Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet Hainweg, Wiesbaden-Nordenstadt

Preisträger

2. Preis: AS&P – Albert Speer und Partner GmbH, Frankfurt/Main

€ 11.667

Prof. Albert Speer
Mitarbeit: Michael Heller, Matthias Voigt, Andrea Mandic, Kristina Lutterbeck, Dr. Michael Denkel
Fachberater: Veronika Valek, AS&P (Verkehrsplanung), Mathias Dilger, AS&P (Landschaftsarchitektur), Anna-Lena Müller

2. Preis: BS+ Städtebau und Architektur, Frankfurt/Main, mit Adler & Olesch Landschaftsarchitekten GmbH, Mainz

€ 11.667

Henrike Specht, Torsten Becker, Stefan Bitter
Mitarbeit: Kerstin Formhals, Julia Goldschmidt, Kristina Wittig, Jona Herttrich

2. Preis: Planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG., Darmstadt

€ 11.667

Herbert Elfers
Mitarbeit: Christina Boicekofski, Holger Grobe, Oliver Walkiewicz, Matthias Wöber, Maren Höss
Fachberater: Bierbaum.Aichele.landschaftsarchitekten, Klaus Bierbaum, Klaus-Dieter Aichele, Mainz
Mitabeit: Burkhard Elfers, Rebecca Faller

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, zweiphasiger, städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 02.04.2013
Ort Wiesbaden-Nordenstadt
Auslober SWM Projektgesellschaft mbH, Mainz
Betreuung SEG Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden mbH mit Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Ursula Hochrein, Uwe Hoegen, Thomas Metz, Sigrid Möricke, Hans-Martin Kessler, Bernd Scherer, Thomas Müller

Kein eindeutiger Favorit

Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Wohngebiet Hainweg, Wiesbaden-Nordenstadt

Für Wiesbaden wird bis zum Jahr 2020 ein Bevölkerungswachstum von ungefähr 7.000 Einwohnern prognostiziert – und da sind die US-Amerikaner, die nach der Verlegung des US-Armee-Hauptquartiers von Heidelberg nach Wiesbaden in die Landeshauptstadt ziehen werden, noch gar nicht mitgezählt. Die Stadt muss also dringend neuen Wohnraum schaffen. Daher treibt sie das schon in den 1990er Jahren anvisierte Projekt „Wohngebiet Hainweg“ in Wiesbaden-Nordenstadt voran. Auf einem etwa 21 Hektar großen Gelände Wiesbaden plant die Stadt gemeinsam mit der SWM-Projektgesellschaft den Bau von rund 650 Wohneinheiten. Drei Viertel der bisherigen Acker- und Apfelbaumflächen gehören der Projektgesellschaft, ein Viertel der Stadt. Entstehen soll ein Mix aus Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern sowie Geschosswohnungsbauten.

Als Ausloberin des nichtoffenen, zweiphasigen, städtebaulichen Realisierungswettbewerbs fungierte die Städtischen Entwicklungsgesellschaft SEG. In der Vorbereitung des Verfahrens hatten Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Architektenwettbewerbe und Joachim Klie, Vorsitzender des Landeswettbewerbs- und Vergabeausschusses der AKH, Gespräche mit dem Stadtplanungsamt Wiesbaden geführt. Gesucht wurden Konzepte für die Bebauung und Struktur des Wohngebiets. Neben den Wegebeziehungen, der Anordnung der Grünflächen und des öffentlichen Raumes sowie dem Entwurf eines ersten Verkehrskonzeptes, lagen der Ausloberin die Gestaltung der südlichen Kante des neuen Stadtteils sowie die Anknüpfung an den alten Ortskern und an die bestehenden Siedlungsgebiete am Herzen. Eine Kindertagesstätte und ein Jugendtreff sollen diese Verbindung fördern.

In der ersten Phase des Wettbewerbes hatte das Preisgericht, dem der Stuttgarter Prof. Dr. Franz Pesch vorsaß, fünf Büros für die zweite Wettbewerbsphase ausgewählt. Unter den nun vorgelegten, überarbeiteten Entwürfen konnte sich jedoch kein Entwurf als eindeutiger Favorit durchsetzen. Die Preisrichter vergaben stattdessen drei zweite Preise und forderten die drei Preisträger zur Überarbeitung ihrer Arbeiten auf.

Das Büro AS&P – Albert Speer und Partner GmbH aus Frankfurt am Main punktete mit einem sehr hohen Grünanteil. Die Preisrichter wiesen jedoch gleichzeitig daraufhin, dass der Entwurf aufgrund der zahlreichen Grünflächen an der wirtschaftlichen Grenze läge. Zur stark befahrenen, südlich gelegenen Straße sehen die Verfasser L-förmige Gebäude sowie einen Grünstreifen vor. Sechs über das Wohngebiet verteilte grüne Plätze sollen als Treffpunkt dienen. Eine Idee, die den Preisrichtern gefiel, jedoch rieten sie hier zu einer Verkleinerung. Insgesamt wünschten sich die Preisrichter eine stärkere Differenzierung der Quartiere und eine Verbesserung des Verhältnisses von Einfamilienhäusern zum Geschosswohnungsbau.

BS+ Städtebau und Architektur aus Frankfurt am Main mit Adler & Olesch Landschaftsarchitekten aus Mainz konzentrieren den Grünanteil auf einen Park am Quartierseingang. Eine Promenade führt zum Grün am Ortsrand, kleine Quartiersplätze und schmale Grünfinger bilden ein Freiraum-Netzwerk, die Gebäude werden zu überschaubaren Wohnhöfen angeordnet. Die Preisrichter lobten die „überschaubaren, identitätsstiftenden Teilquartiere“ und die Positionierung der Quartiersmitte mit Kindergarten und Bushaltestelle. Kritisiert wurde jedoch, dass der Schwerpunkt des Geschosswohnungsbaus im Norden des Wohngebietes angesiedelt ist sowie die Positionierung der Einfamilienhäuser überwiegend am Ortsrand. Insgesamt bewertete das Preisgericht die Zahl der Wohneinheiten als zu gering.

Das Darmstädter Büro Planquadrat platziert den Schwerpunkt des Grüns in der Quartiersmitte. Diese Idee wird von den Preisrichtern gewürdigt, jedoch stellten sie die umgebenden mehrgeschossigen Wohnbauten in Frage. Insgesamt biete der Entwurf jedoch „gute Voraussetzungen für hochwertigen und qualitätvollen Wohnungsbau“. Das Preisgericht lobte die Ausbildung des neuen Ortsrandes und die Gestaltung von kleinen Baumplätzen an den Übergängen zum Feld. Weniger Anklang fand hingegen die vorgeschlagene Bebauung des südlichen Quartierrandes mit Einzelgebäuden.

Wenn das Wohngebiet Hainweg fertiggestellt und bezogen sein wird – der Baubeginn ist für 2015 anvisiert – werden die neuen Einwohner die Bevölkerungszahl des Wiesbadener Ortsteils Nordenstadt auf rund zehntausend ansteigen lassen.

Katja Klenz