Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bebauung am Universitätsplatz in Fulda

Preisträger

1. Preis: Schultze + Schulze, Kassel

€ 8.000

Prof. Wolfgang Schulze, Uwe Schultze
Mitarbeit: Oliver Berger, Alexander Söder

3. Preis: Reith + Wehner Architekten, Fulda

€ 4.500

Manfred Reith, Stefan Wehner
Mitarbeit: Stephan Storch, Matthias Schöner

3. Preis: Neugebauer + Rösch Architekten, Stuttgart

€ 4.500

Sonja Neugebauer, Robert Rösch
Mitarbeit: Andreas Leupold, Felix Stammler

4. Preis: zimmermann + leber architekten, Darmstadt

€ 2.000

Prof. Thomas Zimmermann, Klaus Leber
Mitarbeit: Martina Baumgartner, Stefan Heßling

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 07.06.2006
Ort Fulda
Auslober Q-Park GmbH & Co. KG, NL-Maastricht
Betreuung Böhm Glaab Sandler & Partner, München
Preisrichter Prof. Jochem Jourdan (Vorsitz), Jürgen Rittmannsperger, Cornelia Zuschke, Marc Hermanns, Wim van Vlierden, Wolfgang Röck, Gerhard Möller

Wiederbelebung eines Dreh- und Angelpunkts
Wettbewerb zur Neubebauung des Universitätsplatzes in Fulda entschieden

Mitte Juli dieses Jahres protestierten in Fulda 120 Klinikärzte mit kostenlosen Beratungen und Blutdruckmessen gegen ihre Arbeitbedingungen. Dass das Ganze auf dem zentralen Universitätsplatz stattfand, hatte weniger Symbolgehalt für den Streik als für den Platz selbst. Denn der kann eine „medizinische“ Behandlung allemal vertragen.

Dazu muss man den Flickenteppich aus billigen Betonplatten nicht einmal selbst gesehen haben oder den traurigen Charakter, den die Tiefgarage dem Platz verleiht. Man kann das bereits ganz typischen Formulierungen entnehmen, zu denen man greift, wenn man den Platz beschreiben will. Etwa, dass ein Zusammenspiel von Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen den Platz prägt. Dann ahnt man schon, dass einer historischen Bausubstanz (in diesem Fall unter anderem das barocke Gebäude der Alten Universität, das heute als Grundschule genutzt wird) moderne Visionen zugesellt wurden, die nach kurzer Zeit ziemlich alt aussahen.

Dass solches nicht noch einmal passiert, dafür sollte der von der Q-Park GmbH ausgeschriebene Einladungswettbewerb sorgen. Es ging um den Neubau eines Geschäftshauses an der Ecke des Universitätsplatzes entlang der Rabanusstraße. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jochem Jourdan entschied einstimmig: Der erste Preis ging an das Kasseler Büro Schultze + Schulze. Die beiden dritten Plätze teilten sich Reith + Wehner Architekten aus Fulda, bei dem der großstädtischen Gestus des Entwurfs beeindruckte, aber auch sehr kontrovers diskutiert wurde, und an Neugebauer + Rösch Architekten aus Stuttgart, deren Riegel in den Platz hineinragt bzw. das sich mit einem Foyeranbau an die Festhalle der Alten Universität anbindet.

Beim Siegerentwurf waren sich die Preisrichter vor allem einig, dass es ihm gelingt, den Freiraum zwischen Neubau und dem historischen Gebäude der Dahlbergschule als einheitlichen Raum zu fassen. Die Traufe der Dahlbergschule wird übernommen und dabei akzentuiert. Die Fassade zum Schulhof hin tritt mit ihrer steinernen Lamellenwand nicht in Konkurrenz zur Barockfassade. Eigenständig präsentiert sich das Gebäude zum Universitätsplatz und zur Rabanusstraße hin (Café mit Erker; schöne Ausblicke zum Universitätsplatz, Zugänge von beiden Seiten), und auch die Zufahrt zur Tiefgarage, die künftig über das Gebäude erfolgt, ist gelungen integriert.

Eine gute Aufenthaltsqualität für die Erwachsenen bietet der Entwurf, für die Schüler lässt diese sich hingegen noch optimieren. Bemängelt wurden verschiedene Details wie die Begrünung und die Möblierung des Schulhofs, die Trennungswand zwischen Schulhof und Universitätsplatz oder die Platzierung der schulischen WC-Anlagen. Was aber den wirtschaftlichen Nutzungsmix von Läden und Büros sowie Wohnungen anbelangt, so gab es wenig Einwände. Insgesamt dürfte mit der „Wettbewerbsmedizin“ also gesichert sein, dass ein zentraler Ort der Fuldaer Innenstadt wieder zum Dreh- und Angelpunkt wird.