Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Marktplatzkarree in Eschwege

Preisträger

1. Platz: foundation 5+ architekten und landschaftsarchitekten, Kassel

€ 6.000

Philipp Krebs, Matthias Foitzik, Michael Herz
Mitarbeit: Moritz Rumpf

2. Platz: Lieberknecht Architekten, Eschwege

€ 4.000

Klaus Lieberknecht, Ludwig Lieberknecht

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einladungswettbewerb in Form eines Ideenwettbewerbs im vereinfachten Verfahren
Preisgerichtssitzung 11.09.2007
Ort Eschwege
Auslober Magistrat der Kreisstadt Eschwege
Betreuung Magistrat der Kreisstadt Eschwege, Fachdienst Gebäudewirtschaft/Touristische Infrastruktur
Preisrichter Prof. Helmut Feußner (Vorsitz), Günter Schleiff, Rudolf Raabe, Jürgen Zick, Dieter Kohl

Dritte Wende
In Eschwege wird das Marktplatzkarree neu gestaltet

Das nordhessische Eschwege ist ein Paradebeispiel für die Wende nach der Wende. Zunächst schien die Stadt im Werrabecken zu den Gewinnern der Einheit zu zählen: Unweit der thüringischen Grenze gelegen, öffnete sich mit dem Osten zugleich ein neuer Markt. Doch eigene Infrastrukturen in Thüringen, niedrigere Löhne bei höheren Förderungen im neuen Bundesland sowie die entfallene Zonenrandförderung für Eschwege kehrten die Vorzeichen alsbald um. Seitdem kämpft die Stadt: gegen Bevölkerungsschwund – aber auch dafür, vor allem den Jungen unter den heute rund 23.000 Einwohnern noch eine wirtschaftliche und strukturelle Perspektive zu bieten.

Das kann über Architektur funktionieren. Zu einer der Maßnahmen der Kreisstadt des Werra-Meißner-Kreises in diesem Sinne zählt das Projekt „Marktplatzkarree Eschwege“. Wohnen, Arbeiten und Handel sollen vereint und dem Leerstand historischer Bauten in der Innenstand entgegengewirkt werden.

Acht Büros waren aufgefordert, an dem Einladungswettbewerb teilzunehmen, das Stadtkarree zu erneuern, darunter vier aus Eschwege. Eines von ihnen kam auf den zweiten Platz, nämlich die Architekten Klaus und Ludwig Lieberknecht. Sie schlagen zwar eine Großform vor, bleiben aber dank moderater Gebäudehöhen und -gliederung im städtebaulichen Maßstab. Lob fanden insbesondere die Freiflächen, die gemeinschaftlich genutzt werden können.

Auf den ersten Platz wählte das Preisgericht unter ihrem Vorsitzenden Prof. Helmut Feußner das Kasseler Büro foundation 5+. Sie setzen – mit Blick auf die wahrscheinlich weiter sinkende Bevölkerungszahl – nicht auf Wohnmasse, sondern -klasse. Wohnen mit Qualität sollen eine kleinteilige, parzellenhafte Neubebauung mit Stadthäusern bei gleichzeitig großzügiger privater Freifläche an der Kniegasse und ein gut gegliederter Geschossbau an der Ecke zum Alten Steinweg garantieren. Moderne und Historie, Loft und Fachwerk harmonieren hier auch auf engstem Raum. Die denkmalgeschützten Bauten am Marktplatz bleiben erhalten. Der Freiraum in der grünen Mitte des Blocks kann gemeinschaftlich genutzt werden, Dachterrassen machen die obersten Stockwerke attraktiv.

Die Preisrichter bedauerten das Fehlen einer zeichnerischen Lösung für die gewerbliche Nutzung, waren aber mit dem prozessorientierten Denken des Konzepts zufrieden. So bietet der Siegerentwurf die Möglichkeit, dass ein Erdgeschoss zum Beispiel kleingewerblich genutzt werden kann, zugleich entwerfen die Kasseler aber auch Szenarien, wie sich die Häuser gestalten lassen, wenn die gewerbliche Nutzung entfällt. Flexibilität ist die Stärke des Entwurfs – und passt damit zu einer Stadt, die sich immer wieder neu erfinden muss, um die dritte Wende zu schaffen.