Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Rhein-Main-Hallen, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Staab Architekten GmbH, Berlin

€ 35.000

Volker Staab

Mitarbeit: Petra Wäldle, Fabian Reinsch, Georg Hana, Peter Axelsen, Diana Saric, Sonja Hehemann

Fachberater: WINKELS BEHRENS POSPICH, Ingenieure für Haustechnik GmbH, Andreas Winkels, Herr Fabian, Münster, (Technische Gebäudeausrüstung, Energiekonzept)

Ifb frohloff staffa kühl ecker, Herr Ecker, Herr Kühl, Berlin (Tragwerksplanung)

Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH

Nicolai Levin, Berlin, (Landschaftsarchitektur)

IBB Ingenieurbüro, Herr M. Schmöller, Leipzig,  (Brandschutz)

Zech-Con Beratende Ingenieure, Knut Zech, Berlin, (Verkehrsplaner)

2. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 25.000

Jürgen Engel

Mitarbeit: Christopher Hammerschmidt, Marcel Schüring, Drazan Mateljak, Costa Krautwald, Huy Nguyen, Ulf Gatzke-Yu, Iris Jiménez, Bai Yunji

Fachberater: TechDesign Gesellschaft für Technische Ausrüstung und Energietechnik

mbH, Frankfurt/Main (TGA)

HHP Berlin, Niederlassung Frankfurt (Brandschutz)

Schlaich Bergermann und Partner, Niederlassung Stuttgart

(TWP)

Hyder Consulting GmbH Deutschland, Niederlassung Berlin (Verkehr)

Fugmann Janotta, Niederlassung Berlin (Landschaftsplanung)

BloomImages, Hamburg (Visualisierung)

Hannemann Modellbau Oldenburg (Modellbau)

3. Preis: Code Unique Architekten GmbH, Dresden

€ 15.000

Volker Giezek, Martin Boden-Peroche

Mitarbeit: Peter Weber, Paul Schmelzer, Christian Ecklebe, Dominic Geppert, René

Dully, Stefanie Berger

Fachberater: Erfurt und Mathes, Beratende Ingenieure GmbH, Chemnitz (Tragwerksplanung)

4. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt/Main

€ 10.000

Mitarbeit: Victoria Zander, Sandrina Schliemann, Anna Kern

Anerkennung: schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 5.000

Till Schneider, Michael Schumacher, Tim Ahlswede

Mitarbeit: M. Gold, A. Hirsch, M. Huesgen, B. S. Ko, L. Lopez, J. Sanchez, A. Tepavcevic

Fachberater: Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und Ingenieure Mainz GmbH, Stefan Bitter, Mainz (Landschaftsplanung)

Mitarbeit:F. Höche

B+G Ingenieure Bollinger + Grohmann GmbH, Manfred Grohmann, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)

Mitarbeit:P. Eisenbach

Pfeil & Koch ingenieurgesellschaft Beratende Ingenieure VBI, Stuttgart (TGA / Energiekonzept)

Mitarbeit: M. Wengert

Ulrike Brandi Licht Lichtplanung und Leuchtenentwicklung GmbH, Hamburg (Lichtplanung)

Mitarbeit: B. Heine

Sachverständigenbüro für vorbeugenden Brandschutz

Hilla, Frankfurt/Main (Brandschutz)

Prof. Dr.-Ing. Rudolf Eger, Darmstadt (Verkehrsplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 12.03.2013
Ort Wiesbaden
Auslober TriWiCon Eigenbetrieb für Messe, Kongress und Tourismus, Wiesbaden
Betreuung ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Christoph Golla, Prof. Anna Jessen, Karin Kellner, Prof. Ulrike Lauber, Prof, Wolfgang Lorch, Prof. Dieter Müller, Remigius Otrzonsek, Evelyn Pflugradt, Wolfgang Riehle, Dr. Anke Schettler, Detlev Bendel, Dr. Vera Gretz-Roth, Andreas Guntrum, Axel Imholz, Hans-Martin Kessler, Sigrid Möricke, Roland Presber, Henning Wossidlo

Klare Kante
Rhein-Main-Hallen Wiesbaden – nichtoffenener Architektenwettbewer

Die innenstadtnahe Lage des Wiesbadener Kongress- und Messezentrums, der Rhein-Main-Hallen, gilt als wichtiger Standortfaktor. In den insgesamt 13 Hallen und Sälen finden jährlich rund 100 Veranstaltungen statt, darunter Großveranstaltungen wie der Internistenkongress und der „Ball des Sports“. Doch die Betriebserlaubnis für die 1957 errichteten Bauten gilt nur noch bis 2015. Über den Standort für die geplanten neuen Rhein-Main-Hallen war in den vergangenen Jahren ausgiebig und kontrovers debattiert worden. Dabei reichten die Vorschläge von einem teilweisen Neubau unmittelbar neben dem bisherigen Standort und einer sich über Jahre hinziehenden Sanierung der übrigen, bestehenden Gebäudeteile bei laufendem Betrieb über einen Abriss der alten Gebäude und Neubau des Messezentrums am selben Standort bis hin zu einem Neubau an der Wilhelmsallee, schräg gegenüber dem alten Standort.

Im September 2012 war die Entscheidung der Wiesbadener Stadtverordneten gefallen, die alten Hallen abzureißen und an gleicher Stelle einen Neubau zu errichten. Zwar muss bei dieser Option die Stadt für etwa zwei bis drei Jahre auf die Veranstaltungen in den Hallen verzichten, jedoch überwog die Überzeugung, mit der innenstadtnahe Lage in Kombination mit einem modernen Kongresszentrum die bisherigen Nutzer zurückholen zu können und weitere Veranstaltungen zu gewinnen.

Für die Gestaltung der neuen Rhein-Main-Hallen hatte die TriWiCon, der Eigenbetrieb für Messe, Kongress und Tourismus der Stadt Wiesbaden, einen nichtoffenen Architektenwettbewerb ausgelobt und war dazu vorab von der AKH beraten worden. Die Organisation des Wettbewerbs übernahm die ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel. Unter den 24 eingereichten Arbeiten kürte das Preisgericht unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Prof. Zvonko Turkali den Entwurf von Staab Architekten GmbH aus Berlin zum eindeutigen Sieger. Auf den Rängen zwei bis vier folgten KSP Jürgen Engel Architekten GmbH aus Frankfurt, CODE UNIQUE Architekten GmbH aus Dresden und der Frankfurter Architekt Ferdinand Heide.

Am Entwurf von Staab Architekten gefielen den Preisrichtern die „klare Kante“ der neuen Hallen zu den denkmalgeschützten Herbert-Anlagen und die „durchdachte Gliederung mit Vor-, Rück- und Höhensprüngen“. Die Arbeit reagiere auf das heterogene Umfeld und trete in einen „gelungenen Dialog mit dem jeweiligen Gegenüber“. Den Auftakt der Rhein-Main-Hallen bildet ein öffentlich genutzter Turm an der Ecke Friedrich-Ebert-Allee, Rhein- und Wilhelmstraße. Hier wünschten sich die Preisrichter eine stärkere Öffnung Richtung Innenstadt, um den „Wahrzeichencharakter“ zu unterstützen. Positiv bewertete das Preisgericht Funktionalität, innere Struktur und Kompaktheit des Entwurfs – die Architekten bringen das gesamte Raumprogramm auf 30.000 Quadratmetern unter, der Mittelwert der Entwürfe sah 40.000 Quadratmeter vor – und die „wertige Optik“ der Materialien.

Auf Platz zwei folgen KSP Jürgen Engel Architekten. Diese schlagen eine großzügige Foyerzone entlang der Wilhelmstraße und die Unterbringung der drei geforderten Messehallen in einem pavillonartig aufgelockerten Ensemble aus großzügig verglasten Hallen mit vertikalen Fassadenelementen vor. Durch  das Zurücksetzen der mittleren Halle entstehe eine „attraktive, großzügige Platzzone“ als repräsentativer Auftakt, so die Preisrichter. Sie lobten die „differenzierte und maßvolle“ Höhenentwicklung der Bauten, hinterfragten jedoch den vorgeschlagenen vierten Baukörper für Kita und Verwaltung, der die „Trias der Hallen“ störe und fremdartig wirke.

Die drittplatzierten CODE UNIQUE präsentieren zwei gegeneinander verschobene, sich überschneidende und unterschiedlich hohe Gebäude. Der dadurch entstandene, großzügige Vorplatz gebe dem Landesmuseum ein „wohltuendes vis-à-vis“ und stelle eine besondere Qualität des Entwurfes dar. Nach Ansicht der Preisrichter widerspreche jedoch die Ausrichtung des Haupteinganges dieser Geste und verhindere die Anhebung des Platzniveaus eine adäquate Vorfahrt. Weitere Kritikpunkte sahen sie im großen Verglasungsanteil sowie in den gleichförmig gestalteten Fassaden.

Ferdinand Heide punktete mit einer öffentlichen Durchwegung des Komplexes und einer „abwechslungsreich differenzierten“ Fassade als „gelungene Variation des Kolonaden-Themas“ und landete auf dem vierten Platz. Positiv bewerteten die Preisrichter die Ausrichtung und Lage des Haupteinganges sowie die repräsentative Vorfahrt. Sie vermissten jedoch weitere Eingänge und die Eindeutigkeit von äußerer Gestaltung und innerer Struktur.

Eine Anerkennung vergab das Preisgericht jeweils an schneider+schumacher Planungsgesellschaft und Prof. Christoph Mäckler, beide aus Frankfurt am Main.

Das Preisgericht empfahl der Stadt Wiesbaden die erstplatzierte Arbeit unter Berücksichtigung der empfohlenen Überarbeitungspunkte zur Umsetzung. Zudem regte es an, auf die gewünschte Integration der Kita in die Rhein-Main-Hallen zu verzichten. Der Wettbewerb habe gezeigt, dass ein überzeugendes Angebot für die Kinder innerhalb des Großkomplexes nicht möglich sei.

Neben Verhandlungsverfahren mit den Preisträgern – wobei CODE UNIQUE ihren Rückzug aus dem Vergabeverhandlungen bekanntgeben haben – sind die Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Die Ergebnisse der Verhandlungsverfahren und der Bürgerbefragung werden den Wiesbadener Stadtverordneten vorgelegt, die sich bis zur Sommerpause für einen der Entwürfe entscheiden wollen.

Katja Klenz