Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Städtebaulicher Wettbewerb Groß-Umstadt

Preisträger

1. Preis - Baugebiet „Auf dem Steinborn“: Joachim Klie (AG 5 Dipl.-Ing. Architekten), Darmstadt

€ 10.000

 

 

3. Preis - Baugebiet „Auf dem Steinborn“: Uwe Hoffmann, Groß-Zimmern

€ 5.500

Mitarbeit: Kai-Oliver Heintz, Daniel Bauer, Joachim Göringer

3. Preis - Baugebiet „Auf dem Steinborn“: Planungsteam-HRS mit m3baukunst Bernd Freihaut + Stadtplaner, Darmstadt

€ 5.500

Detlef Siebert, Bernd Freihaut

1. Preis – Baugebiet „Am Umstädter Bruch“: Uwe Hoffmann, Groß-Zimmern

€ 10.000

Mitarbeit: Kai-Oliver Heintz, Daniel Bauer, Joachim Göringer

2. Preis – Baugebiet „Am Umstädter Bruch“: Michael Schauss (Eichler und Schauss Architekten und Stadtplaner), Darmstadt

€ 7.000
Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Preisgerichtssitzung 19.03.2013
Ort Groß-Umstadt
Auslober HSE AG, Darmstadt
Betreuung Stadt Groß-Umstadt, Fachbereich Planen, Bauen, Umwelt mit Pahl + Weber-Pahl Architekten, Darmstadt
Preisrichter Prof. Burkhard Pahl (Vorsitz), Paul Heiliger, Prof. Kerstin Schultz, Joachim Ruppert, Norbert Joisten

Ideen für zwei Wohngebiete

Städtebaulicher Wettbewerb Groß-Umstadt: "Am Umstädter Bruch" und "Auf dem Steinborn"

In Südhessen boomt der Siedlungsbau, doch bisher profitiert Groß-Umstadt nicht von diesem Aufschwung, da sich die Entwicklung eines geplanten Neubau-Großprojekts sehr zeitaufwändig gestaltet. Damit die bestehende Nachfrage kurzfristiger erfüllt werden und Groß-Umstadt sich doch noch den Ansiedlungsboom zunutze machen kann, hat die Stadt nun zwei Baugebiete ausgewiesen. Das Gebiet „Auf dem Steinborn“, ein Grundstück am Hang, liegt zwischen der Altstadt und dem Zentrum für seelische Gesundheit der Kreisklinik. Beim Gelände „Am Umstädter Bruch“ handelt es sich um ein dreieckiges, als Acker genutztes Gebiet, das an eine bestehende Siedlung grenzt und dessen Bebauung eine Lücke im vorhandenen Siedlungsgefüge schließen würde.

Die Entwicklung der Baugebiete liegt bei dem Energie- und Versorgungskonzern
HSE. Teil der Vereinbarung mit der Stadt war die Auslobung eines städtebaulichen Wettbewerbes für beide Gebiete. In die Wettbewerbsvorgaben flossen unter anderem die Ergebnisse einer Bedarfsanalyse zu den gewünschten Wohnformen ein. Die Resultate des Wettbewerbs, bei dem die Teilnehmer jeweils einen Vorschlag für jedes der beiden Baugebiete einreichten, lagen nun dem Preisgericht unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Prof. Burkhard Pahl vor.

Beim Areal „Auf dem Steinborn“ setzte sich das Darmstädter Büro AG 5 Dipl.-Ing. Architekten durch. Ihr erstplatzierter Entwurf sieht neben Einfamilienhäusern auch Mehrfamilienhäuser vor, die parallel zum Hang angeordnet sind und sich maßstäblich an den Kubaturen der Krankenhausbauten orientieren. Die Preisrichter lobten das städtebauliche Konzept mit seiner „klaren Zuordnung der geforderten Bauformen zu Topografie und Grünräumen“, die „Durchlässigkeit hinsichtlich der Blickbeziehungen“ sowie die hohe Qualität der Wegebeziehungen und der öffentlichen und halböffentlichen Räume. Potential sahen die Preisrichter noch in der Bebauungsdichte – die Entwurfsverfasser haben 88 Wohneinheiten auf dem Areal vorgesehen.

Jeweils ein dritter Preis ging an das Darmstädter Planungsteam HRS mit m3baukunst Bernd Freihaut und an das Planungsbüro für Städtebau aus Groß-
Zimmern. Erstere schlagen eine komplette Nord-Südverbindung mit dem „Charakter einer ‚Dorfstraße‘“ vor und eine verdichtete Bebauung aus Mehrfamilienhäusern mit Wohnhofcharakter sowie Einfamilien- und Doppelhäusern mit Satteldächern. Die Leitidee vom Planungsbüro für Städtebau steht unter dem Motto „Stadtbalkon, Wohnen mit historischer Weitsicht“. Verkehrsfreie Haltepunkte und Ruhebereiche seien „interessant und (fast zufällig) angeordnet“ und die Qualität des Freiraumkonzepts sei nicht nur für die zukünftigen Bewohner attraktiv, so die Preisrichter. Die unterschiedlichen Haustypen wirkten zwar „recht beliebig“ über das Gebiet verteilt, dies eröffne aber „die Möglichkeit einer vielfältigen sozialen Durchmischung“.

Den ersten Preis erhielt das Planungsbüro für Städtebau zudem für das Areal
„Am Umstädter Bruch“.

Hier entschieden sich die Preisrichter für die Vergabe eines zweiten Preises an
Eichler und Schauss Architekten und Stadtplaner sowie eines dritten Preises an
WerkStadt Architekten und Stadtplaner, beide aus Darmstadt. Die Preisrichter würdigten den „eigenständigen Ansatz“ der erstplatzierten Arbeit und lobten die Erschließungs- und Verkehrsführungen sowie die „gut durchdachte“ bauliche Verdichtung und Anordnung der – eher an klassischen Wohnformen orientierten – 95 Wohneinheiten. Bei der Ausführung der Bautypologien vermissten sie jedoch eine Präzisierung.

Der zweitplatzierte Entwurf präsentiert mehrere über kleine, verkehrsberuhigte
Plätze miteinander verbundene Quartiere. Die Preisrichter beurteilten das Gesamtkonzept als „glaubhaftes und zukunftsorientiertes städtebauliches Bild, zugeschnitten für die gewählte Zielgruppe“. Ihnen fehlte jedoch dieses planerische Niveau bei den gewählten Bauformen.

Auf dem dritten Platz landete der Vorschlag, das Areal nach dem Vorbild des angrenzenden bestehenden Siedlungsgebiets weiterzuentwickeln. Eine Allee, unterbrochen von zwei Plätzen, bildet das Rückgrat der neuen Siedlung. In dem Gebiet sei die vielfältige Entwicklung von Grundstücks- und Haustypen sowie Baustrukturen möglich, so die Preisrichter.

Einstimmig sprach sich das Preisgericht dafür aus, die Verfasser der beiden
mit dem ersten Preis prämierten Entwürfe unter Berücksichtigung der empfohlenen Überarbeitungsaspekte mit der weiteren Bearbeitung zu betrauen. Bessere Aussichten auf eine baldige Entwicklung hat nach Ansicht der HSE aufgrund der Eigentumsverhältnisse und der Topografie das Baugebiet „Am Umstädter Bruch“.

Katja Klenz