Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer öffentlichen Stadtbücherei und eines Stadtarchivs, Hofheim/Taunus

Preisträger

1. Preis: Henchion Reuter Architekten, Berlin

€ 14.000

Klaus Reuter, Martin Henchion
Mitarbeit: Steffen Reimann
Fachberater: Bernario+Sattler Landschaftsarchitekten, Berlin
Transsolar Energietechnik GmbH, M. Krauss, Stuttgart
Eisat GmbH, A. Sattler, Berlin (TWP)
IFISW, M. Strupp (Brandschutz)

2. Preis: Sturm und Wartzeck GmbH Architekten Innenarchitekten, Dipperz

€ 8.000

Jörg Sturm, Susanne Wartzeck
Mitarbeit: Steffen Schultheis, Steffen Heil, Anika Becker, Aline Lemmer
Fachberater: Gunter Fischer, Bonn (Landschaftsarchitektur)
Tobias Wohletz (Modellbau)

3. Preis: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner, Köln

€ 6.000

Reinhard Scheithauer
Mitarbeit: Saskia Hebert, Leonie Heilmann, Matthias Lohmann
Fachberater: Schüßler Plan, Andreas Heilig, Berlin (Tragwerk)
Ich-ingenieure, Jens Hanisch (Energiekonzept)

Anerkennung: Prof. Zvonko Turkali, Frankfurt

€ 3.500

Mitarbeit: Yassi Puya, Florian Titz, Henrik Weber, Volker Walz, Sabrina Clemens

Anerkennung: barkowsky wahrer architekten GbR, Köln

€ 3.500

Jens Barkowsky, Kerstin Wahrer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren. Zusätzlich war für den angrenzenden Bereich ein städtebaulicher Ideenteil zu bearbeiten
Preisgerichtssitzung 16.08.2011
Ort Hofheim/Taunus
Auslober Magistrat der Kreisstadt Hofheim am Taunus
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Gebhard Dick, Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Hellmut Raff, Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Gisela Stang, Wolfgang Vater, Wolfgang Winckler

Büchereikubus mit Lesegarten 
Neubau einer öffentlichen Stadtbücherei und eines Stadtarchivs in Hofheim am Taunus

Hofheim im Taunus geht es wie vielen Städten und Gemeinden in Deutschland: Das Geld ist knapp. Dennoch will die Stadt für insgesamt rund 4,8 Millionen Euro den dringend benötigten Neubau für die Stadtbücherei und das Stadtarchiv errichten. Dank der Beratung durch Gesine Ludwig, Referatsleiterin Wettbewerbe und Vergabe und Joachim Klie, Vorsitzender des Landeswettbewerbs- und Vergabeausschusses der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen entschied sich die Stadt für die Durchführung eines Wettbewerbsverfahren. Den nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil betreute die BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt am Main.

Als Standort für die neue Stadtbücherei hatte der Auslober, der Magistrat der Stadt, die nördliche Seite des städtebaulich neu geformten Kellereiplatzes auserkoren. Das Preisgericht, dem die Frankfurter Architektin Prof. Anett-Maud Joppien vorsaß, begutachtete 22 für diesen exponierten Bauplatz zwischen Altstadt und dem Einkaufszentrum Chinoncenter eingereichte Entwürfe. Bei der Vergabe des ersten, zweiten und dritten Preises entschieden sich die Preisrichter jeweils einstimmig.

Am meisten überzeugte die Arbeit der irisch-deutschen Architekten Henchion Reuter, deren klarer, in der Höhenentwicklung abgestufter, kubischer Baukörper mit dem ersten Rang bedacht wurde. Den Preisrichtern gefielen die sowohl der historischen als auch der neuen Bausubstanz angepasste Maßstäblichkeit, die Ausbildung einer Raumkante zum Kellereiplatz hin sowie die Anlage eines Lesegartens. Die Preisrichter werteten die gewählte Formensprache als „harmonisch“ und den optischen Übergang zur angrenzenden historischen Altstadt durch die vorgeschlagene Fassadengestaltung aus geschlemmtem Ziegelmauerwerk, Holzverschalung und Holzfenstern als gewährleistet. Leicht realisierbare Optimierungsmöglichkeiten sahen sie bei der Gestaltung der Grundrisse und des Foyers sowie der Fensterausbildung.

Auch der zweitplatzierte Vorschlag von Sturm und Wartzeck Architekten aus Dipperz sieht einen klaren, kubischen Baukörper für die Stadtbibliothek vor. Im Unterschied zum erstplatzierten Entwurf, umschließt dieser jedoch ein Atrium. Die Preisrichter bewerteten den vorgeschlagenen Bau als „anspruchsvoll und in sich schlüssig“. Ihrer Ansicht nach vermittelten die klar gegliederten Fassaden „auf eine unprätentiöse Weise zwischen dem großflächigen Kellereiplatz auf der Südseite und den kleinteiligen Altstadthäusern im Westen“. Kritischer sahen sie das als Fassadenverkleidung vorgeschlagene gesägte Natursteinmauerwerk und insbesondere die geschlossene Wirkung des Gebäudes in Richtung des Chinoncenters.

Platz drei ging an das Kölner Büro kister scheithauer gross architekten, die ein Gebäude mit gefaltetem Dachprofil entwarfen. Hier lobte das Gremium besonders dessen angemessene Präsenz und die „gewünschte, rücksichtsvolle Höhenentwicklung zur alten Kellerei“ sowie die vorgeschlagenen baulichen Ergänzungen im Ideenteil. Durch diese entstünde im Zusammenhang mit den klaren Raumkanten der Bibliothek interessante Raumfolgen und Wegen. Auch die innenräumlichen Qualitäten, die sensibel gestalteten Lichthöfe und die Fassadengestaltung fanden Anklang bei den Preisrichtern.

Das Preisgericht, das bei der Beurteilung der Arbeiten auch die Wirtschaftlichkeit im Auge hatte, empfahl einstimmig, die erstplatzierte Arbeit von Henchion Reuter Architekten zu realisieren, da diese „ausnahmslos“ die städtischen Vorgaben erfülle. Bleibt zu hoffen, dass die bisherigen rund 70.000 Besuchern der ursprünglich für ganz andere Zwecke errichteten Räumlichkeiten der alten Bibliothek schon bald die neue Stadtbücherei samt Lesegarten nutzen können.