Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Öffentlicher Raum Innenstadt Baunatal

Preisträger

1. Preis: club L94 Landschaftsarchitekten GmbH, Köln

€ 12.000

Frank Lohr, Jörg Homann, Götz Klose, Burkhard Wegener
Mitarbeit: Heike Plagmann, Nina Rohde, Eva Schiemann

2. Preis: Michael Herz (foundation 5+ landschaftsarchitekten), Kassel

€ 9.000

Mitarbeit: Heinz-Jürgen Achterberg, Yunbo Yang, Felicia Fölsch
Fachberater: Jochen Lochner Lichtdesign,
Jochen Lochner, Berlin

3. Preis: SIMONS & HINZE GbR Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 6.000

Thorsten Hinze, Paul Simons
Mitarbeit: Björn Kallinowski, Frank Helmke, Christoph Schikora, Rui Vilela

4. Preis: Irene Lohaus Peter Carl Landschaftsarchitektur, Hannover

€ 3.500

Mitarbeit: Bodo Schulze, Erik Lorenz, Philipp Hübner

Fachberater: RTW Architekten, Peter Teicher, Hannover

Anerkennung: bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin

€ 2.500

Ulrike Böhm, Katja Benfer, Cyrus Zahiri
Mitarbeit: Daniel Venneman, Rita Leal, Tim Wildner, Kerstin Paul, Jana Mackert

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Realisierungswettbewerb mit Ideenteil in Form eines nichtoffenen Wettbewerbs gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 16.11.2011
Ort Baunatal
Auslober Stadt Baunatal
Betreuung Junker und Kruse Stadtforschung œ Planung, Dortmund scheuvens + wachten Architekten und Stadtplaner, Dortmund
Preisrichter Angela Bezzenberger, Prof. Gerd Aufmkolk (Vorsitz), Monika Steinkemper, Silke Engler-Kurz, Carmen Kipping

Ein „grüner Ring“ für Baunatal

Wettbewerb „Zentrum Baunatal – Freiraumplanerischer Wettbewerb“

 

Die Stadt Baunatal mit ihren rund 28.000 Einwohnern grenzt an den südwestlichen Rand Kassels und ist noch keine 60 Jahre alt. Ihre Entwicklung ist eng gekoppelt an die Ansiedlung der VW-Werke im Jahr 1959. Erst 1966 schlossen sich die Gemeinde Großenritte und die Gemeinde Baunatal mit den Ortsteilen Altenbauna, Kirchbauna und Altenritte zur Stadt Baunatal zusammen. Der Bau des städtischen Geschäftszentrums in den 1960er und 1970er Jahren stand im Zeichen der damals üblichen autogerechten Innenstadt; die Wegeführung durchs Zentrum ist – ebenfalls charakteristisch für die Entstehungszeit – stark verschachtelt. 

 

Für die längst fällige Umgestaltung ihrer überholten und wenig repräsentative Mitte lobte die Stadt nun einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil aus, den die Dortmunder Büros Junker und Kruse Stadtforschung • Planung sowie scheuvens + wachten Architekten und Stadtplaner betreuten. Großen Wert legten die Auslober auf die Meinung der Baunataler. Sie wollten daher eine Bürgerbeteiligung nicht nur im Vorfeld des Wettbewerbs durchführen, sondern auch unmittelbar in das Verfahren integrieren. Hierfür bedurfte es einer besonders intensiven Vorbereitung. An den Beratungen, wie das Projekt mit Bürgerbeteiligung durchgeführt werden könne, nahmen seitens der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Wettbewerbe und Hans-Uwe Schultze, stellvertretender Vorsitzender des Landeswettbewerbs- und Vergabeausschusses teil.

 

Die Bürger erhielten noch vor der Sitzung des Preisgerichts und unter Ausschluss desselben in einer Bürgerversammlung Einblicke in die Ergebnisse des Wettbewerbs. Die Arbeiten wurden ausführlich vorgestellt und erläutert. Die anwesenden Baunataler konnten über die neun eingereichten Entwürfe mit einem „gefällt mir“, „gefällt mir nicht“ urteilen und Anregungen abgeben. Diese Meinungen und Anregungen erhielten die Preisrichter in zusammengefasster Form. Das Preisgericht unter Vorsitz des Landschaftsarchitekten Prof. Gerd Aufmkolk nutzte zudem die Gelegenheit, sich vor der Urteilsfindung in einem Rundgang durch die Innenstadt ein persönliches Bild vom Wettbewerbsgebiet zu machen. 

 

Bei der Vergabe des ersten Preises entschieden sich die Preisrichter mit einem einstimmigen Votum für die Arbeit der Kölner club L94 Landschaftsarchitekten. Deren Vorschlag leiste einen „entschiedenen Beitrag zur Entwicklung der Stadt Baunatal in Form einer großen Vision der künftigen städtebaulichen Ausprägung der Innenstadt“, so das Preisgericht. Die Verfasser schlagen bauliche Ergänzungen und Verdichtungen an den Rändern, Grünflächen an den wichtigsten Zugängen sowie einen „grünen Ring“ – eine doppelte Baumreihe rund um die Innenstadt vor. Das gesamte Zentrum soll einen einheitlichen Bodenbelag mit wechselndem Format und leicht differenzierenden Grau- oder Beigetönen erhalten. 

 

Auf dem zweiten Platz landete Michael Herz von foundation 5+ landschaftsarchitekten Kassel. Hier lobte das Preisgericht den „Ordnungswillen“, der sich in einem „grünen Ring, klar definierten Zugängen und stringenter Wegeführung im Inneren“ äußere. Der durchgängige Belag des Marktplatzes fand Anklang bei den Preisrichtern, sie hinterfragten jedoch das auf dem Platz angedachte Holzpodest.

 

SIMONS & HINZE Landschaftsarchitekten aus Berlin schlagen eine akzentuierte Diagonalverbindung durch die Stadtmitte vor. Für diese Idee erhielten sie vom Preisgericht den dritten Preis. Das Preisgericht vermisste jedoch aussagekräftige Vorschläge in den weiteren Bereichen der Innenstadt. 


Platz vier ging an Irene Lohaus Peter Carl Landschaftsarchitektur aus Hannover, deren Arbeit durch die großzügige Gliederung des Quartiers mit klaren Wegeführungen, Baumreihen und dazugehörigem Lichtkonzept gefiel. Nicht überzeugt zeigten sich die Preisrichter jedoch von der Gestaltung des Marktplatzes.


Das Preisgericht empfahl, den ersten Preis, dessen Vorschläge aus dem Ideenteil auf 15 bis 20 Jahre angelegt sind, weiter zu verfolgen. Schneller verwirklicht werden soll der Realisierungsteil für die Umgestaltung des Marktplatzes – sie ist für 2014 terminiert.

Katja Klenz