Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau eines Werkstättengebäudes für behinderte Menschen in Lorsch

Preisträger

1. Preis: AV1 Architekten, Kaiserslautern

€ 19.200

Butz Dujmovic Schanné Urig
Prof. Michael Schannè
Mitarbeit: Markus Bayer

2. Preis: Numrich Albrecht Klumpp, Berlin

€ 12.000

Arthur Numrich
Mitarbeit: Matthias Gall

3. Preis: ARGE Atelier Steiner / Ruby 3, Darmstadt

€ 7.200

Patrick Steiner, Rüdiger Ruby
Fachberater: TSB Ingenieurgesellschaft mbH, Darmstadt

Ankauf: Scheuring+Partner Architekten, Köln

€ 4.800

Prof. Andreas Scheuring
Mitarbeit: Jennifer Lans, Dieter Wüst
Fachberater: Markus Knelles, Köln

Ankauf: Kruse Architekten+Stadtplaner, Bielefeld

€ 4.800

Hans-Joachim Kruse
Mitarbeit: Eberhard Lücke, Axel Reinert, Miriam Kogelnik
Fachberater: wbp Landschaftsarchitekten, Bochum

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit 25 Teilnehmern, davon 5 Zuladungen
Preisgerichtssitzung 09.10.2006
Ort Lorsch
Auslober Behindertenhilfe Bergstrasse gGmbH
Betreuung Sartorius Architekten, Bensheim
Preisrichter Prof. Günter Pfeifer (Vorsitz), Prof. Zvonko Turkali, Prof. Johann Eisele, Peter Meister, Klaus Jäger, Günter Jakob, Wolfgang Rudolph

Integrationsarchitektur
In Lorsch entsteht eine Werkstatt für behinderte Menschen

Wenn es um behinderte Menschen geht, so sollte es immer auch um Integration gehen. Das zumindest hat sich die Behindertenhilfe Bergstraße gGmbH auf die Fahne geschrieben. Mit doppeltem Erfolg. Zum einen hat sich, was 1971 als Elterninitiative begann, inzwischen zu einem mittelständischen Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern ausgewachsen. Zum anderen finden in den Werkstätten in Bensheim und Fürth 430 behinderte Menschen Arbeit – also das, was für ein selbst bestimmtes Leben in unserer Gesellschaft zur zentralen Bedingung geworden ist.

Da an beiden Orten die Kapazitäten ausgereizt sind, soll in Lorsch – dem dezentralen, und damit ebenfalls integrativen Konzept des Vereins folgend – eine Werkstatt mit weiteren 120 Arbeitsplätzen entstehen. Das Gebäude wird etwas über 2.500 m2 Nutzfläche für Werkstatt, Verwaltung und Bewirtschaftung haben und liegt in einem neu entstehenden Wohnquartier auf dem Gelände eines ehemaligen Möbelwerks.

Den dafür ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb haben unter 24 Teilnehmern die av1 Architekten aus Kaiserslautern gewonnen. Einstimmig entschied sich das Preisgericht unter Vorsitz von Günter Pfeifer für einen Entwurf, der bewusst das Risiko eingeht, in seiner Intention missverstanden zu werden. Denn bei einem Wettbewerb, der Integration architektonisch befördern soll, lässt sich der Ansatz, das Areal als einen Binnenraum innerhalb eines unwirtlichen Ortes aufzufassen und das konsequent mit Profilglasflächen und Begrünungen umzusetzen, durchaus ambivalent deuten: Oasenbewohner dürfen sich glücklich schätzen – aber bleiben nun einmal für sich.

Der zweite Preis ging an das Berliner Büro Numrich Albrecht Klumpp, die ein Ensemble aus klar strukturierten Gebäudekörpern vorschlagen, bei dem die Preisrichter die Erschließung zum Umfeld lobten, zugleich aber einen stärkeren Außenbezug vermissten. Und für die Vergabe des dritten Platzes an ARGE Atelier Steiner / Ruby 3 aus Darmstadt war entscheidend, das die flache Gebäudemasse mit ihren mehreren Innenhöfen zwar gut gegliedert ist, aber funktional einige Mängel aufweist.

Auch beim Siegerentwurf wurden ungenügende Belichtungen oder Raumzuordnungen bemängelt. Bei einer Realisierung sollte zudem die Fassadengestaltung noch einmal auf den Prüfstand kommen, die Profilfassade deutlich reduziert werden und natürlich das Gebäude nach außen geöffnet werden. Die Grundlagen dafür sind vorhanden, die Tektonik wurde äußerst positiv hervorgehoben – bei einer vergleichsweise wirtschaftlichen Bauweise (Beton, Profilglas, Alu- und Multiplexplatten). Denn das flächig überbaute Gebäude bietet ganz unterschiedliche Höfe und Innenräume – mit einem überraschend reichhaltigen Innenleben, wie das Preisgericht betonte, was Atmosphäre, Stimmung und Orte anbelangt. Und so verkörpert der Entwurf nachdrücklich den Ganzheitlichkeitsaspekt, der für die Behindertenhilfe Bergstraße von großer Bedeutung ist. Und wenn Selbstbestimmtheit zu Selbstbewusstsein führt, dann ist auch die Integration nur eine Frage der Zeit.