Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Besucherinformationszentrum Grube Messel

Preisträger

1. Preis: Zaeske + Maul Architekten, Wiesbaden

€ 20.000

Wolfgang Zaeske, Hans Maul
Mitarbeit: Beate Schwarz, Alla Merlina mit Die Landschaftsarchitekten. Bittkau-Bartfelder + Ingenieure, Wiesbaden
Petra Bittkau, Prof. Dr. Friedrich Bartfelder
Mitarbeit: Kai Müller

2. Preis: Landau + Kindelbacher, München

€ 12.500

Gerhard Landau, Ludwig Kindelbacher
Mitarbeit: Constanze Linne
mit
keller landschaftsarchitekten partnerschaft, München
Regine Keller, Franz Damm
Mitarbeit: Barbara Brenner, Alexander Stark

3. Preis: Hess/Talhof Architekten/Stadtplaner, München

€ 5.000

Thomas Hess, Johannes Talhof
Mitarbeit: Nicola Schick
mit
ver.de landschaftsarchitektur, Freising
Dr. Birgit Kröninger, Jochen Rümpelein, Robert Wenk

3. Preis: Lamott Architekten, Stuttgart

€ 5.000

Prof. Di Ansgar Lamott, Di Caterina Lamott
Mitarbeit: Irene Kaul, Natalia Zabrocka, Felix Yaparsidi, Jessica Stürmer
mit
Topotek 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin
Martin Rein-Cano, Lorenz Dexler
Mitarbeit: Anna Lundquist, Christian Bohne

Ankauf: bogevischs buero hofmann ritzer architekten, München

€ 2.500

Rainer Hofmann, Hans-Peter Ritzer
Mitarbeit: Carolin Stadler, Anorfas Mossbuchner, Mathilde-Yenda Hug, Irina Auernhammer
mit
Herman Salm, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener Wettbewerb als interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungs- und Losverfahren.
Preisgerichtssitzung 30.03.2006
Ort Messel (Hessen)
Auslober Land Hessen
Betreuung Hessisches Baumanagement, Regionalniederlassung Süd, Darmstadt
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Dr. Werner Durth, Marion Hammer-Frommann, Lorenz Kehl, Jórunn Ragnarsdottir, Volker Staab, Gisela Marta Stötzer, Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhardt (teilweise), Alfred Jakoubek (teilweise), Udo W. Henke, Gerd Mangel, Prof. Dr. Fritz F. Steininger, Dr. Ina Busch (später als Vertreter: Prof. Dr. Johanna Ede, Kirsten Worms, Ullrich Pfeiffer)

Ur-Architektur
Ein Besucherinformationszentrum für die Grube Messel

Das Urpferdchen, Doppelhundszahn-Krokodile, fast 50 Millionen Jahre alte Fledermäuse und Vögel: Die Grube Messel bei Darmstadt ist eine paläontologische Goldgrube – und das einzige Weltnaturerbe Deutschlands. Bedenkt man, dass für dieses Pompeij der Paläontologen noch bis in die 90er Jahre Pläne virulent waren, es als Müllkippe zu missbrauchen, so kann man heute froh über ein Umdenken in der Politik sein. Und über das Engagement, Erdgeschichte anschaulich zu machen.

Das ist die Aufgabe des künftigen Besucherinformationszentrums. Baubeginn für das 3,4-Millionen-Euro-Projekt ist 2007, die Eröffnung ist für 2008 geplant. Dort kann man dann Klimawandel und Evolution, Vulkanismus und Regenwald, aber auch jüngste Industriegeschichte erleben – unter anderem in einem Kino, das in dem 740-Quadratmeter-Gebäude neben Bistro und Souvenirladen vorgesehen ist.

Der Realisierungswettbewerb dafür, durchgeführt vom Hessischen Baumanagement Regionalniederlassung Süd, ist entschieden, und passend zum zehnten Jahrestag des Weltnaturerbes Grube Messel übergab der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, den ersten Preis an das Wiesbadener Büro Zaeske + Maul. Dieses hatte sich in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder + Ingenieure gegen über 170 weiteren Büros, die sich an dem internationalen Wettbewerb beteiligt hatten, behauptet.

Einstimmig entschied sich das Preisgericht für einen Entwurf, der auf ein einzelnes, exponiertes Gebäude verzichtet und stattdessen mit seiner amorphen Form die schöne Idee verfolgt, das Übereinanderschieben tektonischer Platten bzw. das Aufbrechen einer tektonischen Platte anklingen zu lassen. Die Preisrichter waren sich der Gratwanderung solcher bildhaften Konzepte bewusst, sahen diese aber als gelungen an.

Der zweite Preis ging das Münchener Büro Landau + Kindelbacher gemeinsam mit keller landschaftsarchitekten, München, die ebenfalls die Topographie und die Schichtung des Ölschiefers aufgreifen. Und die beiden dritten Plätze, die vergeben wurden, gingen an Hess/Talhof Architekten/Stadtplaner (München) mit ver.de Landschaftsarchitektur (Freising) sowie die Stuttgarter Lamott Architekten mit Topotek 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH aus Berlin.

Der Siegerentwurf überzeugte nicht nur durch die innere Struktur, die immer wieder geologische Formationen zitiert, sondern auch durch die tektonisch inspirierten Außenanlagen mit den Themengärten, durch die zwei Wege (der eine öffentlich, der andere kostenpflichtig) sinnfällig führen. So bietet etwa der frei zugängliche Weg, der zur Aussichtsplattform führt, schon erste Einblicke in die Ausstellungsräume, macht neugierig auf die komplexe Struktur, mit der das Innen das Außen spiegelt. Und so wird eine solche Ur-Architektur sicherlich dazu beitragen, die jährliche Besucherzahl von derzeit 60.000 auf geplante 100.000 zu steigern.