Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Schule/Kita im Künstlerviertel in Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Michael Weindel & Junior Architekten GbR, Waldbronn/Karlsruhe mit Prechter + Schreiber, Nürtingen

€ 21.500

Michael Weindel jun., Prof. B. Prechter
Mitarbeit: Alexander Weindel, Kerstin Marx
Sachverständige:
Ingenieurgruppe Bauen, Karlsruhe (Tragwerk)
SEF-Ingenieure, Karlsruhe, (HLS)
BIG-Bechthold, Karlsruhe (Elektro/Sicherheit)

2. Preis: Broghammer . Jana . Wohlleber Freie Architekten, Zimmern o.R. mit Hans-Jörg Wöhrle, Schiltach

€ 14.300

3. Preis: Wolfgang Vögele, Stuttgart mit Gesswein Landschaftsarchitekten, Ostfildern

€ 9.700

Mitarbeit: Jachin Frenzel, Yvonne Möbius
Sachverständige:
Salvatore Cali (Berater für Schulbauten)

4. Preis: Hügemeier + Thrun Architekten, Wiesbaden mit Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen

€ 7.500

Wolfgang Thrun
Mitarbeit: Thomas Grüner
Fachberater: Joachim Deis

Ankauf: Voigt und Herzig Architekten und Ingenieure GmbH, Darmstadt mit Ipach und Dreisbusch, Neu-Isenburg

€ 4.000

Franz Herzig, Prof. Eberhard Voigt
Marcus Dreisbusch
Mitarbeit: Harald Neumann, Alice Baumgarten, Florian Mieden
Sachverständige:
Prof. M. Pfeifer, Darmstadt (Tragwerk)
Jörg Waldinger (Modell)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 26.10.2007
Ort Wiesbaden
Auslober SEG Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden mbH
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Prof. Ernst Ulrich Scheffler (Vorsitz), Prof. Jörg Stötzer, Jens Junghans, Thomas Metz, Ursula Hubl-Stück, Prof. Dr.-Ing. Joachim Pös, Dietrich Schwarz

Trapezkunst gesucht
Eine Grundschule plus Kita für Wiesbadens Künstlerviertel

Was heute so klangvoll in Wiesbaden in „Künstlerviertel“ umgetauft wurde, war lange Zeit das genau Gegenteil: Sehr unmalerisch erstreckt sich das Gebiet zwischen drei der befahrensten Straßen der Landeshauptstadt, es ist durchschnitten von den Gleisen der Aartalbahn, die zu einem verwaisten Güterbahnhof führen, und besteht im wesentlichen aus einer Mischung von Alt- und Neubauten unterschiedlichster Qualität. Die zentrale Lage sowie die Nähe zum attraktiven Rheingauviertel und zum neu gestalteten Europaviertel machen das 20 ha große Gebiet allerdings zu einem wichtigen Entwicklungsgebiet für den Wohnort Wiesbaden.

Inzwischen nimmt das Quartier Formen an. Rund 650 Wohnungen sollen entstehen. Da wird natürlich eine Kita bzw. Grundschule benötigt – für etwas über 200 Schüler und rund 100 Kindergartenkinder. Den Realisierungswettbewerb hat das Büro Michael Weindel & junior Architekten GbR, Waldbronn/Karlsruhe mit Prechter + Schreiber, Nürtingen, für sich entschieden.

Ihr Vorschlag für eine zweizügige Schule spiegelt die Trapezform des Geländes in der Gebäudeform selbst wider und generiert durch die Verschränkung der einzelnen Teile sehr differenzierte Freiräume. Die Entscheidung der Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Ernst Ulrich Scheffler für den 1. Platz fiel einstimmig, ebenso die Vergabe von Platz zwei und drei: Broghammer. Jana. Wohlleber Freie Architekten, Zimmern o.R. mit Hans-Jörg Wöhrle, Schiltach, wurden für ein klar funktionales Ensemble mit kammartiger Öffnung zum südlichen Grünbereich ausgezeichnet. Und Wolfgang Vögele, Stuttgart, mit Gesswein Landschaftsarchitekten, Ostfildern, schlugen einen modernen, lang gezogenen Baukörper mit Lichthof vor.

Für den Siegerentwurf sprach letztlich, dass die Aufteilung des Raumprogramms auf drei Volumen außerordentlich einfallsreich gelöst ist: Die nach Süden orientierte Kita mit Speiseraum befindet sich selbstverständlich im Erdgeschoss, die Sonderräume der Schule sind im Norden angelegt – und beide zueinander versetzte und verschwenkte Körper schaffen den Eingangsbereich und den zum Teil überdeckten Pausenbereich. Das Zentrum bilden die um ein Atrium platzierten Klassenräume im Obergeschoss. Dort sind auch Bibliothek und Verwaltung untergebracht. Nicht ganz zufrieden war das Preisgericht allerdings mit der Lage des Tummelplatzes und der Enge des Foyers.

Bei dem Wettbewerb war eine bindende Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten gefordert und eine Zusammenarbeit mit Künstlern empfohlen. Es sollte eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Kunst“ erfolgen. Das erste Kriterium haben – natürlich – alle Wettbewerber erfüllt, das zweite wurde allerdings ein wenig stiefmütterlich behandelt. Zum Teil fehlten künstlerische Konzepte ganz, zum Teil gerieten sie nicht wirklich überzeugend. Die Architektur des Siegerentwurfs legt sich nicht auf ein Konzept fest – was in diesem Fall aber nicht negativ ins Gewicht fällt. Die Gebäudekomposition selbst bildet einen gelungen Beginn für den südlichen Auftakt des Künstlerviertels, und da zudem viele Optionen für Kunst offen sind, wird sich auch noch die passende Kunstidee dazu finden.