenottenkirche. Neuere, das bedeutet einige städtebauliche Entwicklungen, etwa im Bereich der Bachaue und des so genannten Schorn-Geländes – ein Autohaus und ein Bankgebäude zählen unter anderem dazu. Und ausgerechnet der Neue Marktplatz ist mit Busbahnhof und Parkplatz verbesserungswürdig.

Usingen atmet jedoch zugleich Zukunft und die ist mit dem Projekt verbunden, der Stadt eine neue, lebendige Mitte zu schaffen. Auch wenn die Stadt nicht über alle Grundstücke des ca. 11,7 ha großen Terrains verfügen kann, so sollte doch ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb Visionen für ein neues Zentrum mit architektonisch reizvoller Stadthalle entwickeln.

Vision Nummer eins stammt vom Frankfurter Architekten Marcus Schmitt, gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Claudius Grothe. Einstimmig entschied sich das Preisgericht unter dem Vorsitz von Prof. Klaus Trojan für den Entwurf, der den Neuen Marktplatz in den Schnittpunkt zweier Achsen setzt, nämlich einmal zur Hugenottenkirche und einmal zur Laurentiuskirche, der die Auenlandschaft entlang des aufgestockten Stockheimer Baches aufwertet und den Blickbezug zur Bauchaue stärkt. Auf den zweiten Platz des Wettbewerbs, der von der Arbeitsgemeinschaft Bredow Hille Architekten aus Ingelheim betreut wurde, kamen die Tübinger Architekten Ackermann & Raff zusammen mit den Waldkircher Landschaftsarchitekten Fleig-Harbauer. Im Zentrum ihres Vorschlags steht die Überlegung, die Aue mit der Struktur der Hugenottenstadt zu vernetzen; der Neue Marktplatz würde sich in die Talaue hinein schieben. Ein schlüssiger Entwurf, konzedierten die Preisrichter. Allerdings könnten bei diesem Konzept in einem ersten Bauschritt nur einige Gebäude realisiert werden, da vieles von der Verfügbarkeit der Flächen des weiteren Wettbewerbsgebietes abhängt und so der räumliche Halt des Platzes anfangs relativ schwach sein würde. Den dritten Platz belegte das Darmstädter Büro sdks in Kooperation mit den Darmstädter Landschaftsarchitekten Neuhann + Kresse.

Den Siegerentwurf zeichnet aus, dass er deutlich unterscheidet zwischen der Randbebauung im Bereich der Altstadt und der Einzelhangbebauung am Hang südlich der Neutorstraße. Während sich die neue Stadthalle widerspruchsfrei in das von der Hugenottenkirche ausgehende Stadtbild einfügt, setzen sich alle weiteren Gebäude – Wohnhäuser, Hotel, Einzelhandel – deutlich von der geschichtsträchtigen Architektur ab. Die Markthalle bildet den Endpunkt dieser Funktionsachse, die Räume zwischen den Gebäuden sind bewusst polygonal gehalten. „Sie sind eine eigenständige Antwort auf ihre inselförmige Lage inmitten der Bachaue“, so das Urteil der Preisrichter. Moniert wurde hingegen, dass das Hotel zu weit von der Stadthalle entfernt sei und die vollständige Unterbringung des ruhenden Verkehrs in Tiefgaragen.

Ruhen wird der Verkehr auf zwei Beinen aber nicht, wenn Stadt- und Markthalle einmal realisiert, wenn viele landschaftliche Elemente aufgegriffen und ausgebaut sind und wenn am Ende des Markplatzes tatsächlich der Bach zu einem kleinen Teich aufgestaut werden sollte. Dann lebt Usingen – in seiner Geschichte.