Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Innenstadtgestaltung in Flörsheim/Main

Preisträger

1. Preis: BS+ städtebau und architektur, Frankfurt/Main

€ 10.500

Torsten Becker, Henrike Specht
Sachverständige:
Thomas Dittmann, Frankfurt/Main (Landschaftsarchitektur)

2. Preis: Jochem Jourdan, Bernhard Müller, Freie Architekten und Stadtplaner, Frankfurt/Main

€ 8.000

Prof. Jochem Jourdan, Bernhard Müller, Felix Jourdan
Mitarbeit: Nicolai Steinhauser, Helmut Winkler, Liang Cheng, S. Dhurgai Kumaran

2. Preis: Schaller / Theodor Architekten, Köln

€ 8.000

Christian Schaller, Helmut Theodor
Mitarbeit: Frederic Ripperger, Beate Brüggemann, Anna Maria Conoci, Michaela Tombaccini, Agnes Bielutta, Esin Akinci

3. Preis: Stadtplan Skoupil und Sinning Architekten, Darmstadt

€ 6.000

Almuth Skoupil, Norbert Sinning
Mitarbeit: Masoomeh Mostaan, Christoph Ney

Ankauf: ARGE Harald Neu Architekt und Städtebauarchitekt mit Gerhard Neff Architekt, Darmstadt

€ 2.500

Mitarbeit: Christian Heinisch, Isabell Palkowitsch

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit hochbaulichem Ideenteil mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 26.10.2007
Ort Flörsheim/Main
Auslober Magistrat der Stadt Flörsheim/Main
Betreuung GSW Gesellschaft für Stadtentwicklung und Städtebau mbH, Worms
Preisrichter Prof. Benita von Perbandt (Vorsitz), Prof. Horst Thomas, Rainer Kleebank, Michael Antenbrink, Leo Fercher

Freie Sicht aufs Rathaus
Ein zentraler Innenstadtbereich von Flörsheim wird neu gestaltet

Neuordnen, aufwerten – in Flörsheim wacht man nun bald schon 30 Jahre intensiv über die Entwicklung der Altstadt. Für eine kleine Stadt mit rund 20.000 Einwohnern ist das im Ballungsraum des Rhein-Main-Gebietes auch eine der wenigen Chancen, das eigene Profil zu bewahren. Gleichsam eingebunden zwischen Frankfurt, Wiesbaden, Rüsselsheim und Mainz, fehlt Flörsheim als Einkaufsstadt das exklusive Umland.

Deswegen hegt und pflegt man – langjähriger Partner ist dabei die Wiesbadener Planergruppe HTWW – nicht nur die historischen Bereiche, sondern verbessert stetig die Infrastruktur. Zuletzt hätte der Startschuss dafür durch einen Ideenwettbewerb für ein Geschäftszentrum plus Parkhaus fallen sollen. Doch vor drei Jahren wurde das Projekt Makulatur, als ein wichtiges Areal nicht erworben werden konnte.

In Flörsheim ließ man sich aber nicht beirren. Das Geschäftszentrum entsteht trotzdem, an einem neuen Ort etwas nördlicher. Das ändert die Optionen für das Wettbewerbsgebiet. Gewerbliche Nutzung ist nur noch dort nötig, wo keine Wohnnutzung möglich ist. Sonst gilt für den Bereich zwischen Wickerer- und Bahnhofstraße bis hin zum denkmalgeschützten Rathaus, mit seinen kurzen Wegen hin zur Altstadt, zum Stadtgarten und zum Mainufer: wohnen, leben, flanieren. Attraktive Wohnungen oder auch Stadthäuser waren gefragt. Hinzu kommt ein weiterer Bau für die Stadtverwaltung, der mit der bestehenden Rathaus-Villa ein „Gesamt-Rathaus“ ergeben soll.

Den Realisierungswettbewerb dafür hat das Frankfurter Büro BS+ städtebau und architektur gewonnen, das eine neue Rathauspromenade schaffen will, mit einer an die Eisenbahstraße anschließenden Blickachse direkt aufs Rathaus. Die Entscheidung für den Siegerentwurf fiel einstimmig, ebenso für die beiden Zweitplatzierten: zum einen Prof. Jochem Jourdan, Bernhard Müller, Freie Architekten und Stadtplaner, gleichfalls aus Frankfurt, die eine markante neue Platzfläche im „Knie“ der Bahnhofstraße vorsehen, die Villa in einem Park freihalten und die Alte Scheune für das Stadtarchiv erhalten. Und zum anderen für Schaller / Theodor Architekten aus Köln, die mit zwei Baublöcken in jeweils eigener Typologie punkteten, wobei die Preisrichter das neue Rathaus jedoch als deutlich zu massiv werteten. Platz drei belegte Stadtplan Skoupil und Sinning Architekten aus Darmstadt.

Das Modell von BS+ sieht insgesamt drei Wohnhöfe und den Erweiterungsbau des Rathauses vor. Sie alle grenzen an die neue Rathauspromenade, die in den Rathausplatz mündet, zu dem das Erweiterungsgebäude der Stadtverwaltung eine Raumkante definiert. Die vorgesehenen Läden und Dienstleistungsflächen entlang des Platzes dürften zu seiner Belebung beitragen. Ein zweiter Platz im Süden – tagsüber als Parkplatz nutzbar – ist für alle öffentlichen Anlässe von Märkten bis zu Festen konzipiert. Der wertvolle Baumbestand um das alte Ratshaus herum wird zu einem Hain erweitert. Die Seniorenwohnungen sind etwas zurückgesetzt, sodass der Blick auf die alte Kapelle frei ist. Die klaren Baukörperformen fanden die Zustimmung des Preisgerichts. Und auch die zurückhaltende Möblierung und die Freiflächengestaltung erhielten großes Lob.

Gewünscht hätten sich die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Benita von Perbandt allerdings eine klare Eingangssituation im Verbindungsbereich von altem und neuem Rathaus. Zudem schien die Geschäftsnutzung den Preisrichtern insgesamt zu kleinteilig und reichhaltig. Solange dort aber nicht die unvermeidbaren, jeder Stadt ihr Gesicht nehmenden Handy- und Parfümeriekettengeschäfte hineinkommen, stärkt Flörsheim mit der Entwicklung der Alt- bzw. Innenstadt seine innerstädtische Struktur nachhaltig. Und schärft damit Individualität und Profil.