Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Grundschule am Diebsturm, Grünberg: Neubau eines Ganztagsmoduls

Preisträger

1. Preis: Henry Kreiling, Heuchelheim

€ 7.000

Sachverständiger: Elmar Martin, Giessen

2. Preis: Peter Diehl, Giessen

€ 5.000

Mitarbeit: Sascha Erb, Jochen Kraft, Hans-Jürgen Schäfer, Alexander Bading
Sachverständige:
Giers + Giers Landschaftsarchitekten, Wettenberg
Rempe & Polzer Ingenieurbüro TGA, Giessen
Schmidt • Schneider Ingenieure für Bauwesen, Giessen

3. Preis: Reimund Jakob, Giessen

€ 3.000

Mitarbeit: Marko Helfmann, Darmstadt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einladungswettbewerb mit 10 Teilnehmern
Preisgerichtssitzung 04.07.2006
Ort Grünberg
Auslober Landkreis Gießen
Betreuung TransMIT GmbH, Giessen
Preisrichter Prof. Thomas J. Meurer (Vorsitz), Charlotte Bairstow, Ursula Fuss, Dietlinde Elies, Frank Neubauer

Charme des Heterogenen
Grundschule am Diebsturm in Grünberg bekommt Mensa-Neubau

Die Grundschule am Diebsturm, inmitten der Fachwerkstadt Grünberg gelegen, hat viele Besonderheiten. Angefangen beim Namen, der sich vom Grünberger Wahrzeichen herleitet, einem 25 Meter hohen mittelalterlichen Wehrturm mit sehr charakteristischer Spitze. Doch auch die Schule selbst trägt ganz spezielle Züge. So dürfte sie eine der wenigen Schulen Hessens sein, die durch eine Straße geteilt wird. Dann die Schulgebäude: Das rote Backsteinhaus aus dem Jahr 1887, wilhelminisch streng und stattlich mit industriearchitektonischen Elementen. Oder der klassischere „Neubau“ aus dem Jahr 1911 auf der gegenüberliegenden Seite. Und schließlich die funktionaleren Nachkriegsbauten inklusive des „Spreenskastens“, einem kleinen Anbau an das lang gezogene, jüngste Schulgebäude .

Der Charme des Heterogenen – er wird der Schule erhalten bleiben. Denn beim vom Landkreis Gießen ausgelobten Einladungswettbewerb mit zehn Teilnehmern für einen Mensa-Neubau – die Schule soll im Rahmen des hessischen Programms „Ganztagsschulen nach Maß“ ganztagstauglich werden – kam der Heuchelheimer Architekt Henry Kreiling mit einem Entwurf auf den ersten Platz, der sich mit seiner ungewöhnlichen Gestaltung ganz bewusst nicht in das vorhandene Ensemble integriert. Er betont mit Blick auf die Nachmittagsschule architektonisch den Freizeitcharakter des Gebäudes und schafft damit einen Kontrast zum bestehenden historischen bzw. funktionaleren Gestus. Mit dieser Eigenständigkeit setzt er allerdings konsequent fort, was aus der Schulgeschichte heraus schon angelegt ist.

Sowohl beim zweiten Preisträger, Peter Diehl, als auch beim Drittplatzierten Reimund Jakob, beide aus Gießen, stand hingegen eine gute Anbindung an den Bestand bzw. an die Stadtstruktur im Vordergrund. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Thomas Meurer würdigte am Ende aber gerade die moderne Architekturauffassung des Siegerentwurfs einstimmig. Und die ging den Preisrichtern sogar nicht weit genug. Auch innen solle die äußere Form erlebbar sein, lautet einer der Nachbesserungsaufträge hinsichtlich „ungenutzter konstruktiver Raumvolumina“, sprich: abgehängter Decken. Zum Hofbereich hin sollte sich die Mensa zudem besser öffnen, mit einer an den Essraum anschließenden Terrasse etwa, damit der zentrale Solitär nicht zu massiv wirkt. Die Aufteilung des Hofes hingegen, ebenfalls Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe, kam wiederum gut an.

Fast alle Teilnehmer hatten übrigens eine Belieferung der Mensa über die südliche Wahnergasse – trotz deutlichen Niveauunterschieds – vorgesehen. Doch im Laufe des Wettbewerbs kristallisierte sich heraus, dass eine Anlieferung der vergleichsweise geringen Mengen über den ebenen Schulhof wesentlich praktikabler ist. Eine nicht ganz unwichtige Einsicht, spart sie doch zum Beispiel beim Siegerentwurf noch einen Eingang über eine Treppe.