Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Entwicklung LindeQuartier in Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: wulf & partner, freie Architekten mit Möhrle & Partner Freie Landschaftsarchitekten, Stuttgart

€ 5.000

Prof. Tobias Wulf, Prof. Hubert Möhrle
Mitarbeit: Berit Jennrich, Camilo Hernandez, Victor Gross, Violette Kratzke, Ralf Sautter, Alexander Ahlers

2. Preis: Trojan Trojan Wendt, Architekten + Städtebauer, Darmstadt m. Heide LandschaftsArchitekten, Frankfurt

€ 3.000

Prof. Klaus Trojan, Claus Heide
Mitarbeit: Lilija Bartuli, Di Miao, Mehdi Moshfeghi, Anke Thestorf, Volker Ihm, Sandra Düsterhus, Kai Dreker, Anke Stuhr

3. Preis: Atelier 5, Architekten und Planer AG, Bern mit Adler & Olesch Landschaftsarchitekten u. Ing., Mainz

€ 2.000

Heinz Müller
Michael Adler, Stefan Bittner
Mitarbeit: Uwe Strauss, Robert Naumann, Lydia Specht

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit baulicher Vertiefung (als Ideenteil)
Preisgerichtssitzung 23.11.2007
Ort Wiesbaden
Auslober Linde AG, München in Zusammenarbeit mit der Stadt Wiesbaden, Stadtplanungsamt
Betreuung scheuvens + wachten, Dortmund
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Prof. Wolfgang Kergaßner, Thomas Metz, Prof. Cornelia Bott, Johannes Geis, Marc Stähn

Der X-Faktor
Das Wiesbadener LindeQuartier nimmt Gestalt an

Wohnen am Hafen – das hat im Rhein-Main-Gebiet einen verführerischen Klang. In Frankfurt ohnehin, in Mainz, aber auch in Wiesbaden. Dort gibt es in Mainz-Kostheim, einem der südlichen Stadtteile der Landeshauptstadt, eine Ecke, in der es sich ausgesprochen gut leben lässt: Rhein und Main fließen hier zusammen, das Naherholungsgebiet Maaraue liegt unmittelbar gegenüber, das erweiterte Umfeld Kostheim hat zum Teil mit Fachwerkhäusern dörflichen Charakter, und trotzdem erreicht man schnell den Zug und kommt rasch auf die Autobahn.

Das Gebiet am Floßhafen war bislang ein Standort der Linde AG. Die Firma hat 2006 aber ihre Produktionsflächen dort aufgegeben. Stattdessen heißt es für das Areal künftig unter dem Titel „LindeQuartier Wiesbaden“: Wohnen am Floßhafen. Dazu haben Linde und die Stadt Wiesbaden einen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, bei dem fünf Teams gesetzt waren, darunter wulf & partner mit den Landschaftsarchitekten Möhrle & Partner, beide Stuttgart, Trojan Trojan Wendt, Architekten + Städtebauer aus Darmstadt mit Heide LandschaftsArchitekten, Frankfurt sowie Atelier 5 aus Bern mit den Landschaftsarchitekten Adler & Olesch aus Mainz – zugleich die ersten drei Preisträger.

Sie sollten nicht nur Konzepte für alle Formen des Wohnens im engeren Wettbewerbsgebiet entwickeln, sondern auch Vorschläge machen, wie die Ufer- und Promenadenzone in Richtung der Theodor-Heuss-Brücke in Mainz-Kastel neu gestaltet werden könnte.

Mittlerweile ist es dank der Satellitenaufnahmen der Suchmaschine Google im Internet zum Sport geworden, Architektur auch von oben zu betrachten, originelle Formen auszukundschaften. Auch Nicht-Stadtplaner entwickeln so ein Bewusstsein für Grundriss-Geometrie, dafür, wie wichtig das räumliche Zusammenspiel von Häusern ist. Sollte der erstplatzierte Entwurf realisiert werden, so wird man das LindeQuartier vielleicht dereinst unter der Architektur finden, die aus der Vogelperspektive einem Chromosomensatz ähnelt: Die mittleren Gebäude sind in sich leicht abgeknickt und stehen einander angedeutet x-förmig gegenüber. Gefasst werden sie zum einen im Norden durch eine dichtere Bebauung entlang der Kostheimer Landstraße und im Süden durch zwölf privilegierte Punkthäuser. Das ergibt auch von der normalen ebenerdigen Ansicht her eine sehr markante, insbesondere aber offene Struktur.

Auf eine geometrisch klare Aufteilung inklusive einer Grünachse und Terrassen hin zum Wasser setzten Trojan Trojan Wendt. Allerdings erschien den Preisrichtern, die unter Vorsitz von Prof. Franz Pesch alle Platzierungen einstimmig entschieden, die bauliche Struktur letztlich doch eher beliebig. Sehr kompakt wirkt der Entwurf von Atelier 5. Mit Schweizer Präzision sind die Quartiersblöcke gesetzt, und ähnlich wie die Schweiz sich seit je in Europa abkapselt, grenzt sich auch das hier vorgeschlagene LindeQuartier etwa vom nördlichen Stadtquartier deutlich ab.

Diese Vernetzung gelingt dem Siegerentwurf zwar auch nicht ganz, aber sichtlich besser. Ebenso wie das Anschließen einer neuen, steinernen Promenade an die umgebende Rhein- und Mainuferentwicklung. Hier lobte das Preisgericht die einmalige Adressbildung und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass daraus die gewünschte Rhein-Main-Promenade erwächst. Vor allem orientiert sich alles an dem Entwurf zum Wasser hin, namentlich die Mittelbauten mit ihrem X-Faktor, sodass das Preisgericht hier das größte Potenzial für ein perfektes Wohnen am Hafen sah.