Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Freizeitanlage „Familien-Wellness-Zentrum am Silbersee“, Frielendorf

Preisträger

1. Preis: Prof. Hans Nickl + Prof. Christine Nickl-Weller, München

€ 12.000

Mitarbeit: Stephan Beerwerth, Birte Boettger
mit Michael Lennartz (Landschaftsarchitekt), Bodenheim

2. Preis: Architekten Venneberg & Zech, Hannover

€ 9.000

Ulrich Zech
Mitarbeit: Olaf Grünzel, Imke Rabe
mit Walter Jöris, Büro Grünplan, Hannover
Haustechnik/Wasseraufbereitung: Planungsgruppe VA, Hannover

3. Preis: löhle neubauer architekten BDA, Augsburg

€ 6.000

Rainer Löhle, Regine Neubauer
Mitarbeit: Christian Moosbichler, Sebastian Inhofer, Joachim Müller
mit: Beate Benz, Magdeburg (Landschaftsarchitektin)
Tragwerksplanung: Furche + Zimmermann, Köngen
Prof. Furche, Prof. Zimmermann
Haustechnik: IB Hausladen, Kirchheim/München
Josef Bauer

Ankauf: Dma deckert mester architekten, Erfurt

€ 3.000

Prof. Joachim Deckert, Rainer Mester
Mitarbeit: Friederike Hanke
mit Plan 3, Erfurt (Landschaftsarchitekt)
Stefan Dittrich, Matthias Luz
Haustechnik: IBH Hirsch, Erfurt
Statik: IB Bock, Berlin
Modellbau: Objects, Erfurt
Lars Bucki

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren und 3 Zuladungen
Preisgerichtssitzung 16.12.2005
Ort Frielendorf
Auslober Gemeinde Frielendorf
Betreuung ANP Architektur + Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Matthias Burkhart (Vorsitz), Petra Bittkau, Prof. Zvonko Turkali, Prof. Wolfgang Schulze, Birger Fey, Heinrich Hahn, Heinrich Schneider

Ein Schmuckstück für den Schatz
Frielendorf bekommt ein Familien-Wellness-Zentrum am Silbersee

Zuletzt kannte man das Phänomen vor allem aus dem Osten Deutschlands: Die Krater- und Mondlandschaften, die der Berg- und Tagebau hinterlassen hatte, wurden rekultiviert, die Natur kam wieder zu ihrem Recht.In Hessen hat das auch so manche Gemeinde im Kleinen miterlebt. Frielendorf etwa. Dort ging es in den Sechzigern nach 150 Jahren mit den Braunkohlezechen („Hassia-Briketts“) zu Ende. Das heute 8.500 Einwohner zählende Städtchen nutzte damals seine Chance: Ein Tagebaurestloch mauserte sich zum Silbersee. Ein passender Name, denn wie bei Karl May gibt es dort einen Schatz – in Frielendorf heißt er Tourismus.

Demnächst könnte noch ein weiteres Schmuckstück dazukommen. Denn im Ferienwohnpark am Silbersee mit seinen 136 Wohneinheiten soll ein Familien-Wellness-Zentrum entstehen. Die Gemeinde hat dazu einen vom Kasseler Büro ANP betreuten Realisierungswettbewerb ausgelobt.Das Ergebnis: Der erste Preis geht an die Münchener Architekten Prof. Nickl und Prof. Nickl-Weller in Zusammenarbeit mit dem Bodenheimer Landschaftsarchitekten Michael Lennartz. Mit ihrem modernen Gebäude mit einem markanten, großzügigen Dach behaupteten sie sich vor den Hannoveraner Architekten Venneberg & Zech in Zusammenarbeit mit Büro Grünplan (Hannover). Deren Entwurf einer vollständig verglasten Hall überzeugte, doch monierten die Preisrichter, dass gerade die wenig ortsbezogene Architektursprache fast austauschbar wirke. Der dritte Preis ging an löhle neubauer architekten aus Augsburg in Zusammenarbeit mit der Landschaftsarchitektin Beate Benz aus Magdeburg.

Den Ausschlag für den bayerischen Beitrag gab bei den Preisrichtern vor allem die Kombination aus klarer innerer Strukturierung und einem spielerischen Umgang mit der Umgebung: So führt das Gebäude die topografischen Gegebenheiten fort, nutzt geschickt die Hanglage, lässt mit dem gefalteten Dach Assoziationen in Richtung eines natürlichen Blätterdaches zu und greift mit schlanken und schräg stehenden Stahlstützen die vorhandene Baumstruktur auf.

Auch der See ist immer mit einbezogen. Vom Eingang aus überblickt man die zweigeschossige Badelandschaft bis hin zum See. Eine große Badeplatte mit drei Becken ragt in ihrer Verlängerung als Sonnenterrasse über den See hinaus. Und auch der Saunabereich hat einen eigenen Zugang zum See. Hier setzt sich zudem der spielerische Ansatz fort: Mit minimalen gestalterischen Elementen entstehen unterschiedliche Freiräume, die jedoch alle mit dem Seeufer harmonieren.

Auf der Minusseite verbuchten die Preisrichter jedoch funktionale Schwächen, angefangen von der fehlenden, aber notwendigen WC-Anlage im Wellnessbereich bis hin zur Gastronomie, die noch nicht optimiert ist. Auch die transparente Fassade sollte auf mögliche Überhitzungen überprüft werden, schrieben die Preisrichter den Siegern ins Aufgabenbuch. Die familienorientierte Fremdenverkehrsphilosophie der Frielendorfer setzt auf aktiven Erlebnisurlaub – und mit der gelungenen Verbindung von Sauna, Wellnessbereich und Schwimmhalle entspricht der Entwurf dieser letztlich allemal.