Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau eines Kirchenzentrums und einer Kindertageseinrichtung am Riedberg in Frankfurt

Preisträger

1. Preis: Jurij Martinoff, Hamburg

€ 17.000

Mitarbeit: Johannes Krause
Sachverständige:
Jochen Köber Landschaftsarchitekt, Stuttgart
skm – Haustechnik GmbH, Thomas Steinberger, München

2. Preis: dreibund Architekten, Bochum

€ 10.500

Olaf Beierstedt, Thomas Helms, Rene Koblank
Mitarbeit: Michael Miemczik
Sachverständige:
wbp Landschaftsarchitekten und Ingenieure, Bochum

3. Preis: Wandel Hoefer Lorch + Hirsch Architekten, Saarbrücken

€ 6.500

Mitarbeit: Johannes Thoma, Andreas Frank, Christine Biesel

Ankauf: Peter Cheret Jelena Bozic, Stuttgart

€ 4.250

Mitarbeit: Boris Berger
Sachverständige:
eboek Ingenieure für Energieberatung und Energiekonzept, Tübingen
Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart
Knippers und Helbig, beratende Ingenieure, Stuttgart

Ankauf: pagelhenn architekten, Hilden

€ 4.250

Thomas Pagel

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Losverfahren
Preisgerichtssitzung 01.09.2006
Ort Frankfurt
Auslober Ev. Regionalverband/Frankfurt, Magistrat der Stadt Frankfurt, Hessenagentur Wiesbaden
Betreuung WerkStadt Architekten, Darmstadt
Preisrichter Prof. Volkwin Marg (Vorsitz), Ferdinand Heide, Artur C. Walter, Prof. Zvonko Turkali, Peter Wilson, Dierk Hausmann, Esther Gebhardt, Barbara Mielert, Friederike Rahn-Steinacker, Ulrich Kuhlendahl, Ursula Scheuring

Kirche und Kita
Wettbewerb für neues Gemeindezentrum in Frankfurt-Riedberg entschieden

In Zeiten, da nicht mehr darüber diskutiert wird, ob, sondern wie viele Kirchen geschlossen werden, ist die Entscheidung für den Neubau eines Kirchenzentrums bemerkenswert. Und logisch. So etwa in Riedberg, dem neuen Wohngebiet im Norden Frankfurts. Rund 15.000 Einwohner soll der Stadtteil einmal zählen, etwa 2.300 sind es derzeit schon.

Mit anderen Worten: Bei solchen Rahmenbedingungen wäre eine Chance zum Aufbruch vertan, würde man die mittlerweile 500 Mitglieder starke Gemeinde – aus Kosten- und Effizienzgründen – an benachbarte anschließen. Das sieht auch der Evangelische Regionalverband Frankfurt am Main so und hat sich früh entschlossen, vor Ort präsent zu sein. So lässt sich auch architektonisch in dieser Entwicklungsphase ein identitätsstiftendes Zeichen setzen: Die Kirche liegt mitten im Herzen Riedbergs, am höchsten Punkt, zentral am Nelly-Sachs-Platz. Konsequenterweise wird in dem strukturell von jungen Familien geprägten Gebiet zugleich in Kooperation mit der Stadt Frankfurt noch eine Kindertagesstätte gebaut.

Den Realisierungswettbewerb mit 21 Büros, der für den Komplex „Kirchenzentrum und Kindertageseinrichtung“ ausgeschrieben wurde, hat der Hamburger Architekt Jurij Martinoff gewonnen. Seine rechteckige Figur aus Baukörpern und Umschließungsmauern nimmt die ganze Fläche ein. Der zweite Preis ging an die dreibund Architekten aus Bochum, die bei ihrem Modell eine Blockrandbebauung mit Innenhof favorisierten. Den dritte Preis erhielten Wandel Hoefer Lorch + Hirsch Architekten aus Saarbrücken, die auf zwei kompakte, zweigeschossige Baukörper setzten.

Ausschlaggebend für das Votum der Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Volkwin Marg war vor allem die einfallsreiche Akzentuierung der Kirche. Die „Wandscheiben“, die gleichermaßen Außenmauern aller Gebäude und Gärten gliedern, sind eingeschossig aus weißem Sichtbeton, die Obergeschosse holzverkleidet und nur der zentrale Sakralraum – mit eingeschnittenem Kreuz – besteht vollständig aus Sichtbeton. Dadurch wird die Kirche hervorgehoben, ohne dass sie aus dem Ensembles „ausbricht“.

Weitere, von dem Preisgericht positiv aufgenommene Details: Die unterschiedlich geschnittenen Innenhöfe lassen an Klosterhöfe denken, der eingefriedete Kirchplatz stellt einen guten Eingangsraum dar und die weiteren Baukörper – Gemeindezentrum, Jugendraum, Café und Kita – sind flexibel nutzbar. Weniger anfreunden konnten sich die Preisrichter mit der relativ versteckten Glocke und den Parkplätzen innerhalb der Mauern. Und hinsichtlich eines möglicherweise spät erfolgenden zweiten Bauabschnitts mit Kinderkrippe und weiteren Wohnflächen müsste die Ensemblewirkung noch einmal überprüft werden.

Eine zeitgemäße Form haben sich die Auslober gewünscht, eine „Architektur der Tiefe“, die so etwas wie einen Schutzraum bietet. Dem trägt der Siegerentwurf Rechnung, vor allem im Innenbereich. Auch wenn der sakrale Charakter nach außen mitunter nicht gleich auf den ersten Blick deutlich wird – der Wechsel von Offen- und Geschlossenheit in den baulichen Fügungen spiegelt viel vom Wesen eines modernen Kirchengebäudes und, wenn man so weit gehen will, auch die Idee des Aufbrechens. Was wiederum gut zu dem neuen Quartier Riedberg passen würde.