Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Hessenwaldschule, Weiterstadt

Preisträger

1. Preis: wulf und partner, Stuttgart mit Adler und Olesch Landschaftsarchitekten, Mainz

€ 29.000

Prof. Tobias Wulf
Mitarbeit: Camilo Hernandez, Daniela Momiroski, Daniela Weis, Meike Zwerger

2. Preis: Loewer+Partner, Darmstadt mit Die LandschaftsArchitekten Bittkau-Bartfelder GbR,Wiesbaden

€ 20.500

Andreas Janouschkowetz, Petra Bittkau
Mitarbeit: Edmund Kallenbach, Markus Märte, Isabell Battenfeld, Konrad Deines, Andreas Heinemann
Fachberater: Tichelmann & Barillas, Bastian Ziegler, Darmstadt (Energiekonzept)

3. Preis: Eller+Eller GmbH Architekten, Berlin mit jbbug - Landschaftsarchitekten, Köln

€ 13.500

Erasmus Eller
Mitarbeit: Christiane Flasche, Martin Schliefer
Fachberater: VIKA Ingenieur, Aachen

Anerkennung: Ramona Buxbaum Architekten, Darmstadt mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt

€ 6.750

Ramona Buxbaum, Martin Schaper, Stefan Kappes, Ralf Habermann
Mitarbeit: Yisu Wang, Nadine Ressel, Jens Beck, Kerstin Büschl, Jan Lohde

Anerkennung: harris + kurrle architekten, Stuttgart mit Köber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

€ 6.750

Volker Kurrle, Joel Harris, Jochen Köber
Mitarbeit: Vojtech Bast
Fachberater: TEB, Dr. Thomas Dippel, Valhingen/Enz (Energiekonzept)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gem. RPW 2008 mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 23.08.2011
Ort Weiterstadt
Auslober Da-Di-Werk Gebäudemanagement Eigenbetrieb des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Johann Eisele, Ferdinand Heide (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Holger Gehbauer, Christel Fleischmann, Ute Simon-Nadler, Peter Rohrbach

Schnörkellos lernen
Neubau der Hessenwaldschule in Weiterstadt

Schüler lernen heute anders als vor 20 Jahren. Neue Lehr- und Lernformen lösen zunehmend die traditionelle „Belehrung“, den Frontalunterricht ab. Ein spezielles Lernkonzept genießen auch die rund 700 Kinder und Jugendlichen, die die kooperative Hessenwald-Gesamtschule in Weiterstadt besuchen. Hier wird nach den neuesten Erkenntnissen der Pädagogik gearbeitet, stehen individuelles Lernen und individuelle Förderung im Vordergrund. Die herkömmliche Aufteilung nach Haupt-, Real- und Gymnasialschülern wurde aufgelöst, stattdessen sind Schüler aller Leistungsstärken in ihren jeweiligen Jahrgängen zusammengefasst. Neben einer naturwissenschaftlichen Ausrichtung werden zudem die Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch gelehrt.

Damit auch das Lernumfeld stimmt, soll nun ein Neubau den maroden Altbau ersetzen und auf rund 7.600 Quadratmetern Platz bieten für Klassenräume, einen naturwissenschaftlichen Bereich, Musikräume, eine Mensa und die Ganztagsbetreuung. Zusätzlich waren in dem vom Büro Stadtbauplan aus Darmstadt betreuten Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren auch Gestaltungsvorschläge für 6.000 Quadratmeter Freianlagen gefordert.

Das Preisgericht hatte über 24 eingereichte Arbeiten zu befinden. Es entschied sich nach intensiver Diskussion jeweils einstimmig für die Vergabe eines ersten, zweiten und dritten Preises und befürwortete die Umsetzung des Siegerentwurfes. Dieser stammt vom Stuttgarter Büro Wulf und Partner mit Olesch Landschaftsarchitekten aus Mainz und sieht ein kompaktes, funktionelles und schnörkelloses Gebäudeensemble vor mit je einem Haupteingang im Norden und Süden. Angetan zeigten sich die Preisrichter von der zentralen, dreigeschossigen und mit einem gläsernen Dach versehene Pausenhalle, die die Schüler und Lehrer direkt von den Haupteingängen erreichen, sowie vom Raumkonzept. Der Entwurf der Stuttgarter besteche durch „seine Klarheit und Ruhe“, zudem erzeugten Form und Typologie einen „ausgewogenen und schönen Bezug zum Freiraum und zur Sporthalle“. Nur hinsichtlich der Verkehrsflächen sah das Gremium Nachbesserungsbedarf.

Die mit dem zweiten Platz bedachten Loewer + Partner Architekten aus Darmstadt mit Die LandschaftsArchitekten Bittkau-Bartfelder GbR aus Wiesbaden wählten einen kleinteiligeren Ansatz und verteilten die Funktionen auf sieben Gebäude. Das dreigeschossige Hauptgebäude, das im Erdgeschoss Aula, Mensa und Café sowie im zweiten Obergeschoss die Fachklassen zusammenfasst, positionierten sie im Nordosten des Grundstücks. Dieser Kombination bescheinigten die Preisrichter zwar eine nachvollziehbare Logik, beurteilten aber die funktionale Mischung kritisch. Sie werteten die Unterbringung der jeweiligen Jahrgangsstufen in eingeschossigen Häusern und die so gegebene direkte Verknüpfung von Innen- und Außenraum positiv, diskutierten jedoch kontrovers die überdachten Verbindungen zwischen den Baukörpern hinsichtlich deren funktionaler und gestalterischer Qualität.

Ähnlich der erstplatzierten Arbeit schlägt der mit dem dritten Preis ausgezeichnete Entwurf der Berliner Eller + Eller Architekten GmbH mit jbbug Büro für urbane Gestalt Landschaftsarchitekten aus Köln drei Kuben vor, die sich um ein zentrales Foyer anordnen. Nach Ansicht des Preisgerichts verzahne sich der Baukörper „obwohl kompakt organisiert, wohltuend mit dem umgebenden Außenbereich“, auch wenn Betonpflaster rund um sämtliche Erdgeschossräume eine „künstliche Barriere“ herstelle und sich negativ auf diese Verzahnung auswirke. Die Preisrichter lobten die Funktionalität und die Proportionen der Lernbereiche sowie die Gestaltung der Fassaden mit Holzverschalung. Letztere wirke „sympathisch und der Lage am Waldesrand angemessen.“ Als unbefriedigend werteten sie die großen Raumtiefen der Unterrichtsräume und die tageslichtfreien inneren Erschließungen.

Der rund 16 Millionen teure Neubau soll in zwei Bauabschnitten realisiert werden. Baubeginn ist geplant für 2013, im Jahr 2014 sollen die Schüler ihre Lernräume im neuen Komplex in Beschlag nehmen und bald darauf auch den neuen Schulhof, dem nach dem Umzug das alte Schulgebäude weichen soll.