Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Ausbau Flughafen Frankfurt/Main - Terminal 3, 2. Stufe

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Stufe 2 eines zweistufigen Realisierungswettbewerbs. Nach Abschluss des Ideenteils in der Stufe 1 des Wettbewerbs folgt nun in der Stufe 2 ein kooperatives und beschränktes Wettbewerbsverfahren. Zweite Stufe: Aufgabe ist die entwurfliche Durcharbeitung der Passagierabfertigungsanlage auf Basis des in Stufe 1 als Ergebnis festgelegten städtebaulichen Konzeptes. Der Auslober hat aus der Empfehlung des Preisgerichts dreier gleichwertiger Preisträger der 2. Preisgruppe den Entwurf von Foster and Partners als Grundlage der weiteren Bearbeitung und damit der Stufe 2 des Wettbewerbs ausgewählt und festgelegt. Die mit Preisen bzw. Ankäufen prämierten Büros der Stufe 1, Phase 2 wurden für die weitere Bearbeitung der Stufe 2 eingeladen.
Preisgerichtssitzung 19.05.2005
Ort Frankfurt/Main
Auslober Fraport AG, Frankfurt am Main
Betreuung Immobilien und Facility Management, Frankfurt / Drees & Sommer GmbH, Stuttgart
Preisrichter Prof. Klaus Humpert (Vorsitz), Prof. Hans-Busso von Busse, Prof. Gesine Weinmiller, Prof. Roger Riewe, Prof. Kees Christiaanse, Prof. Christoph Sattler, Prof. Roland Burgard, Prof. Hildebrand Machleidt, Prof. Barbara Jakubeit, Prof. Manfred Schölch, Prof. Stefan Schulte, Volker Zintel, Peter Fröhlich, Roland Recebs, Dieter von Lüpke, Dr. Karl-Rudolf Rupprecht, Martin Gaebges

Alles fliegt
Christoph Mäckler gewinnt Wettbewerb für Terminal 3 des Frankfurter Flughafens

Vier gewinnt – das stand schon vor dem Realisierungswettbewerb für Terminal 3 des Frankfurter Flughafens fest. Denn der dritten und letzten Phase des Wettbewerbs um den Bau eines weiteren Fluggastgebäudes lag der Footprint Sir Norman Fosters zugrunde – ein Terminalgebäude mit vier abgespreizten Pierfingern. Enge Rahmenbedingungen, wie der Preisgerichtssvorsitzende Klaus Humpert betonte, die nichtsdestotrotz eine große Vielfalt an Ideen zeitigten.

Zum Beispiel eine kühn geschwungene, allerdings auch kostspielige Dachkonstruktion, die aus der Feder des Büros von Gerkan, Marg & Partner stammt und die mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Oder die Idee eines Flughafens im Wald, mit der Sir Norman Foster in seine eigenen Fußstapfen tritt – Platz zwei. Und schließlich Platz eins: Bei seinem Entwurf trumpft der Frankfurter Christoph Mäckler vor allem mit Funktionalität und Flexibilität auf – und bleibt als einer der wenigen im Kostenrahmen. Der beläuft sich auf 900 Millionen Euro allein für das viergeschossige Gebäude. Hinzu kommen für die auslobende Fraport noch einmal rund 115 Millionen für technische Systeme wie Gepäckförderanlage oder den Ausbau der Hochbahn „Sky Line“, die bislang Terminal 1 und 2 verbindet.

Doch die Wirtschaftlichkeit allein war nicht dafür ausschlaggebend, dass 14 der 17 Preisrichter für den Entwurf votierten – die Bauherren sogar einstimmig: Im Mittelpunkt des Konzepts steht die helle Eingangshalle aus Glas und Stahl, die mit einer Gitterrostkonstruktion überdacht ist. Hier wurde jedoch seitens der Preisrichter der gestalterische Ansatz durchaus kontrovers diskutiert – nämlich die Anklänge an die Formensprache von Mies van der Rohe, an die Neue Nationalgalerie. Es sei allerdings keine „Retroarchitektur“, so Klaus Humpert.

25 Millionen Passagiere jährlich werden durch diese Halle geschleust, an 175 Schaltern können sie einchecken. Es folgt verjüngt die Sicherheits- und Kontrollzone, ehe sich der Bau wieder weitet: Zu einer Markthalle mit Geschäften, Gastronomie und der Anbindung an die vier unterschiedlich langen Flugsteige. Auch hier verzeichneten die Preisrichter positiv eine interne Stimmigkeit mit deutlich getrennten Funktionen und eindeutigen Passagierprozessen.

Da der Zeitplan für das Terminal 3 bis 2015 angesetzt ist – zunächst muss die geplante Landebahn im Nordwesten realisiert werden, dann beginnt im Abstand von ein, zwei Jahren die Arbeit an der ersten von drei Ausbaustufen am Terminal – stand auch eine abschnittsweise Realisierbarkeit im Mittelpunkt. Auch hier hat der Siegerentwurf klare Stärken. Modular konzipiert, lässt sich die Planung zudem etwaigen Veränderungen leicht anpassen – Sicherheitsbestimmungen werden beispielsweise verschärft, neue Flugzeugtypen entstehen, die insgesamt 82 Millionen Passagiere pro Jahr haben immer höhere Ansprüche. Deshalb ist Christoph Mäcklers Vorstellung die eines „wachsenden Terminals“. Mit anderen Worten: Auch wenn Terminal 3 eher auf dem Boden der Tatsachen bleiben wird, für Frankfurt gilt - alles fliegt.