Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau des Wohnpflegeheims „Haus Burggarten“ in Breitenbach am Herzberg/Hessen

Preisträger

1. Preis: waechter architekten, Darmstadt

€ 10.000

Felix Waechter
Mitarbeit: Sibylle Waechter, Hans Waechter, Corianna Humpohl, Christian Burkhardt

2. Preis: Ralf Schnucke, Kassel

€ 6.000

crep D architekten
Mitarbeit: Thomas Becker, Andreas Schuchardt

3. Preis: Wolfgang Zaeske, Hans Maul, Wiesbaden

€ 4.000

Mitarbeit: Jeremy Francis Würtz, Andre Pannenbecker, Beate Schwarz, Andreas Schlephorst

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 06.11.2006
Ort Herzberg/Hessen
Auslober Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V.
Betreuung ANP – Architektur + Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Harald Clausen, Birger Rohrbach, Petra Wörner-Enke, Peter Göbel-Braun, Wolfgang Rudolph, Evelin Schönhut-Keil/Friedrich Saure, Siegfrid Steube

Private Öffentlichkeit
In Breitenbach entsteht das „Haus im Burggarten“

Kleines Teilnehmerfeld – große Vielfalt. Diese Faustregel bewahrheitet sich immer wieder bei Architektenwettbewerben, an denen eine begrenzte Anzahl von Büros gegeneinander antritt. Wobei es selbstverständlich keine Frage ist, dass es dabei auf die Gegebenheiten ankommt. Hat man beispielsweise ein großes Gelände, das zum einen an eine dörfliche Umgebung, zum anderen an freies Feld grenzt, sind die Freiheitsgrade natürlich wesentlich größer, als wenn man eine städtische Baulücke füllen muss.

Solche großzügigen Bedingungen fanden zuletzt jene sieben Architekten vor, die sich am Wettbewerb für einen Neubau eines Wohnpflegeheims in Breitenbach beteiligten. Vier Hausgemeinschaften mit je neun Pflegeplätzen inklusive der zugehörigen Infrastruktur möchte das Hessische Diakoniezentrum Hephata in der knapp 2.000 Einwohner zählenden Gemeinde Breitenbach am Herzberg errichten.

Trotz ganz unterschiedlicher Ansätze kristallisierten sich für die Preisrichter, die unter Vorsitz von Michael Frielinghaus tagten, zwei Typologien für das neue „Haus im Burggarten“ heraus: Jene, die ein Miteinander der vorhandenen mit den neuen Gebäuden in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellten, und jene, die das Nebeneinander favorisierten. Zu letzteren zählte etwa der Ansatz eines „Dorfes im Dorf“, wie beim drittplatzierten Entwurf der Wiesbadener Zaeske und Maul. Auf Platz eins (waechter architekten aus Darmstadt) und zwei (Ralf Schnucke aus dem Büro crep D architekten, Kassel) aber schafften es Entwürfe, die auf eine Verzahnung mit der von Fachwerkhäusern geprägten Umgebung setzten. Das erklärt sich nicht allein daraus, dass in dem Pflegeheim einmal Schwerstkörperbehinderte eine optimale Versorgung erhalten sollen – und deshalb der Integrationsgedanke groß geschrieben wird.

Eher noch fällt ins Gewicht, dass es sich hier in der Tat nicht anbot, die Eigenständigkeit zu stark zu betonen, so wie zum Beispiel ein Büro vorsah, das Heim auf ein Plateau zu stellen. Dadurch hätte es eine Art Burgcharakter bekommen – den aber sollte man der Burg Herzberg vorbehalten, die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts Breitenbachs Stadtbild prägt.

Für den einstimmig mit dem ersten Preis bedachten Entwurf sprach vor allem die eingeschossige Bebauung, das Orientieren an der Topographie, die Rücksicht auf vorhandene Bepflanzung wie eine stattliche Baumgruppe und eine Freiraumgestaltung, die Rückzugsmöglichkeiten eröffnet, sich aber zugleich über einen Vorplatz im Westen zu den benachbarten Grundstücken öffnet. Auch bei der Logistik ist an alles gedacht: Eine zentrale Erschließung bietet eine unkomplizierte Orientierung, es gibt keine engen Flursituationen, die Versorgung kann über einen alternativen Zugang erfolgen, Parkplätze – auch für Kurzparker – sind ausreichend vorhanden. Einzig einen Außenraumbezug der Eingangshalle über den Innenhof hätten die Preisrichter noch für wünschenswert gehalten. Sie befürchteten zudem, dass die flexible funktionale Verzahnung im Extremfall zu einer gewissen Unübersichtlichkeit führen könnte.

Positiv aber fiel ins Gewicht, dass im Inneren alles gemeinschaftsorientiert angelegt ist: von den vielfach nutzbaren Gemeinschaftsflächen bis zu den Wohngruppen. Trotzdem kann jeder Bewohner auf angenehme Weise für sich sein: Die Wohnungen haben Gartenzugänge, und selbst die gruppenbezogenen Atrien ermöglichen absolute Privatheit. Lob fand zu guter Letzt auch noch die Entscheidung für eine zeitlose Architektursprache einschließlich der Materialauswahl: Nachhaltigkeit ist etwas, was gerade behinderten Menschen zugute kommt.