Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Heilig-Kreuz-Kirche, Nieder-Roden-Rollwald

Preisträger

1. Preis: Prof. Kuno Mauritius Schneider, Trier

€ 5.000

Mitarbeit: Sven Segelken

2. Preis: Stefanie Wellnitz, Offenbach

€ 3.000

Mitarbeit: Ellen Weidner, Ido Nikolov
Fachberater: Felix Wellnitz (Energie und Nachhaltigkeit)

3. Preis: Kollmenter + Fink GbR, Rodgau

€ 2.000

Uwe Kollmenter, Marc Fink

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 21.10.2011
Ort Nieder-Roden-Rollwald
Auslober Kath. Pfarrgemeinde Sankt Matthias, Rodgau
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Jo Eisele (Vorsitz), Johannes Krämer, Anton Bauhofer, Dr. Peter Eckstein, Jürgen Hofmann, Heribert Söllner

Als Kirche erkennbar
Nichtoffener Wettbewerb Heilig-Kreuz-Kirche, Rollwald

Die Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Matthias im Nieder-Rodener Ortsteil Rollwald kommen derzeit in den zwei ziemlich maroden Pavillons der Heilig-Kreuz-Kirche zusammen. Diese waren in den 1970er Jahren auf einem ehemaligen Lastwagenparkplatz errichtet worden und sollen nun abgerissen werden. Dass das Bistum Mainz nun einem Neubau zugestimmt hat, ist ungewöhnlich angesichts der Tatsache, dass auch die Kirche sparen muss und in Nieder-Roden – nur eine S-Bahn-Station entfernt – das zweite Gotteshaus der Gemeinde steht: die prächtige Sankt-Matthias-Kirche mit ihrem Turm aus dem 13. Jahrhundert. Doch das lebendige Gemeindeleben in Rollwald sowie soziale und seelsorgerische Gründe gaben den Ausschlag für ein neues Gebäude mit Kirchenraum, Sakristei und Mehrzwecksaal.

Den von der Gemeinde ausgelobten nichtoffenen Wettbewerb betreuten BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt. Unter den eingeladenen Büros vergab das Preisgericht an Prof. Kuno Schneider aus Trier den ersten, an Wellnitz Architekten aus Offenbach den zweiten und an Kollmenter + Fink aus Rodgau den dritten Preis.

Die erstplatzierte Arbeit überzeugte die Preisrichter durch die „skulpturhafte Durcharbeitung der Baukörper“, die zusammen mit dem Glockenträger die Erkennbarkeit des Neubaus als Kirche gewährleiste. Durch die Grundidee einer umlaufenden Mauer entstünden „sehr differenzierte und qualitätsvolle Räume“. Der Außenraum werde in unterschiedlich geprägte, sehr geschickt miteinander verwobene Bereiche gegliedert. Die Innenräume seien durch abgestufte Raumhöhen, reduzierte Materialien und eine durchdachte Lichtführung sehr ansprechend gestaltet. Die Anordnung der liturgischen Funktionsorte und die Ausrichtung der Bankreihen beurteilte das Gremium positiv, regte jedoch eine Vereinfachung der liturgischen Bereiche an.

Die Verfasser der mit dem zweiten Preis gewürdigten Arbeit platzieren den Neubau am nordöstlichen Rand des Grundstücks. Der Weg zum Kircheneingang führt durch einen vorhandenen Nussbaum-Hain; seitlich an dieser Achse liegt der Gemeindesaal. Prägendes Entwurfselement ist der vorgelagerte Kirchhof, zweiseitig gefasst von den beiden Gebäudeteilen für Kirche und Gemeindesaal. Gegenüber dem Saal befindet sich auf dem Hof ein Pavillon mit Außenaltar. Die Preisrichter lobten die hohe ästhetische Qualität des Kirchenraums und das Aufgreifen des Motivs des Nussbaum-Wäldchens in der Materialwahl. Sie empfahlen jedoch die Erarbeitung eines komplett neuen liturgischen Raumkonzeptes.

Die Entwurfsidee der drittplatzierten Arbeit lehnt sich nach Ansicht der Preisrichter an die traditionelle Haus-Kirche an. Der Tradition gegenüber stellten die Architekten eine „innovativ und theologisch durchdachte“ Komposition der liturgischen Funktionsorte sowie die Anordnung der Gemeinde in drei asymmetrisch angeordneten Blöcken. Die Preisrichter attestierten der Arbeit eine hohe Qualität hinsichtlich der Funktionalität. Weniger überzeugend fanden sie jedoch die vorgeschlagenen unterschiedlichen Fassadenmaterialien von Kirche- und Gemeindeteil, sowie die Lichtschlitze in der Fassade.

Das Preisgericht, dem Prof. Jo Eisele vorsaß, empfahl, den ersten Preis zu realisieren, dabei die ausgesprochenen Anregungen zu berücksichtigen und die Gestaltung der liturgischen Funktionsorte zu überarbeiten. Als Baubeginn wird das kommende Jahr genannt.