Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Stadtteileingang Galluswarte, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Scheffler+Partner Architekten, Frankfurt/Main

€ 10.000

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Brigitte Scheffler
Mitarbeit: Alexia Bamberg, Kai Messing, David Oldenburg
Fachberater: Kress & Adams Atelier für Tages Kunstlichtplanung, Köln
Bauer Landschaftsarchitekten (Freianlagen), Karlsruhe

2. Preis: Landes & Partner Architekten, Frankfurt/Main

€ 5.500

Michael A. Landes
Mitarbeit: Sebastiano Bertino, Eleonore Gotting
Fachberater: Arup GmbH, Paula Longato (Lichtplanung), Berlin

3. Preis: woernerundpartner planungsgesellschaft, Frankfurt/Main mit B.A.S Büro für Architektur+Stadt, Frankfurt/Main

€ 2.500

Stefan Traxler, Dorothee Stürmer
Mitarbeit: Sebastian Pfau, Björn Bischoff, Christine Althenn, Kaweh Kristian Ebrahimi, Felix Becker, Eva Lechermann
Fachberater: CONCEPTLICHT GmbH, Helmut Angerer, Traunreut (Lichtplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger freiraumplanerischer und hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit Ideenteil in Form eines nicht offenen Wettbewerbs mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 27.09.2011
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt am Main
Betreuung Büro Kristina Esser, Frankfurt/Main Kokon GmbH, Frankfurt am Main
Preisrichter Dierk Hausmann, Stefan Jäckel, Claudia Meixner, Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Prof. Hinnerk Wehberg, Adelgard Weyell, Dieter von Lüpke, Thomas Kirchner, Uli Baier, Gregor Amann, Hanne Emrich

Sympathische Zurückhaltung
Realisierungswettbewerb mit Ideenteil Stadtteileingang Galluswarte Frankfurt am Main

Mehr als 550 Jahre hat die Galluswarte in Frankfurt am Main auf dem Buckel. Das mittelalterliche Wahrzeichen des Stadtteils Gallus fristet jedoch sein Dasein an einem unwirtlichen Ort – steht es doch auf einer Verkehrinsel, umtost vom sechsspurigen Verkehr, umgeben von Überführung, Unterführung und Straßenbahnspuren. In den 1950er Jahren hatte der ehemalige Wachturm zudem einen Anbau mit Trinkhalle, Kiosk und Toiletten erhalten. Nun soll die Galluswarte zu einem echten Stadtteileingang aufgewertet werden.

Der dafür durchgeführte EU-weite nichtoffene Realisierungswettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main in Abstimmung mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen ausgelobt und von der  Frankfurter KOKON GmbH betreut. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Franz Pesch beurteilte 14 eingereichte Entwürfe und vergab den ersten, zweiten und dritten Preis jeweils an Frankfurter Architekten. Den ersten Preis erhielt die Arbeit von Scheffler + Partner Architekten, der zweite Preis ging an Landes & Partner Architekten und Preis drei an woernerundpartner planungsgesellschaft mit B.A.S Büro für Architektur + Stadt.

Dem einstimmig mit dem ersten Preis prämierten Entwurf attestierten die Preisrichter eine „sympathische Zurückhaltung“, durch die die Situation insgesamt aufgewertet werde. Die Verfasser schlagen ein ausgedehntes, einheitliches Pflaster mit strukturierenden, vertikalen Elementen und eine ausgeklügelte Beleuchtung vor, die die Warte optisch zusammenbringen soll. Rote, nachts leuchtende Brückenbänder sollen die Eisenbahnbrücke zur Verkehrsskulptur aufwerten. Scheffler und Partner erhalten den 1950er-Jahre-Anbau zum größten Teil, schaffen aber durch die Verlegung der Toiletten Raum für ein Café oder Ausstellungen. Der bestehende Hof soll vergrößert und durch eine Glaswand einsehbar gemacht werden. Nach Ansicht des Preisgerichts erzeuge die vorgeschlagene Platzgestaltung eine „positive Stimmung im öffentlichen Raum“.

Das Konzept der zweitplatzierten Arbeit überzeuge die Preisrichter durch „Unaufwendigkeit, Praktikabilität und sensiblen Umgang mit dem Vorhandenen“. Um die Galluswarte mit der Bahnüberführung zu verbinden, führen Landes & Partner die Alleebäume der Mainzer Landstraße bis zum Rande der Unterführung fort und verlängern die Achse durch optische Effekte unterhalb der Brücke. Für den Anbau schlagen sie zunächst den Erhalt vor, legen aber gleichzeitig einen Entwurf für einen späteren Neubau an gleicher Stelle vor. Dieser orientiere sich „in der Kubatur freischöpferisch am spätmittelalterlichen Erscheinungsbild der Galluswarte“, so die Preisrichter, erscheine aber zu monumental in Bezug auf den feingliedrigen Wachturm.

Den mit dem dritten Preis prämierten Entwurf von woernerundpartner planungsgesellschaft mit B.A.S Büro für Architektur + Stadt bewertete das Preisgericht als „spektakulär, aber aufwändig“. Er sei einer der wenigen, dem es gelinge, den Bereich der Überführung und der Galluswarte mit einer baulichen und räumlichen Struktur zusammenzubringen. Plastische Gebäudeteile an der westlichen Spitze der Verkehrsinsel erzeugten ein „sehr harmonisches, zeitgenössisches Ensemble mit der Warte“; die ebenfalls aus einer Wellenstruktur gebildeten Wartehallenüberdachungen unter der Überführung  empfanden die Preisrichter jedoch als Fremdkörper. Ebenfalls ambivalent bewerteten die Preisrichter die Gestaltung und Begehbarkeit der „plastischen Landschaftsplatte“.

Auch wenn mit der Umgestaltung der Verkehr rund um die Galluswarte kaum abnehmen dürfte, so erhoffen sich die Auslober, dass der Ort dem Denkmal des Wachturms und der Funktion als repräsentativer Stadtteileingang gerechter wird. Die Preisrichter empfahlen, dem Wettbewerbsergebnis Raum für eine öffentliche Diskussion zu geben und anschließend die Verhandlungsgespräche mit den Preisträgern zu führen.