Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnanlage „Am Rheingau-Palais“ in Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Planquadrat Elfers Geskes Krämer Part G, Darmstadt

€ 23.000

Herbert Elfers
Mitarbeit: Laura Wehling, Nikola Mahal, Holger Grobe, Dominik Schnabel
Fachberater: Ingenieurbüro IBK, Guido Kohnen, Freinsheim

2. Preis: HS.02 huthwelker.stoehr, Wiesbaden

€ 12.000

Dirk Huthwelker, Thomas Fritz, Jörg Manns
Mitarbeit: Marko Bussat, Carolin Brener, Anja Gosepath, Martin Stoehr
Fachberater: ITA, Wiesbaden (Schallschutz)
Kreisel Landschaftsarchitektur, Wiesbaden.

3. Preis: Lengfeld + Wilisch, Darmstadt

€ 7.000

Kay Wilisch, Mathias Lengfeld
MitarbeitChristiane Treiber, Frauke Wassum, Hady Sukendar, Matthias Knoll, B. Özbek

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener hochbaulicher Realisierungswettbewerb im städtebaulichen Kontext im kooperativen Verfahren.
Preisgerichtssitzung 01.07.2011
Ort Wiesbaden
Auslober Lloyd Delta Real Estate Anlagemanagement S.à.r.l., Wiesbaden
Betreuung WerkStadt Architekten + Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Rolf Hoechstetter (Vorsitz), Thomas Metz, Karl Kopf, Dr. Joachim Pös, Jörg Wörner, Hans-Jürgen Post

Wohnen am Palais
Nichtoffener Realisierungswettbewerb im städtebaulichen Kontext im kooperativen Verfahren

Für den am Rhein gelegenen Wiesbadener Stadtteil Schierstein wird ein komplett neues Quartier geplant – mit 180 Mietwohnungen und dem illustren Namen „Am Rheingau Palais“. Das 19.000 Quadratmeter große, direkt an der Nahtstelle zum historischen Ortsrand gelegene Grundstück gehörte bis 2010 der Sektkellerei Henkell – genauso wie das namensgebende, angrenzende Rheingau-Palais. Nun will die Delta Lloyd Anlagenmanagement GmbH dort eine neue Siedlung errichten und entschied sich nach einem Gespräch mit Gesine Ludwig (Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen), Joachim Klie (Vorsitzender Landeswettbewerbsausschuss) und dem Stadtplanungsamt Wiesbaden für die Auslobung eines nichtoffenen Realisierungswettbewerbs im städtebaulichen Kontext im kooperativen Verfahren. Insgesamt sechs Büros aus Frankfurt am Main, Wiesbaden, Kassel und Darmstadt waren zum Wettbewerb eingeladen worden, den WerkStadt Architekten + Stadtplaner aus Darmstadt betreute.

Das Preisgericht, dem der Darmstädter Prof. Rolf Hoechstetter vorsaß, vergab jeweils einstimmig einen ersten, zweiten und dritten Preis. Am besten erfüllte das Büro Planquadrat aus Darmstadt die Anforderungen der Auslobung. So waren neben der umgebenden Bebauung – der historische Ortsrand und das denkmalgeschützte Rheingau-Palais – auch der Schallschutz gegen eine direkt angrenzende Sportanlage sowie die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes zu berücksichtigen. Der Siegerentwurf begegnete den Anforderungen mit einem „in städtebaulicher wie auch in architektonischer Sicht eigenständigen Konzept“. Ein winkelförmiger Baukörper im Nordwesten soll einen lärmgeschützten Innenbereich schaffen. In diesem vermittelten freistehende Wohngebäude in der Mitte und Stadtvillen Richtung Süden „zwischen der Kleinmaßstäblichkeit der Schiersteiner Ortskernbebauung und der differenzierten Winkelbebauung“ und garantierten „eine gute Mischung von Wohnformen“, so die Preisrichter. Das autofrei geplante Wohnquartier soll in Ost-Westrichtung ein Grünzug durchlaufen.

Das Konzept der Wiesbadener HS.02 Architekten, ausgezeichnet mit dem zweiten Preis, sieht eine Blockrandbebauung vor, sowie im Innenbereich Punkthäuser, die auf einem gemeinsamen Sockel stehen. Die Entwurfsverfasser reagierten nach Ansicht der Preisrichter nachvollziehbar auf das jeweils angrenzende städtebauliche Umfeld. Der gemeinsame Sockel lasse eine selbstverständliche Trennung von privaten und halböffentlichen Freiräumen zu, die einfache Struktur der Gebäude ermögliche flexible Grundrisse. Die Preisrichter bemängelten jedoch die in der schallabschirmenden Blockrandbebauung zahlreich vorhandenen Aufenthaltsräume ohne natürliche Belüftung sowie die architektonische Detailgestaltung und Materialwahl, die „einen Mietwohnungsbau im oberen Preissegment“ erwarten lasse.

Zwei Bebauungsriegel mit vorgelagerten Erschließungskernen auf der West- und auf der Nordseite sowie drei gleichwertige Wohnhöfe im Innenbereich mit einer klaren Zonierung in Erschließungshöfe und halböffentliche Grünbereiche schlagen die drittplatzierten Lengfeld u. Wilisch Architekten aus Darmstadt vor. Der angrenzende Palaishof werde durch eine Terrassierung und Abstand schaffende private Freiflächen klar definiert. Die Preisrichter lobten die sehr wirtschaftlichen und modular erweiterbaren Grundrisse, problematisch erschien ihnen jedoch der Übergang zum historischen Ortskern – dort planen die Architekten einen großen Wohnblock.

Damit wie gewünscht Ende 2012 die Bagger rollen können, muss zuvor ein Bebauungsplan beschlossen werden. Auch deshalb ist der Wettbewerb eng mit dem Stadtplanungsamt abgestimmt worden. Wenn, wie geplant, 2014 das Quartier „Am Rheingau-Palais“ fertig gestellt ist, könnte die bisherige Einwohnerzahl von Schierstein von etwa 10.000 deutlich nach oben schnellen.