Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau des Technischen Rathauses in Frankfurt am Main

Preisträger

1. Preis: KSP Engel und Zimmermann GmbH, Frankfurt/Main

€ 18.000

Jürgen Engel
Mitarbeit: Gregor Gutscher (Projektleiter), Boris Kroh, Kristian Rüb, Antonio Vultaggio, Anna Stoyanova, Silvia Grüning
Freiraumplanung: Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Raimund Haase, Gießen
Tragwerk: WHP Weischede, Herrmann und Partner GmbH, Beratende Ingenieure, Dr. Ulrich Breuninger, Stuttgart

2. Preis: Projektgruppe Architektur und Städtebau, Frankfurt am Main

€ 12.000

Prof. Jochem Jourdan, Bernhard Müller
Mitarbeit: Alexia Bamberg, Michael Geßner, Benjamin Jourdan, Felix Jourdan, Dirk Maier, Marc Mische, Anton Savov, Nicolai Steinhauser
Tragwerksplanung: Stöffler, Abraham, Neujahr, Darmstadt
Landschaftsplanung: PBS, Kassel

3. Preis: Kramm & Strigl, Darmstadt

€ 8.000

Prof. Rüdiger Kramm
Mitarbeit: Matthias Löffler, Nina Leypold, Do Yong Hong, Peter Klose, Uli Lohschelder

Ankauf: Dierks Blume Nasedy Architekten BDA, Frankfurt/Main

€ 3.000

Christian Nasedy, Jörg Blume
Mitarbeit: Jörg Magar, M. Stoppe Brandt, Katja Kleinert, Harriet Saacke, Thomas Nadler (Modellbau)

Ankauf: Atelier 30 Architekten, Kassel

€ 3.000

Thomas Fischer, Jens Ole Creuzig
Mitarbeit: Anika Schmidt, Florian Fedderke, Ljuba Tascheva

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, einphasiger städtebaulicher Ideenwettbewerb mit beschränkter Teilnehmerzahl
Preisgerichtssitzung 15.09.2005
Ort Frankfurt/Main
Auslober Magistrat der Stadt Frankfurt am Main
Betreuung ANP – Architektur und Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Prof. Arno Lederer (Vorsitz), Prof. Johann Eisele, Prof. Dörte Gatermann, Prof. Ulrike Lauber, Dieter von Lüpke, Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Jürgen Hupe, Edwin Schwarz, Volker Stein, Klaus Vowinkel, Ulrich Baier

Wegweisend
Anstelle des Technischen Rathauses wird die Frankfurter Altstadt wieder belebt

Das Zukunftsvisionen schnell sehr alt aussehen können, der Blick in die Vergangenheit aber zukunftsträchtig sein kann, lässt sich derzeit in Frankfurt lernen. Es geht um das Technische Rathaus: Was einst als ein Bau der Moderne antrat, firmierte bald unter dem kleinsten gemeinsamen Nenner der „Nachkriegsbausünde“. Das sahen auch die Stadtverordneten so und schlossen einen Umbau des teilweise asbestbelasteten Gebäudes aus.

Bei dem Ideenwettbewerb für eine Neugestaltung des Geländes ging es denn auch weniger um den großen architektonischen Wurf als um eine dem historischen Umfeld gemäße Interpretation. Das heißt konkret: Die im Zweiten Weltkrieg untergegangenen Altstadt wird zumindest in ihren Wegebeziehungen wieder erlebbar, vor allem der historische Krönungsweg zwischen Römer und Dom, für den sogar eine Ebene der Tiefgarage verändert werden soll.

Das leistet der Siegerentwurf des Frankfurter Büros KSP Engel und Zimmermann. Buchstäblich wegweisend wird hier das System altstädtischer Passagen in Nord-Süd-Richtung wie selbstverständlich ergänzt, Gassen und Plätze wie die Mörsergasse oder der Hühnermarkt werden wieder zum Leben erweckt. Der zweite Preis des Wettbewerbs, den das Kasseler Büro ANP betreute, ging an die Frankfurter Projektgruppe Architektur und Städtebau, Prof. Jochem Jourdan und Bernhard Müller. Den dritten Platz belegte das Darmstädter Architekturbüro Kramm & Strigl.

Der KSP-Entwurf für das kleinteilige Quartier mit fünfgeschossigen Häusern, Durchgängen und Plätzen sieht einen quer zu den Nord-Süd-Passagen verlaufenden Krönungsweg vor. Vorteil: Der Domturm ist von Westen aus gut sichtbar. Doch die Preisrichter diskutierten diesen Punkt kontrovers: Die Haupteingänge des Doms liegen auf der Nordseite, und historisch gesehen kannte man hier eher eine enge bauliche Fassung des Doms. Deshalb empfahl das Preisgericht letztlich auch, den Krönungsweg in seiner ursprünglichen Lage zu erhalten. Eine Überprüfung wurde ebenfalls für die vorgeschlagenen Dachformen, die spitzwinkelige Eingangssituation vom Römerberg zum Krönungsweg und die gläserne Abdeckung für den Historischen Garten angemahnt.

Da sieben Bauabschnitte und verschiedene Bauherren und Architekten zu erwarten sind, wurden dagegen die variabel gegliederten Baufelder sehr positiv aufgenommen. Für das Nutzungskonzept, das eine Mischung aus einem Hotel, Wohnungen, Büros, Einzelhandels- und Gastronomieflächen sowie Platz für die Zentrale der Stadtbibliothek vorsieht (letzteres scheint an der Bruttogeschossfläche des Hauses über dem Historischen Garten zu scheitern), besitzen vor allem die quadratischen Häuserblöcke an der Braubachstraße, die sich U-förmig ins Innere des Quartiers öffnen, ein hohes Maß an Flexibilität.

Das Frankfurt nicht monumental in die Höhe baut, sondern sich seiner geschichtlichen Gewachsenheit besinnt, könnte, wie es sich der Preisgerichtsvorsitzende Prof. Arno Lederer für das ganze Projekt erhofft, „Atmosphäre entstehen“ lassen. Und das wäre für die Frankfurter mit Sicherheit zukunftsfähig.