Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Mainbrücke Ost/Rampenbauwerk Honsellstraße/, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt/Main

€ 27.000

Mitarbeit: Christian Schmitt, Stefan Hirschfelder, Frank Heinen, Heinrich Großenbach, Frank Robanus
mit BGS Ingenieurgesellschaft für Bau- und Verkehrswesen mbH, Frankfurt/Main
Manfred Breidert
Mitarbeit: Sebastian Schultheis

2. Preis: netzwerkarchitekten, Darmstadt

€ 25.000

Oliver Witan, Thilo Höhne, Karim Scharabi, Philipp Schiffer, Jochen Schuh, Markus Schwieger
Mitarbeit: Lukas Eugler
mit Dr. Kreutz + Partner – Beratende Ingenieure, Nürnberg
Dr. Alexander Hentschel
Mitarbeit: Martin Kotissek
Verkehrsplanung: R+T Topp Skoupil Huber-Erle, Darmstadt

3. Preis: Benthem Crouwel, Amsterdam

€ 18.000

Jan Benthem, Mels Crouwel, Marcel Blom
Mitarbeit: Amir Farokhian, Michael Jaggoe, Raour van Herwijnen, Roderick van der Meulen, Kaja Stenrod Paulsen, Jan Torringa, Joost Vos, Marten Wassmann, Joep Windhausen
mit WTM Engineers GmbH, Hamburg
Dr. Karl Morgen
Mitarbeit: Manuel Krahwinkel, Arne Kopp, Peter Lemcke, Prof. Dr. Viktor Sigrist
Modellbau: Louis Elskamp, Kappers Architectuurpresentaties, Rotterdam

4. Preis: Jürgen Hillmer Gerkan, Marg und Partner, Hamburg

€ 15.000

Mitarbeit: Prisca Marschner, Kai Beckmann, Sebastian Becker
mit Werner Sobek Ingenieure
International GmbH + Co. KG (WSI), Stuttgart
Prof. Dr. Werner Sobek, Michael Duder
Mitarbeit: Christian Mundt, Anvar Sadykov, Christoph Dengler
Verkehrsplanung: VSU Städtebau Umweltschutz GmbH, Herzogenrath
Lichtplanung: Conceptlicht GmbH

5. Preis: Steinhilber + Weis GmbH, Stuttgart

€ 10.000

Prof. Ursula Steinhilber, Prof. Otfried Weis
Mitarbeit: Susan Satzl-Weis, Daniel Schilling, Gernot Vorbrugg
mit Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe
Josef Steiner
Mitarbeit: Robert Laier, Martin Rudolf

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Begrenzt offener einphasiger interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 19.12.2006
Ort Frankfur/Main
Auslober Stadt Frankfurt am Main
Betreuung ANP Architektur + Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Prof. Dieter Jungwirth (Vorsitz), Dieter von Lüpke, Prof. Chrtistoph Mäckler, Prof. Stefan Polonyi, Prof. Helmut C. Schulitz, Lutz Sikorski, Gabriele Dehmer

I-Tüpfelchen mit 170 Metern Spannweite
Wettbewerb „Mainbrücke Ost/Honsellrampe“ entschieden

Geschichte wiederholt sich: Bereits 1907 plante man in Frankfurt, das Ostend und Sachsenhausen mit einer Brücke zu verbinden; das Bauwerk hätte ein Leuchtturm krönen sollen. Nun soll die Mainbrücke Ost tatsächlich Wirklichkeit werden – und den Leuchtturm wird es in gewisser Weise auch geben: Diese Funktion kann man unschwer den von Coop Himmelb(l)au entworfenen spektakulären Zwillingstürme der Europäischen Zentralbank (EZB) zuschreiben, die bis 2011 auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle entstehen sollen. Die EZB ist auch der Grund für den Brückenschlag. Die neue Auto- und Fußgängerbrücke wird – voraussichtlich gleichfalls bis 2011 – die EZB an den Autoverkehr anbinden.

Für den auf bis zu 35 Millionen Euro geschätzten Lückenschluss ist jetzt der interdisziplinäre Realisierungswettbewerb – ausgelobt vom Amt für Straßenbau und Erschließung und betreut von ANP, Kassel – entschieden. Teilgenommen hatten 19 Architektenbüros. Gewonnen hat ihn der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide in Zusammenarbeit mit der BGS Ingenieursgesellschaft für Bau- und Verkehrswesen mbH, gleichfalls aus Frankfurt. Deren stählerne Bogenbrücke mit einer Spannweite von 170 Metern greift nicht nur Elemente der bestehenden denkmalgeschützten Honsellbrücke auf, sondern entwickelt auch einen eigenen, sehr selbstverständlichen Charakter. Die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Dieter Jungwirth machten es sich mit der Entscheidung von 4:3 Stimmen nicht leicht, denn auch der zweitplatzierte Entwurf der Darmstädter netzwerkarchitekten mit den Nürnberger Bauingenieuren Dr. Kreutz + Partner integrierte die Typologie der Honsellbrücke intelligent in einen insgesamt filigran wirkenden Bogen. Der dritte Preis ging an den Amsterdamer Architekten Benthem Crouwel, der mit der Hamburger WTM Engineers GmbH zusammenarbeitete. Hier wurde vor allem das Prinzip, die Straße in einem großen Bogen zu führen, kontrovers diskutiert.

Ausschlaggebend war letztlich beim Siegermodell, dass es durch die große Spannweite ohne einen Pfeiler auf den Uferpromenaden auf der Sachsenhäusener Seite auskommt; dass die Brücke geteilt ist: Die drei Autospuren trennt ein 65cm breiter Spalt vom Fußgänger- und Radweg, was die Sicherheit der Fußgänger erhöht, da eine Überquerung der Brücke ausgeschlossen ist; dass sich die beiden Brückenbögen zur Brückenmitte hin verjüngen und so mit den überkreuzenden Spannseilen einen spannungsreichen Innenraum bilden; und schließlich lobte das Preisgericht vor allem die Gestaltung der Brückenköpfe mit Terrassen an der Nordseite und die großzügigen Abgänge des Brückenkopfs an der Südseite.

Zu den wenigen Kritikpunkten am Heide’schen Konzept zählte, dass die Hänger besser gegen Aufprall geschützt werden sollten und die Abstände zwischen den sich kreuzenden Hängern zugunsten eines optisch transparenteren Eindrucks vergrößert werden könnten.

Mit dem Wettbewerb und seiner Realisierung hat die Stadt Frankfurt ihre Zusage an die EZB eingelöst, die Infrastruktur rund um das Areal der Großmarkthalle auszubauen. Doch architektonisch ist es mehr als nur eine Zufahrt zur EZB: Die Brücke wird einen grandiosen Blick auf die Skyline der Mainmetropole bieten, und die Terrassen haben ohnehin Verweilqualitäten – das I-Tüpfelchen auf dem Verkehrskonzept für das Ostend.