Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Präsentations- und Verkaufspavillon am Rhein in Wiesbaden-Biebrich

Preisträger

1. Preis: Zaeske + Maul Architekten BDA, Wiesbaden

Hans Maul, Wolfgang Zaeske
Mitarbeit: Marcello Chiaramonte, Franziska Guckes

2. Preis: Lorber + Paul Architekten, Köln

Gert Lorber, Annette Paul
Mitarbeit: Vera Hermanns, Sarah Gräfer, Marcus Wagner

3. Preis: schneberger architekten, Mainz

Stefan Schneberger

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 19.09.2005
Ort Wiesbaden-Biebrich
Auslober Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG, Köln
Betreuung Wohnungsamt der Stadt Wiesbaden, Projektleitung Stadterneuerung „Soziale Stadt“ Biebrich-Süd-Ost
Preisrichter Prof. Benita von Perbandt (Vorsitz), Prof. Dr. Dietrich-Wilhelm Dreysse, Gabriele Kotzke, Hans Vollmar, Norbert Schmitz, Prof. Dr. Joachim Pös, Wolfgang Hessenauer

Plateau-Pavillon für die Promenade
Wettbewerb fürs Wiesbadener Rheinufer entschieden

Ein Architektenwettbewerb für einen Verkaufspavillon? Ist das nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Ganz sicher nicht, wenn es sich um einen exponierten Ort handelt. So wie in Wiesbaden-Biebrich. Dort soll ein neuer Präsentations- und Verkaufspavillon in prominenter Lage entstehen: direkt am Rheinufer, an einer der wenigen Stellen, an dem die nichtindustriellen Teile der Stadt bzw. des Stadtteils Biebrich unmittelbar an den Fluss heranreichen. Hier legen die Schiffe der Köln-Düsseldorfer Linie an, um Passagiere mit auf eine der schönsten Schiffsrouten – durch den Rheingau Richtung Koblenz – zu nehmen, hier befindet sich eine zentrale Bushaltestelle für Besucher des Biebricher Schlosses und des Parks, und hier lockt die zwar kurze, dafür aber schön inszenierte Uferpromenade (sowie eine der besten Eisdielen Wiesbadens). Hinzu kommt: Das Gebiet um das dortige Zollamt herum mit seinen Lagerhallen wird im Rahmen des Stadterneuerungsprojektes ‚Soziale Stadt’ Biebrich Süd-Ost neu gestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Grund genug also, um mithilfe eines Wettbewerbs eine optimalen Lösung zu finden.

Sieben Architekturbüros aus dem Rhein-Main-Gebiet und Köln waren von der auslobenden Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG eingeladen, die Nase vorne hatte ein Büro aus der hessischen Landeshauptstadt. Das Preisgericht unter Vorsitz der Architektin und Stadtplanerin Prof. Benita von Perbandt entschied sich einstimmig für Zaeske + Maul Architekten, die sich mit ihrer modernen, eher nüchternen Variante gegen den wellenförmig konzipierten Bau der zweitplatzierten Kölner Architekten Lorber und Paul durchsetzten. Hier war vor allem die wenig funktionale Raumaufteilung ein Manko. Auf den dritten Platz kam das Mainzer Büro schneberger architekten – mit einem klaren, einfachen Gebäude, das für sich überzeugt, jedoch zu wenig Standortgebundenheit aufweist.

Durch eine besondere städtebauliche Konzeption glänzt hingegen der Siegerentwurf. Zum einen stellt er einen modernen Kontrast zum historischen Pegel-Turm her. Zum anderen hebt er den Weg von der viel befahrenen Rheingaustraße, die entlang des Ufers verläuft, gestalterisch hervor und führt zu einem durch Bodenmaterialen betonten Plateau, das die Umrisse des leichten, schwebenden Daches des neuen Pavillons spiegelt. Das Dach wiederum verbindet zwei unterschiedliche Baukörper – der eine geschlossen, der andere transparent –, in denen auf ausreichend großen Flächen die Verkaufsräume der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt AG und der Schifffahrtslinie Primus sowie die Präsentationsräume des Wiesbadener Touristik-Services untergebracht sind. Die Wege der Besucher werden wie selbstverständlich von den Verkaufsschaltern zum Pegel und zum Ufer geführt.

Kritik zogen allein die ausgewählten Materialien und die großflächigen Ganzglasscheiben auf sich. Bei letzteren befürchtete das Preisgericht vor allem hohe Unterhaltungskosten aufgrund von Vandalismus. Nachbesserungen wurden auch hinsichtlich des Sichtschutzes der Mitarbeiter angemahnt bzw. umgekehrt die mangelnde Sicht für den Kioskbetreiber auf die Schiffsanlegestelle moniert. Wenn dann schließlich noch der endgültige Entwurf einen Hinweis auf die Route der Industriekultur beinhaltet, für die der Pegel am Rheinufer einen Orientierungspunkt darstellt, dann erhält, so die Einschätzung der Preisrichter, die Rheinpromenade den gewünschten (weiteren) Ort mit hoher Aufenthaltsqualität.